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Reisebericht Libyen 2008/09

Meine 13. Reise nach Libyen vom 26.12.2008 - 17.01.2009


Inhalt:


Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

Gruppe 1 Wir sind eine bunt gemischte Truppe aus sage und schreibe 10 Personen!
Für Bernd, Ursula und Hans habe ich schon mal vor einigen Jahren eine Reise nach Libyen organisiert. Mit Rolf und Renate sind sie seit vielen Jahren befreundet. Mit Bernd und Ursula habe ich immer Kontakt gehalten, aber gemeinsam gereist sind wir noch nie. Jutta, eine Kollegin von Aisha, ist ein Wüstenreisen-Neuling.

Jürgen ist eine "Interesse-an-einer-Libyenreise"-Internet-Bekanntschaft, über viele Monate gehegt und gepflegt, bevor es auf eine gemeinsame Reise ging. In der Sahara war er zwar noch nie, dafür reiseerfahren in fast jedem anderen Winkel der Welt. Katja war schon mal mit mir in Libyen (1998, seit dieser Zeit trägt sie den Namen Khadija). Jetzt war sie gespannt, was sich wohl alles in den letzten 10 Jahren verändert hat. Und - last but not least - ist natürlich Aisha wieder dabei.

Ich habe die Reise wie immer von Deutschland aus organisiert und in Libyen waren wir natürlich wieder mit den Leuten von der Agentur AWISS aus Ghat unterwegs.

Flug über Tripoli nach Sebha

Eben noch unter'm Weihnachtsbaum und nun schon mitten im wüsten Getümmel - ja, so lass ich es mir gefallen! Doch beginnen wir am Anfang.

Diesmal probieren wir eine neue Variante: Wir fliegen mit der Afriquiyah Airline direkt von Düsseldorf nach Tripoli. Für abends im Hotel hat Khadija ein Überraschungstreffen mit unserer gemeinsamen Libyen-Freundin Diane organisiert. Echt toll! Wir sehen uns so selten!

Am nächsten Tag dann Treffen mit den anderen Reiseteilnehmern am Check-in-Schalter. Bernd hat seine Gitarre und sein Malzeug dabei! Pünktlich 12 Uhr startet unser Flieger. In Tripoli gelandet, werden die Einreiseformalitäten wie immer sehr langsam, gründlich, aber freundlich durchprozessiert. Unser zugeteilter Polizist ist zumindest schon wüstenerfahren und hat geeignetes Gepäck dabei. (Wir hatten mal einen, der für drei Wochen Kameltrekking einmal (!) Wechselwäsche mithatte und überhaupt keine Schlafdecke o.ä.)
Dann Gepäck abholen, Geld tauschen, kurzer Transfer zum lokalen Teil des Flughafens, warten, Flug nach Sebha. Dort empfängt uns Moussa und wir fahren zur Übernachtung auf einen nahe gelegenen Campingplatz. Am Morgen geht's mit dem Bus nach Ghat, Ankunft am späten Nachmittag.


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Tuaregfest in Ghat

Das Fest kündigt sich an - man sieht überall festlich gekleidete Einwohner und Gäste. Auch das Fort ist schön beleuchtet.
Wir beziehen unsere Zimmer auf dem Campingplatz und lassen uns das erste Housseini-Abendessen schmecken.

Bei den Leuten auf dem Campingplatz herrscht helle Aufregung. Wir fragen, was passiert ist und erfahren, dass es seit gestern Krieg gibt. Israel bombardiert Gaza-Stadt und weite Teile des Gaza-Streifens. Fassungslos sehen wir Bilder aus dem eilig herbeigeschafften kleinen Fernseher. Immer mehr zerstörte Straßenzüge und tote Menschen sind zu sehen. Der Abend geht traurig zu Ende.

Die Altstadt wird prächtig geschmückt. Am Tag vor der feierlichen Eröffnung machen wir unseren Spaziergang.
Die Kunsthandwerker bauen ihre Stände auf: Masken, Holzschnitzereien, traditionelle Gewänder, Schmuck. Vom Fort haben wir einen grandiosen Blick in alle Himmelsrichtungen. Unten auf der Straße ziehen die Reiter vorbei.

Altstadt Ghat 1 Altstadt Ghat 4 Altstadt Ghat 2 Blick vom Fort Altstadt Ghat 3

Aisha, Khadija und Renate fahren mit Moussa zu den Kamelbabys auf der Mutter-Kind-Station ein bisschen außerhalb von Ghat. Rolf, Bernd, Ursula, Hans und Jürgen machen eine kleine Wanderung Richtung Osten und erstürmen die großen Dünen. Jutta und ich bekommen eine Führung von Hamouda durch die Felder am Campingplatz, zu den Ziegen in ihren Gehegen und den Kamelen.

