Reisebericht Libyen 1998
geschrieben von meiner Freundin Gabi (Aisha) im Herbst 2000

Libyen vom 26.10. bis 16.11.1998

Zu dieser Reise musste mich Evi (Azahra) nicht lange überreden. Fast ein ganzes Jahr war seit unserer ersten Tour nach Libyen vergangen. Damals war ich noch etwas skeptisch, was das Kamelreiten betrifft. Azahra meinte dazu, zur Not könnte ich ja immer noch laufen oder mit dem Jeep mitfahren. Aber dann war ich ebenso vom Kamelreiten infiziert wie sie.
Jetzt war es also endlich wieder soweit. Mit von der Partie waren außer Azahra und mir, Diane, Katja, Erwin, Helmut und Walter. Erwin war beim ersten Mal auch schon dabei.

Von Djerba über Tripolis nach Terkiba

Bei der Ankunft in Djerba wartet bereits ein Minibus mit Fahrer auf uns. Es kann losgehen Richtung libysche Grenze. Vor der Grenze haben wir noch libysche Dinar getauscht. Die Grenzformalitäten waren auch schnell hinter uns gebracht.
Nach einem kurzen Abendessen unterwegs kommen wir übermüdet, aber glücklich in unserem Hotel in Tripolis an.
Am nächsten Tag geht es mit unseren zwei neuen Fahrern (Fatih und Aschraf) die lange Strecke runter in den Süden über Sebha und Ubari nach Terkiba. Mit RAI-Musik lässt sich die lange Fahrt einigermaßen ertragen. Die letzte Stunde Fahrt zieht sich endlos. Endlich Terkiba.
Moussa und El Hedi warten bereits auf uns - große Wiedersehensfreude. Wir verladen das Gepäck in die Jeeps und fahren ein Stück in die Dünen des Erg Ubari zu unserem ersten Nachtplatz. Dort warten Husseini und Yussef bereits mit dem Essen auf uns. Auch da große Wiedersehensfreude. Yussef war bei der ersten Reise nicht dabei.

Endlich wieder am Lagerfeuer sitzen. Nach Husseinis leckerem Essen gibt es den von mir langersehnten Tee. Nach alter Sitte bekommen die "Neuen" ihre "einheimischen" Namen. Große Diskussionen über die Namensgebung folgen. Dann hat endlich jede/r einen neuen Namen. Aus Diane wird Laila, aus Katja Khadija, aus Helmut Abdallah und aus Walter Ahmed. Erwin bleibt natürlich Absaou, Evi Azahra und ich Aisha.
Was für eine Nacht: Ein Sandsturm war es zwar noch nicht, aber der Wind ging schon ziemlich heftig. Wer nicht im Zelt schlief, wurde schon ganz schön eingesandet.

Über Indinen nach Ghat

Am nächsten Morgen geht es mit zwei Jeeps und einem Pickup weiter. Gegen 12 Uhr machen wir Mittagsrast. Moussa sucht ein schattiges Plätzchen abseits der Straße. Es gibt für uns Touristen wie immer mittags Salat. Ein paar fleißige Hände helfen Husseini beim Schnipseln. Nach dem Essen, Abwaschen und dem ersten Glas Tee spielen wir mit Koloquinten (kleine Wüstenkürbisse) Boccia. Ca. gegen 15 Uhr brechen wir wieder auf. Bei den Geisterbergen von Indinen machen wir Abendrast. Am Lagerfeuer und mit einigen Teelichtern beleuchtet, machen Azahra, Moussa und Yussef Büro (Schreibarbeiten für unsere Registrierung in Ghat).

Vormittags erreichen wir Ghat. Zuerst steht eine kurze Besichtigung der Altstadt auf dem Programm. Dort treffen wir auf Issa, der letzes Jahr mit den Kamelen bei uns war. Dieses Jahr wird er leider nicht mitkommen, er hat eine andere Gruppe zu betreuen. Nach der Stadtbesichtigung fahren wir zum Campingplatz von AWISS. Dort können wir nach dem Mittagessen alle noch mal duschen.
Mit vollen Wasserkanistern und Unmengen von Essen, geht es endlich raus aus Ghat und Richtung Akakus. Mit von der Partie ist jetzt auch noch Amoud.

