Tagesablauf während der Kameltour

Der Ablauf eines durchschnittlichen Kameltages sieht etwa folgendermaßen aus:

Je nach Jahreszeit schälen wir uns meist noch im Halbdunkeln aus den kuschelig warmen Schlafsäcken und stehen frierend im Freien. Katzenwäsche, Zähneputzen, Toilette in beliebiger Reihenfolge.
Zwischen acht und halb neun gibts Frühstück (Kaffee oder Tee, Brot, Käseecken, Marmelade). Danach werden die Kamele gesattelt und das Lager abgebrochen. Gegen neun Uhr ziehen wir los, meist erst ein Stück zu Fuß. Dann reiten wir, sehen uns zwischendurch Felsmalereien an, sammeln Tonscherben.

Mittagssalat Am Mittagsrastplatz angekommen, erwarten uns die Autos und Housseini hat das Mittagessen oft schon fertig. Für uns Touristen gibt es frischen Salat mit Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, mal mit roter Beete, mal mit Eiern, Sardinen oder Thunfisch aus der Dose. Oliven, Zitronenscheiben und ein Nachtisch aus Apfelsinen oder Granatäpfeln fehlen bei keiner Mahlzeit. Luxus pur!

Die Tuareg essen meist Nudeln zu Mittag. Wer trotz der Hitze mehr auf Nudeln steht, ist immer herzlich eingeladen!
Nach dem Essen wird Siesta gehalten. In den heißesten Stunden des Tages (bis gg. halb drei nachmittags) wird Tee getrunken, ausgeruht, geschlafen, Domino gespielt, die Umgebung erkundet, Tagebuch geschrieben, gelesen, oder oder oder.

Danach geht es nochmal für zwei bis drei Stunden hoch zu Kamel weiter. Die Autos sind wie immer schon seit geraumer Zeit am Lagerplatz für die Nacht. Jetzt heißt es absatteln, Kamele versorgen und den neuen Platz erkunden.
Es gibt Nachmittagskaffee oder Beutel-Tee und ein paar libysche Kekse von der Rolle. Dann ist auch bald der "richtige" Tee soweit. Ist das Feuer genügend weit heruntergebrannt, macht sich einer an die Zubereitung des Tugella. Dieses Brot wird im heißen Sand - mit Glut bedeckt - gebacken.
Man sitzt und plaudert, sieht die Sonne verschwinden, wer will, baut sein Zelt auf oder macht einen Erkundungsgang in die nähere Umgebung. Es wird schnell dunkel, und kaum ist die Sonne weg, wird es auch deutlich kälter. Schön, dass es ums Feuer herum so gemütlich und warm ist.

Irgendwann zwischen sieben und acht gibt es den kulinarischen Höhepunkt des Tages: Houssenis Abendessen. Zuerst gibt es "Houssenis Suppe". Doch da sollte man gut aufpassen: lässt man sich hinreißen und nimmt eine zweite Portion, ist man ggf. bereits vor dem Hauptgericht satt. Und nichts verärgert einen Koch mehr, als dass einer das Werk seiner Arbeit verschmäht. Auch wenn es noch so spannt am Bauch, eine klitzekleine Kleinigkeit muss noch rein! Das Hauptgericht besteht aus Makkaroni, Spaghetti Tonno, Reis oder Couscous. Von mir aus könnte es jeden Tag Tugella geben, aber das finden die anderen zu eintönig. Schade! Zu Nudeln, Couscous, Reis oder Tugella kocht Housseni jeden Tag eine andere, leckere Fleisch-und-viel-Gemüse-Sauce.

Nach dem Abwasch sitzen alle ums Feuer, es wird Musik gemacht, gesungen, manchmal auch getanzt. Oder wir versuchen uns bei der Lösung von Tuareg-Rätseln, deren Schwierigkeiten nicht nur in der sehr verschiedenen Ansicht von Dingen beruhen, sondern oft auch im Unvermögen des sprachlichen Ausdrucks, wenn man vom Tamashek ins Arabische oder Französische übersetzt. Gerade bei Wortspielen macht das oft gar keinen Sinn, aber es macht Spaß, und das ist die Hauptsache. Manchmal wird einem die Zukunft vorhergesagt oder einer rezitiert schöne Liebesgedichte, wobei sich die Liebe sowohl auf eine Frau, die Heimat oder ein edles Kamel beziehen kann. Viel zu schnell gehen diese Abende zu Ende.

Wenn man sich nicht schon beizeiten einen Schlafplatz gesucht hat, muss man nun bei mehr oder weniger hell scheinendem Mond eine geeignete Ecke finden. Vieles ist zu berücksichtigen: Wo weiden die Kamele? Aus welcher Richtung kommt der Wind und wo liegen die Schnarcher? Welche Ecke ist zur Toiletten- und Waschecke deklariert worden? Gibt es lose Steinplatten, unter denen sich bevorzugt Getier aufhält?
Hat man alles zur Zufriedenheit abklären können, bleibt nur noch, sich ordentlich gegen die Nachtkälte einzumummeln und den Sternen solange zuzusehen, bis einem die Augen zufallen.

Wer aus einem Reisebericht gekommen ist: Hier gibt's den Rücksprung an die jeweilige Stelle:
3. Reise (März 2000) | 4. Reise (Januar 2001) | 5. Reise (Dez 2001/Jan 2002) | 6. Reise (Okt/Nov 2002) 7. Reise (Okt 2003) |
8. Reise (Dez 2004) | 10. Reise (Nov 2006) | 12. Reise (Feb/Mrz 2008) | 13. Reise (Dez 2008/Jan 2009) | 14. Reise (Nov/Dez 2010)


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