Reisebericht Libyen 2008

Meine zwölfte Reise nach Libyen vom 23.02. - 15.03.2008


Inhalt:



Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

Im Februar/März 2008 habe ich meine 12. Reise nach Libyen unternommen. Wir waren zu siebt: Gerd (Mouftah, „Diek“), Susi (Mariam), Katja (Khadija), Christina (Cheira), Karin (Zeinab), Aisha und ich.
Ich habe die Reise wie immer von Deutschland aus organisiert und in Libyen waren wir natürlich wieder mit den Leuten von der Agentur AWISS aus Ghat unterwegs.

Nach Süden: Tripoli und Sebha

Vereint am Mittagstisch Wir fliegen über Amsterdam nach Tripoli und von dort gleich weiter nach Sebha. Moussa und Yussuf Chaima holen uns mit einem Minibus vom Flughafen ab und wir fahren zur Übernachtung auf einen nahegelegenen Campingplatz. Unser zugeteilter Polizist scheint ganz nett zu sein.
Am nächsten Morgen geht es dann los Richtung Osten. In Takerkiba treffen wir auf Housseini, Abdelrahman und Ahmed mit den Jeeps. Wir laden das Gepäck um, verabschieden uns von Yussuf Chaima und fahren weiter bis Tin Essamet, unserem ersten Wüstenübernachtungsplatz.

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Ghat

Am nächsten Vormittag erreichen wir Ghat. Wir machen die obligatorische Altstadttour, machen unsere Einkäufe (u.a. Schesch und bestickte Reithosen) und treffen wieder mal eine Menge alter Freunde. Nach Dusche und Mittagessen fahren die anderen nach Barket zum Markt; Aisha und ich machen Familienbesuche.
Am Nachmittag fahren wir raus Richtung Akakus und Moussa sucht uns einen schönen Lagerplatz. Abends kommt Yussuf Guitar angefahren und spielt und singt lange für uns und mit uns am Feuer.

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Kamelreiten im Akakus

Zeinab merkt am Morgen, dass sie ihre beiden paar Schuhe in Sebha auf dem Campo stehenlassen hat. Wie kann denn einem Mädchen sowas passieren? Na ja, nun muss es irgendwie so gehen ...

Akakus Am Abendplatz treffen wir unsere acht Kamele (Aurar ist wieder dabei!) sowie unsere Chameliers Hamouda und Aghali. Nach dem Essen am Feuer findet die traditionelle Namensgebung statt: aus Gerd wird Mouftah (bzw. später "Diek", was arabisch ist und "Hahn" heißt), aus Susi wird Mariam, aus Christine Cheira, aus Karin Zeinab. Katja bleibt natürlich Khadija. Diesen Namen hat sie auf unserer gemeinsamen Libyenreise 1998 bekommen.

Der erste Kameltag: alle halten sich prächtig!
Der Polizist fährt mit Abdelrahman und dem Pickup nach Ghat. Er hat starke Schmerzen und will sich einem Arzt vorstellen. Er scheint ziemlich krank zu sein und schluckt ständig Schmerzmittel.

Wir sehen erste Felsgravuren und reiten über schwarze Hamada. Dann geht es zu Fuß weiter über Stock und Stein, an ein paar alten Gräbern vorbei. Abends im Awiss macht Ahmed am Feuer die ersten Koloquinten zu Kunstwerken. Große Begeisterung bei den Frauen. Der Arme! Hätte er geahnt, dass das ab jetzt zu seinen Touristenunterhaltungspflichten gehört, hätte er sich bestimmt zurückgehalten!

Die Natur überrascht uns jeden Tag mit phantastischen Dingen, manche drängeln sich regelrecht auf, manche wollen entdeckt werden. Und wo der eine vielleicht nur etwas Interessantes am Wegesrand entdeckt, sieht der andere kreative Möglichkeiten. Dazu hat uns Cheira diese Geschichte geschrieben: "Posthum nach Sendling".