Azahra und ich reden die ganze Zeit nur noch von unserer Kamelen, von Abhaou und Absaou. Ob sie uns wohl wiedererkennen...
Dann endlich unser Abendplatz. Mohamed, Moussa´s Vater wartet bereits auf uns und begrüßt uns total herzlich. Wir hatten ihn schon auf der ersten Tour liebgewonnen.

Azahra und ich können es natürlich gar nicht erwarten, zu den Kamelen zu gehen. Mit etwas Brot bewaffnet gehen wir ihnen entgegen. Auf dem Weg begegnen wir Litnein, er wird dieses Jahr mit den Kamelen mitkommen. Die Kamele kommen immer näher, aber von unseren zwei Kamelen keine Spur. Sie sind nicht dabei! Uns ist zum Heulen zumute! Zurück am Lager tröstet uns Mohamed.

Jetzt ist unsere Gruppe komplett. Mit uns sieben Touristen/innen sind Moussa, El Hedi und Amoud als Fahrer, Husseini als unsere Koch und Mohamed, Yussef und Litnein für die Kamele dabei. Heute Abend ist auch noch Ibrahim zu Gast, ein älterer Bruder vom Moussa. Er hat frisches Futter für die Kamele gebracht. Abends am Feuer wird getanzt und gesungen. Unser Schmerz wird dadurch etwas gelindert.
Nachdem sich alle einen Schlafplatz gesucht haben, sitzen Azahra und ich wie jede Nacht, noch lange auf unserer Matte und lassen den Tag Revue passieren.

Kameltrekking im Akakus

Die Kamele werden zugeteilt, dann geht es los. Ein Kameltag ist eigentlich wie jeder andere. Aber ganz so ist es auch nicht. Nach dem Frühstück wird gesattelt. Dann wird zuerst ein Stück gegangen, um die Morgenkälte zu vertreiben und anschließend bis Mittag geritten. Zwischendurch wird bei Felszeichnungen oder -gravuren angehalten. Im Akakus wird es dem Auge nie langweilig. Es sieht immer anders als. Die Bergformationen erinnern an Gesichter oder Tiere. Mal ist die Landschaft lieblich mit kleinen Dünen und Akazien, mal schroff, dann wieder sieht es wie eine Mondlandschaft aus.

Mittags hat Husseini den Salat schon fertig für uns. Manchmal gibt es aber auch Omelette mit selbstgeschnitzen Pommes. Lecker. Nach dem Tee macht jeder was er will. Manche erkunden die Umgebung, manche schlafen im Schatten einer Akazie oder eines Felsens. Azahra und ich spielen meisten mit den Jungs Domino. Azahra und Litnein spielen auch manchmal Darra, eine Art Dame, das mit Steinen und Kamelkötteln im Sand gespielt wird.

Gegen drei Uhr nachmittags geht es meistens wieder weiter. Dann wird noch mal zwei bis drei Stunden geritten. Nach dem Absatteln und dem Kameleversorgen gibt es den Nachmittagskaffee oder -tee. Dazu gibt es anfangs noch meine selbstgemachten Kamelkekse. Die sind aber bald zu Ende. Danach gibt´s gekaufte Kekse (lecker sind die Kokoskekse).
Bis zum Abendessen hat man noch Zeit, um sich schon mal nach einem Schlafplatz umzusehen. Abends gibt es zuerst die "beste Suppe der Welt". Danach Cous Cous, Reis oder Nudeln mit Gemüse und Fleisch oder Spaghetti mit Thunfisch. Am liebsten esse ich aber Tugella. Da nehme ich mir sogar eine zweite Portion. Es ist sowieso schwer auf die zweite Portion zu verzichten, wenn einen Husseini ansieht und fragt: "anchor ?" Da kann man nur schwer widerstehen. Al Hamdu lillah hat meine Hose Gummizug.

Der Abwasch ist schnell gemacht. Dann werden ein oder zwei leere Wasserkanister geholt und damit getrommelt. Dazu wird gesungen und getanzt. El Hedi ist ein unermüdlicher Sänger, er kennt die meisten Lieder. In manchen Lieder werden auch die Ereignisse des Tages besungen. Eine Übersetzung bekommen wir meistens nicht. Es wird nur viel gelacht. Inzwischen haben wir auch einigermaßen den Text eines Liedes gelernt und können mitsingen: "Ténéré, yah Ténéré ...".

