Reisebericht Libyen 2010

Meine 14. Reise nach Libyen vom 20.11. - 11.12.2010


Inhalt:


Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

Endlich! Da wir unsere geplante Reise im Herbst 2009 wegen eines Todesfalles abgesagt haben, waren nun fast 2 Jahre seit unserer letzten Libyenreise vergangen. Große Sehnsucht hat sich breitgemacht! Also haben wir - Aisha, Mariam, Mouftah und ich - unsere Taschen gepackt und sind am 20. November losgezogen. Mariam und Mouftah waren vor ein paar Jahren schon mal dabei und aus dieser Zeit hat Mouftah auch seinen zweiten Namen weg: "Diek" (arab. "Hahn"), den er seiner damals - und auch bei dieser Reise wieder eingenommenen - exponierten Rolle als einziger Touristenmann zu verdanken hat. Und wir Frauen waren wieder die Hühner ...

Ich habe die Reise wie immer von Deutschland aus organisiert und in Libyen waren wir natürlich wieder mit den Leuten von der Agentur AWISS aus Ghat unterwegs.

Flug über Tripoli nach Sebha, Fahrt nach Al-Aweinat

Start mit Minibus Angekommen in Tripoli (Einreiseformalitäten waren schnell und wie immer ohne Probleme erledigt), wurden wir von unserem langjährigen "Betreuer" Abdallah abgeholt und zum Inlandsflug nach Sebha gebracht. Übernachtung auf einem Campingplatz. Am nächsten Morgen brachte uns Arif mit seinem Minibus nach Al-Aweinat, wo uns am frühen Nachmittag Moussa ("General Manager" und Allrounder), Housseini (Koch) und Abdelrahman (Fahrer) von der Agentur AWISS in Empfang nahmen. Jetzt beginnt der Urlaub!

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Tassili

Die erste Nacht im Tassili überraschte uns mit einem übergroßen Vollmond, der zeitgleich zum Sonnenuntergang aufging und uns bis früh 4 Uhr ins Gesicht schien. Leider ließ die Hitze (es war fast die gesamte Reise über ungewöhnlich heiß, fast wie im September oder Anfang Oktober) auch in der Nacht nicht viel nach. Da durch die hohen Temperaturen die Schlangengefahr höher war als für November üblich, wir also fest in den Winter-Schlafsack kriechen mussten, haben wir alle ordentlich geschwitzt und nicht sehr gut geschlafen.
Zelte hatten wir natürlich dabei, aber die bauen wir nur in allergrößter Not auf, sei es aus Faulheit oder weil wir uns den Wind um die Nase wehen lassen und in die Sterne gucken wollen.

Die vier Tage im Tassili mit Moussa, Housseini und Abdelrahman führten uns zu vielen bekannten und einigen neuen schönen Plätzen, darunter eine kleine Bilderbuchoase mit eigenem "See", in der Ausbreitung überschaulich, dafür fast 1,70 m tief. Dann durfte auch die Jagd nach der ersten Dornenschwanzagame nicht fehlen. Diese war klein, gelb und hübsch gezeichnet.

Tassili Tassili Oase Tassili Dornenschwanzagame


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Ghat und Akakus, inkl. 7 Tage Kamelreiten

Danach waren wir für anderthalb Tage in Ghat und haben Familienbesuche absolviert. Unglaublich, was in Ghat gebaut wird! Baustellen so groß wie Dörfer finden sich gleich an drei Stellen rund um Ghat. Und Barket ist mit Ghat schon längst verschmolzen.
Am Abend auf dem Campingplatz kam Yussuf Guitar vorbei, der uns auf den beiden letzten Reisen begleitete, und hat uns ein kleines privates Konzert gegeben. Das war sehr schön!

