Detailbeschreibung: Bei den Silberschmieden

Viele Örtlichkeiten in Agadez waren mir schon vor dieser Reise bekannt, sogar eine ganze Familie kannte ich - wenn auch nur aus dem Buch "Die Enkel der Echse" von Désirée von Trotha (Verlag Frederking & Thaler). Die Münchnerin schrieb ihre Erlebnisse aus mehreren Jahren nieder, in denen sie immer wieder nach Agadez kam und nach und nach immer mehr in das Leben dieser Familie einbezogen und Teil dieser Familie wurde.

In der Schmiede Und jetzt sollten wir genau diese Schmiedefamilie kennenlernen: Koumama. An der Straße zum Kamelmarkt treten wir durch die Tür eines unscheinbaren Hauses. Und da sitzen sie bzw. stehen auf, um uns zu begrüßen: Elhadji, Malouchounu, Hadj Sidi, Danda und all die anderen, deren Fotos und Namen ich aus dem Buch kenne. Wir werden herzlich willkommen geheißen und im schattigen Innenhof plaziert.
Während der traditionellen drei Tee-Runden können wir die einzelnen Arbeitsschritte bei der Herstellung von silbernen Tuareg-Kreuzen und grazilen Tierskulpturen (z.B. Gazelle, Fennek oder Kamel) verfolgen.

Sie werden in der Technik der "verlorenen Form" hergestellt und sind so jedes für sich ein Einzelstück: Die gewünschte Form wird in allen Einzelheiten aus Wachs modelliert (Positivmodell), vorsichtig mit einem Lehmgemisch dick ummantelt, getrocknet und danach erhitzt. Dadurch schmilzt das Wachs und wird vollständig aus einer ausgesparten Öffnung ausgegossen. Geschmolzenes Silber wird in die Form gefüllt, die nach dem Erstarren des Silbers zerschlagen wird. Fertig ist der Rohling.

Der wird dann noch aufwendig geglättet, poliert, ziseliert und wieder poliert, bis die schönen Stücke in den Verkaufsraum wandern. Insgesamt wird an einem solchen Stück etwa 2 Stunden gearbeitet, je nach Größe und Dekor auch erheblich länger.

Der Verkaufsraum - ein kleines Zimmer, ca. 6 m², ist das Paradies für Silberliebhaber wie mich. Da muss man sich extrem unter Kontrolle haben!
Es werden neben neuem, reinem Silberschmuck auch alte Stücke (Legierung aus Silber und Nickel) verkauft. Gerade diese alten Stücke sind oft ausgesprochen schön und kostbar, im doppelten Sinn. Da jedoch die meisten Käufer aus Europa kommen und reines Silber bevorzugen, haben sich die Schmiede heute auf die Verarbeitung hochwertigen Banksilbers (925er) spezialisiert.

Wir kaufen Schmuck für PARMED ein, der in Deutschland mit einem Aufpreis weiterverkauft wird. Der Gewinn aus diesen Schmuckverkäufen fließt zu 100% in die Agadez-Projekte "Central Hospital" und "Weiterbildung medizinischer Hilfskräfte" ein.
So werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: PARMED unterstützt mit den Einkäufen bei diesen Schmieden die einheimischen Handwerksfamilien (und kurbelt so die Wirtschaft an), europäische Frauen und Männer(!) können sich an traditionellem Tuareg-Schmuck erfreuen (zu trotz Aufschlag immer noch sehr günstigen Preisen) und der Erlös kommt wiederum der Bevölkerung von Agadez zugute, weil davon z.B. Medikamente, Verbandsmaterial und medizinische Geräte für das Krankenhaus gekauft werden.

Chomeisa


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