Der Sternenhimmel ist einfach überwältigend. Und wenn Vollmond ist, ist es so hell, dass man fast lesen kann. Es gibt auch immer wieder Sternschnuppen. Manchmal so viele, dass mir sogar schon die Wünsche ausgegangen sind.

Nach 10 wunderschönen Tagen müssen wir leider Abschied von Mohamed, Litnein und den Kamelen nehmen. Nachdem die Kamele gesattelt und beladen wurden, wurden noch die letzten Gruppenfotos gemacht. Dann zieht die kleine Karawane los und wir blicken ihnen traurig hinterher.

Vom Awiss zu den Mandara Seen

Jetzt geht es mit den Jeeps weiter ins Awiss, im Norden des Akakus. Die Landschaft dort ist phantastisch, sehr lieblich. Übernachtet haben wir in den Dünen von Wan Kassa. Die Nächte werden immer kälter. Dann fahren wir weiter in die Dünen des Erg Ubari.

Wir wollen zu den Mandaraseen. Zuerst fahren wir zum Gabroun See. Danach zum Um El Ma. Für mich der schönste der Mandara Seen. Während der Mittagsrast besprechen Azahra, Moussa und Yussef bereits unsere nächste Tour: Dann wollen wir 16 Tage Kamelreiten, insgesamt 4 Wochen Libyen. Ich freue mich jetzt schon darauf.
Am Mandara See pflücken wir noch Datteln, dann geht es wieder nach Terkiba. El Hedi fährt eigene Wege. Wir bleiben am Kamm einer hohen Dünen stecken und müssen buddeln.

Der letzte Abend mit unseren libyschen Freunden. Sie ziehen nochmals ihre schönsten Gewänder an. Und der Schesch wird besonders schön gewickelt.
Am Feuer wird das letzte Essen von Husseini und danach der letzte Tee für eine lange Zeit genossen. Wir kommen erst im Frühjahr 2000 wieder, als erst in 1 ½ Jahren.

Die Nacht wird lange. Es wird gesungen und getanzt. Nach und nach verzieht sich jeder zu seinem Schlafsack.
Azahra und ich schlafen am immer kleiner werdenden Feuer. Morgens macht El Hedi neues Feuer und Husseini bringt uns Tee "ans Bett". Alle stehen langsam auf.
Nach dem Frühstück tanzen wir gegen den Abschiedsschmerz. Als erstes müssen wir Husseini verlassen, er bleibt im Lager zurück. Wir fahren zur Straße, wo uns wieder unsere Fahrer Fatih und Aschraf abholen. Jetzt heißt es auch Abschied nehmen von Moussa, Yussef und El Hedi.
Amoud fährt mit uns mit nach Tripolis. Im Bus auf der langen Fahrt wird zuerst nicht viel geredet. Wir sind alle traurig, jeder hängt seinen Gedanken nach. Doch nach und nach wird die Stimmung besser: Wir kommen ja wieder zurück!

Tripolis und Djerba

Übernachtet wird im Hotel Bab Al Bahr. Nach der Ankunft dort und dem Zimmerbeziehen fahren wir zum Essen in ein libanesisches Restaurant.
Am nächsten Tag kann jeder machen, was er will. Azahra und ich gehen ins Nationalmuseum und danach in den Souk. In der Stadt treffen wir auch Laila, Khadija und Ahmed. Absaou und Abdallah waren mit Amoud in Leptis Magna und haben sich dort die Römischen Ausgrabungen angesehen.

Am nächsten Tag geht es zurück nach Djerba. Unterwegs besichtigen wir noch in Sabratha die römischen Ausgrabungen. Das Theater dort ist noch sehr gut erhalten.
Auf Djerba haben wird unsere letzte Nacht. Wir genehmigen uns dort das erste Glas Bier oder Wein nach drei Wochen und finden alle sieben, dass wir eine sehr schöne gemeinsame Zeit hatten.

Alf shukran, yah Azahra, li´s-safar dschamila!


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