Guitar Guitar im Akakus 2

Am nächsten Tag ging es mit Moussa, Housseini und Sidi (unserem neuen Fahrer) in den Akakus. Leider war die Südroute nicht offen, sodass wir über Al-Aweinat den nördlichen Einstieg nahmen.
Einen Tag hatten wir uns noch Jeep fahren verordnet, bevor wir für 7 Tage aufs Kamel umstiegen. Wir sind u.a. durchs wunderschöne Awiss gefahren, um dann beim Kameltreffpunkt in der Nähe vom Pass zu übernachten.
Dass der Akakus mein liebstes Fleckchen Erde ist, habe ich in den vorigen Reiseberichten ja schon genügend erwähnt. Dort lassen sich auch - bei Interesse - noch mehr Fotos und Beschreibungen finden.

Akakus 1 Akakus 2 Akakus 3 Akakus 4 Akakus 5

Steinkreis Bodenprofil 1 Steine 1 Stein Blauer Kaefer

Freudiges Wiedersehen mit unserem Chamelier Ali, den wir bereits 2003 und 2004 dabei hatten. Unsere fünf Kamele waren in sehr guter Verfassung, und da wir Touris alle schon Libyen-Reiterfahrung hatten, konnte es gleich richtig losgehen.
Und hier habe ich vor Jahren mal aufgeschrieben, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.

Wir ritten sowohl auf bekannten als auch neuen Pfaden, u.a. durch ein wunderschönes Wadi, welches selbst Ali noch nicht kannte. Dort haben wir - nach 13 Reisen ohne Glück - endlich die ersten frei lebenden Akaokan (Klippschliefer; Einzahl: Akaokao) vor die Fotolinse bekommen. Mein kleiner Fotoknipser hatte keine Chance, die schnellen Wusel im Felsgewirr festzuhalten. Mariams guter Digitalkamera haben wir das Foto zu verdanken (einmal im Original, einmal als etwas unscharfer, vergrößerter Ausschnitt) - vielen Dank!

Akaokao im Fels Akaokao

Die Kameltage haben wir unterschiedlich ausgenutzt. An erster Stelle stehen dann nicht Reitstunden und wunderschöne Schlafplätze, sondern das Weideangebot für die Tiere bei den Mittags- und Nachtplätzen. So gab es mal relativ kurze, mal sehr lange Reitetappen, aber die Kamele haben gut mitgehalten, genauso wie wir vier, zuweilen fünf feschen Kamelreiter.
Es war wieder von allem was dabei: Hamada, tiefsandige Dünenausläufer, liebliche Wadis, steinige Auf- und Abstiege (Moussa spricht von "grande Salitas"; das mittlere Foto hat der Diek geschossen).

Reiten im Akakus 1 Reiten im Akakus 2 Reiten im Akakus 3 Reiten im Akakus 4 Reiten im Akakus 5

Nach zig Jahren hatte ich mal wieder die Gelegenheit, Darra zu spielen. Natürlich mit Ali. Die am Ende ausgeglichene Sieg-/Niederlage-Rechnung war aber eher meinem Glück und der generösen Nachlässigkeit meines Gegenspielers zu verdanken als wirklicher Raffinesse. An meiner Taktik muss ich noch feilen! Aber wenn wieder mehrere Jahre vergehen bis zum nächsten Spiel, werde ich nie ein Meister ...

Natürlich haben wir uns wieder viele Felszeichnungen und Gravuren angeschaut. Leider sind ja viele der bekannten Stellen von einem (lt. behördlichen Aussagen einheimischen) Arschloch zerstört worden. Ich habe mir erspart, davon Fotos zu machen.
Dafür hat uns Moussa neu entdeckte und sehr versteckte, phantastische Felszeichnungen gezeigt, die uns mit ihrer Fülle und Schönheit überraschten - und wir haben auf unseren 14 Reisen schon viel gesehen. Stellvertretend für alle auf dieser Reise gesehenen prähistorischen Zeugnisse im Akakus sollen diese Fotos stehen, die manchmal nur mit etwas Kletterei zu erlangen waren:

Aufstieg Felszeichnung 1 Felszeichnung 2 Felszeichnung 3 Mulden

Außerdem hatten wir mal wieder das Glück, ein ganz frisches, noch wackeliges Kameljunges mit seiner Mutter zu sehen. Moussa und Sidi meinten, es wäre höchstens einen Tag alt. Als wir kurze Zeit später auch am Geburtsort vorbei kamen, hat es sich bestätigt, dass es in der vergangenen Nacht geboren wurde (das Blut war noch ganz frisch).
Auffallend waren auch die vielen, zum Teil übergroßen Koloquintenfelder voller Früchte in den von Regen beglückten Wadis.
Vor allem im Süd-Akakus spross das Gras in den Senken und an den Sandhängen der Wadis mit Regen-Glück. Was von weitem wie große grüne Teppiche aussah, entpuppte sich beim Näherkommen als Millionen von kleinen Graspflanzen. Die Ziegen machten sich als erste darüber her.

Kamelbaby Koloquinte 2 Raupe Koloquinte 1 Ziegenherde

Während unserer neun Tage im Akakus haben wir nur einmal ein anderes Touristenauto (mit drei einheimischen Arabern aus der Hauptstadt) gesehen. Nur ab und an kam mal ein Polizeiauto auf Streife vorbei. Selbst am Bir Imaner war keine Menschenseele.


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Messaks, Wadi Mathendous, Erg Ubari

Aus dem Akakus rausfahrend, haben wir die Dünen von Wan Kassa gequert und den Adrar Ubari durchfahren. Steine, Steine, Steine und irgendwo dazwischen gibt es eine "Straße". Mitten auf dem Messak gibt es ein Steinplateau, das voller liegender Gravuren ist, hauptsächlich Tierfiguren.

I. 1 Gravur 1 Gravur 2 Gravur 3 I. 2

Dann endlich kamen wir an den Rand des Erg Murzuk, an dem wir uns auch am nächsten Tag auf dem Weg ins Wadi Barjuj entlang schlängelten. Wir besichtigten die Gravuren von In Galguien und Mathendous. Mehrere kleine Pfützchen, von Riedgras gesäumt, verteilten sich in den Wadis, also hatte es auch hier vor nicht allzu langer Zeit geregnet.
Während der mehrstündigen Kletter- und Fototour haben wir, außer einem italienischen Pärchen auf Tagesausflug, keine weiteren Touristen gesehen. Die paar nigrischen Schmuckhändler am Wadi Mathendous (ihren Verkaufsstand haben sie in der kleinen "Schilfhütte" auf dem ersten Foto) haben es nicht leicht, ihre Waren an die Touristen zu bringen - keiner da!

Mathendous 1 In Galguien Mathendous 2 Mathendous 3 Mathendous 4


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Tripoli inkl. Sabratha

Auf dem Weg zu unserem Nachtplatz in den Dünen des Erg Ubari machten wir noch einen kurzen Abstecher auf den Wochenmarkt in Germa. Außerdem kaufte Housseini frisch geschlachtete Hühner für das letzte Abendmahl: Es gab Huhn vom Grill und leckere, frittierte Gemüsesticks.
Nach unserer letzten Nacht in der Wüste fuhren wir gemütlich Richtung Sebha, machten Mittagsrast in der Nähe der Straße. Und dann hieß es Abschied nehmen. "Ma's salama - in schah Allah! Auf Wiedersehen!"
Der Flieger (niegelnagelneu) brachte uns mit etwas Verspätung nach Tripoli.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Sabratha. Da war ich schon seit 2002 nicht mehr, seit wir nicht mehr über Djerba einreisen. Ich machte es mir im Theater gemütlich; einfach nur gucken und noch die letzten Postkarten an die lieben Daheimgebliebenen schreiben. Nach kurzer Zeit leistete mir Aisha Gesellschaft. Nur Miriam und der Diek erkundeten das Gelände wie es sich gehört. Beim Abstieg von den Rängen - einmal nicht richtig hingeguckt - ziehe ich mir ein aufgeschlagenes Knie inklusive kaputter Hose zu. Ein "Stadtunfall", aber irgendwas ist immer!