Zum ersten Mal kommt der Rechen (den wir sonst nur zum "Entdornen" der Mittagsplätze unter Akazienbäumen nutzen) zum Einsatz als Schlafplatzbegradiger. Khadija hatte die phänomenale Idee, und ab nun wird sie regelmäßig abends mit dem Rechen losziehen ...
Wir schlafen ja meistens in alle Richtungen verstreut. Mal näher, mal weiter vom Lager entfernt, je nach Geländebeschaffenheit und Gusto. Jeder sucht sich "seinen" Platz. Da nehme ich auch manchmal kleine Wanderungen mit dem ganzen Schlafgepäck auf mich, um den perfekten Platz zu finden.

Dieks Huehner Eines Morgens, ich war wirklich ziemlich weit vom Lager entfernt, hat mich der Diek mit einem Gepäckservice überrascht. Ich war wohl auch etwas spät dran und wurde beim Frühstück vermisst. Und ein Diek muss ja seine Hühner (siehe Foto) zusammenhalten ...
An so einen Service könnte ich mich gewöhnen - hat sich doch im Laufe der Jahre das eine und andere Utensil zu einem gehörigen Haufen Schlafplatzgepäck summiert. Doch es war wohl eine einmalige Aktion - schade ;-)

Khadija packt eines abends ihre Gesangsbücher aus - nun ist die Bande nicht mehr zu halten! Es schmettert und trällert aus vielen Kehlen bis spät in die Nacht. Die Quittung gibt es am Morgen: jede Menge heisere Stimmen.

Hier kann nachgelesen werden, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.

Am letzten von sieben Kameltagen begegnen wir Teilnehmern eines Marathon-Laufs. Ein paar sehen wirklich mitleiderregend aus, total fertig und kaum noch in der Lage, die Hand zum Grüßen zu heben. Aber Hut ab, solch eine Leistung bei dieser Hitze, durch knöcheltiefen Sand und über Stock und Stein!
Am Abendplatz angekommen, stoßen auch Abdelrahman und der Pickup sowie unser Polizist wieder zu uns. Zum Kamelabschied gibt es eine kleine Tende von den Jungs. Dann ziehen Moussa und der Polizist nochmal los, um ein paar verirrten Läufern zu helfen. Sie leuchten ihnen - im wahrsten Sinne des Wortes - heim.

Cistanche Vor dem Abendessen verbrüht sich Aisha die Füße an Hamoudas Milchkaffee. Ahmed kümmert sich rührend und Hamouda ist total bedrückt: sein Kaffee war's. Gott sei Dank, ist es nicht so schlimm. Es tut sehr weh, aber es werden keine bleibende Schäden bleiben.
Anlässlich des letzten "Kamelabends" dann heftiges Trommeln und langes Singen mit unseren Chameliers.
Später verlaufen sich Cheira und Zeinab auf dem Nachhauseweg. Das passiert wohl jedem mal. Was bei Licht noch ganz einfach scheint (einfach 150 Meter geradeaus und an der Felsnase nach rechts, um den kleinen Hügel rum und schon ist man da), ist bei Dunkelheit eine Herausforderung. Da hilft nur eins: Zurück zum Lager und noch mal von vorn beginnen.

Hamouda und Aghali ziehen mit den Kamelen nach Ghat (das dauert etwa 3 Tage). Wir winken lange hinterher.
Khadija hält noch eine Überraschung für uns bereit: sie packt mittags ihre Reisehängematte aus und macht es sich zwischen Baum und Jeep gemütlich. Schade, dass wir immer nur zwei oder drei Autos dabeihaben und die Bäume auch nicht in direkter Nachbarschaft stehen. Sonst könnte man einige dieser Hängematten unten einlagern und dieses Entspannungskonzept als festen Bestandteil einer Reise einbauen.


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Abstecher ins Tassili

Nach einer schnellen Dusche in Al-Aweinat fahren wir für ein paar Tage ins Tassili. Der Polizist fährt zurück nach Tripoli: die Reise hat seinem Nierenleiden nicht gut getan.
Wir sehen die schönen Felszeichnungen im Wadi Aramat, wo großer Schlangenalarm ausgerufen wurde. Gott sei Dank, übernachten wir dort nicht, sondern an einem lieblicheren Flecken: Felsen im Sand, ohne Schlangen.