Mittags waren wir in einem türkischen Restaurant in der Nähe unseres Hotels essen. Sehr gut! Und nach einer kurzen Siesta war der obligatorische Einkaufsbummel angesagt. Doch dieses Jahr waren fast alle "normalen" Läden im Souk geschlossen, nur die Touristenläden waren wie immer offen. Viel Geld sind wir also nicht losgeworden. Gut fürs Portemonnaie und für's Gepäck, welches es heimzuschleppen galt.
Am Abend - schon eine langjährige Tradition - ging es zum Essen in unser Lieblingsrestaurant, einen Libanesen. Es war ausgezeichnet! Und zum Abschluss der Tour - seit einigen Jahren auch schon Tradition - haben wir unseren Absacker im "Marmorhaus" genommen: Eisgekühltes, alkoholfreies Becks aus der Flasche, spendiert von Aisha. Prost!


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Fazit

Es war eine schöne Reise! Obwohl wir nur zu viert waren und dementsprechend wenig "Personal" für uns im Einsatz war, haben wir die gemeinsamen Tage mit viel Spaß und Entspannung in grandioser Natur verlebt. Etwas zu kurz gekommen sind die Liederabende am Feuer, da hat man in einer größeren Runde einfach mehr Potenzial. Dafür haben wir oft ausgiebig Domino gespielt und uns die Siege redlich geteilt.

Auffallend war der Touristenmangel. Nicht, dass ich mich darüber beschweren möchte, dass wir keiner Horde lustiger Italiener oder einer röhrenden Motorrad-Gang begegnet sind. Wen haben wir in drei Wochen getroffen? Eine französische Kamelwandergruppe im Tassili, eine arabische Familie im Akakus und zwei Italiener im Wadi Mathendous. Obwohl wir immer versuchen, die üblichen Touristenrouten zu vermeiden, war es selten so einsam. Uns freut das. Aber für die vielen Menschen in Libyen, deren täglich Brot die Touristen sind, ist es bitter. Wie soll man seine Familien ernähren, wenn es - während der sowieso schon kurzen Saison - fast keine Arbeit gibt?

Es war fast durchgängig viel zu warm für die Jahreszeit. Erst die letzten 3-4 Tage im Süden waren der Jahreszeit entsprechend kühl bis kalt, mit taufeuchten Schlafsäcken am Morgen bei unseren Dünenübernachtungen. Da halfen dann nur mittags eingeschobene Trockenphasen.

Hier noch ein paar Fotos unserer Reise (u.a. Schlafsacktrocknen, Zehenmumie, Wochenmarkt in Germa, Spaß beim Videogucken und letzte Pause an der Straße):

Guck mal! Schlafsack-Trocknen Zehenmumie Wochenmarkt in Germa Schattenspiel

Verdauen Videogucken Mittagsplatz Zubereiten Letzte Pause

Anne schrieb nach meiner 7. Reise: "Beim 7. Mal ist alles anders" (siehe Bericht von Anne) - und das war u.a. dem gehäuften Antreffen von Giftschlangen an unseren Lagerplätzen zu verdanken. Die Reisen vorher hatten wir nie Schlangenbesuch. Diese 7. Reise ist als "Schlangenreise" in die Annalen eingegangen. Seitdem hatten wir fast jedes Mal Schlangensichtungen mit darauffolgenden erfolgreichen Schlangenjagden. Schlange am Spieß wurde zu einem gewohnten, wenn auch ungeliebten Anblick.
Während dieser 14. Reise, also wieder sieben Reisen später, hatten wir glücklicherweise keine vis-à-vis Schlangenbegegnungen, dafür aber mehrere Akaokansichtungen. Also wird sie für mich die "Akaokanreise" sein.
(Und hoffentlich bald wird es mal eine "Mufflonreise" geben ...)


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