Tassili Maridat ist wie immer einfach schön und dieses Mal ganz leer. Keine anderen Touristen, keine zertrampelten oder verkackten Schlafnischen.
Am nächsten Morgen bringt mir Aisha Kaffee ans Bett - toll! Wir zwei haben diesen Vormittag frei, weil die Meute einen Ausflug mit Ahmed und Abdelrahman durch Maridat macht. Aisha berichtet von Nachttemperaturen um 2°C, es kam mir aber gar nicht so kalt vor. Na ja,ich nehme ja auch immer eine der schweren Wolldecken von Moussa mit, um sie bei Bedarf über meinen Schlafsack zu ziehen.

Wir kruscheln ein bisschen in unseren Taschen, dann spielen wir Domino. Zum Dominospiel hat Aisha diese Geschichte geschrieben: "Double-six".
Nach dem Mittagessen dann Aufbruch zum Erg Titersen. Bis zum "Funkturm" (15 km vor Al-Aweinat) sind es gerade mal 2 Stunden Fahrzeit.


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Erg Ubari und Mandara-Seen

In ganz Al-Aweinat gibt es kein Brot und keine Ziege zu kaufen. Der Cappuccino kann uns nicht wirklich trösten. Keine Ziege heißt, kein "schlacht", kein Leberspieß, kein Grillfleisch. Wir übernachten ziemlich weit drinnen im Erg Wan Kassa.

Kurz vor Ubari haben wir endlich Glück und es wird eine Ziege gekauft. Mariam und der Diek besichtigen Alt-Germa, Cheira und Zeinab gehen Kaffe trinken. Wir anderen besorgen frisches Wasser und Brot, das Auto hat einen kurzen Werkstattaufenthalt.
Im Erg Ubari heißt es dann endlich "schlacht" und es gibt Leberspieß und Ziegenrippchen vom Grill.
Am Abend unterhalten uns Aisha und Mariam mit einer feschen Modenschau mit ihren neuen, von Ahmed gekauften Gewändern.
Überraschung! Zum krönenden Abschluss dieser Reise gibt es am Morgen für mich noch einmal den erstklassigen Gepäckservice vom Diek.

Schmuck 1 Gemütliche Fahrt zum Mandara-See, wo sich einige nigrische Schmuckhändler fest eingerichtet haben. Wir bummeln von Stand zu Stand und jeder kauft eine Kleinigkeit. Nach dem Mittagessen gibt es ein langes letztes Dominospiel.
Nach einer fluffigen Dünenfahrt entscheiden wir uns wegen des heftiger werdenden Windes für Dünenausläufer mit Buscheln zum Übernachten. Dann wird ein letztes Mal am Feuer gesungen.


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Zurück nach Tripoli (und Leptis Magna)

Gemütlicher Aufbruch gg. 11 Uhr nach Takerkiba und nach der Mittagspause dann nach Sebha. Auf einem Campingplatz kocht uns Housseini noch schnell ein vorzeitiges Abendessen mit Pommes und Nudeln. Dann brechen wir auf zum Flughafen. Abschied.

Unser Flieger nach Tripoli startet pünktlich 20 Uhr und es wird auch pünktlich gelandet. Wir beziehen Zimmer in "unserem" Hotel und gehen gleich schlafen.

Tripoli Ein Teil der Gruppe besichtigt Leptis Magna. Aisha und ich machen einen Soukbummel. Eine Unmenge an kitschigen künstlichen Weihnachtsbäumen sucht Käufer. Da merkt man, dass in Europa die Lagerbestände entsorgt werden ...
Abendessen traditionsgemäß in einem guten libanesischen Restaurant. Da schmeckt es uns immer wieder! Zum offiziellen Reiseende geht's ins Marmorhaus auf einen Absacker.

Und hier noch ein paar Fotos von unserer Reise:

Reiten 1 Reiten 2 Reiten 3 Reiten 4 Reiten 5

Felszeichnung 1 Felszeichnung 2 Felsgravur 2 Dornschwanzagame Skorpion

Akakus 1 Tassili 2 Umm al-Maa Akakus 3 Akakus 2


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