Am Abend findet die große Eröffnungszeremonie statt. Viele Scheinwerfer erhellen den Platz. Auf der Ehrentribüne sitzen wie immer die Offiziellen: Botschafter und Minister mit ihrer Entourage, Bürgermeister, Polizeivorsteher und Stammestribune. Vertreter aus allen Oasen im Fezzan sowie Gruppen aus den Nachbarsländern ziehen mit Musik, Gesang und Tanz am begeisterten Publikum vorbei. Danch kommen die Kamelreiter und lassen sich und ihre ebenfalls prächtig herausgeputzten Kamele bewundern. Die bunt-gewandeten Frauen setzen sich in engen Kreisen auf den Boden, singen und trommeln und lassen sich von den immer stürmischer werdenden Reitern umkreisen. Mitwirkende und Publikum haben viel Spaß!

Fest 1 Fest 2 Fest 3 Fest 4 Fest 5

Maedchen 1 Maedchen 2 Am nächsten Tag wird die geschmückte Altstadt selbst zum Programmpunkt und kann besichtigt werden. Jeder Tourist soll umgerechnet 25 Euro Eintritt zahlen. Sorry, aber das ist Abzocke! 10 Euro wären unserer Meinung nach dem Anlass völlig gerecht geworden. Wir verzichten.
Also bummeln wir einfach in Ghat herum, fotografieren die aufgeregten Schülerinnen, deren Tanzauftritt kurz bevorsteht, und lassen uns im Café einen Cappuccino schmecken.

Natürlich machen wir auch unsere Familienbesuche. "Was ist alles passiert im letzten Jahr? Wie groß die Kinder geworden sind! Hat jemand Bekanntes geheiratet oder ist Vater/Mutter geworden?" Alles will angesprochen werden, und unsere Zeit ist wie immer zu knapp. Ein Tee, ein Gebäck, ein süßes Getränk - und schon sind wir wieder auf dem Sprung zum nächsten Haus: "Was ist alles passiert im letzten Jahr? ..."

Wegen des Gaza-Krieges sind zwar viele der Abendveranstaltungen gestrichen, aber das Kamelrennen am letzten Tag findet statt. "Unser" Elhedi wird Erster auf einem Kamel von "unserem" Isa. Moussa und Elhedi und auch Isa sind ja verwandt, und so freut sich die ganze Großfamilie über den Sieg. Wir gratulieren Elhedi und beglückwünschen Isa zu seinem Siegerkamel.
Dann sind auch schon die Reporter da und interviewen den siegreichen Reiter. Leider bekommen sie mit, dass ich Elhedi kenne und versuchen ihr Glück auch bei mir. Aber wie schon einmal vor vielen Jahren kann ich mich herausreden und verhindern, dass auch ich landesweit in die Wohnzimmer gucke. Al hamdu-Lillah!

Kamelrennen a Kamelrennen b Kamelrennen c Kamelrennen d ...and the winner is Elhedi

Bei Moussa, der schon den ganzen Tag ein bisschen kränkelte, setzt zur Feier des "Familiensieges" eine Spontanheilung ein. Allesamt glücklich und zufrieden setzen wir unsere Reise fort.


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Akakus mit Kamelreiten

Fahrt mit drei Jeeps und einem Pickup sowie Moussa, Housseini, Hamouda, Yussef-Guitar und Ibrahim über Al-Aweinat ins Awiss. An einem superschönen Fleckchen schlagen wir unser Lager auf. Heute ist Silvester.
Ich habe für alle bunte Leuchtbänder mit, die jeder nach Gusto anlegt, zum Beispiel als Armband, Halskette oder Heiligenschein. Wenn man sie schnell wirbelt, entstehen phantastische Lichteffekte. Zur Feier des Tages gibt es Leberspieß von der frisch geschlachteten Ziege. Wir singen, trommeln und tanzen mit Sternchenfeuer ins neue Jahr. Kull 'aam wa antum bi-chair! Frohes neues Jahr!

Duene mit Hans Silvester 1 Silvester 2 Silvester 3 Kamelabschied

Wir fahren rum, sehen Gravuren und Felszeichnungen. Den Akakus habe ich ja schon in vielen früheren Berichten beschrieben. Er ist immer und immer und immer wieder eine Reise wert!
Am Kameltreffpunkt sind Cheikh, Aghali und Mohamed sowie Aurar und die anderen neun Kamele. Große Wiedersehensfreude auf beiden Seiten!

Und hier schreibt Renate über ihre erste Begegnung mit den Kamelen, ihre Bedenken und wie diese zerstreut wurden. Gleichzeitig bekommen wir einen kleinen Einblick, wie unser Chamelier Aghali das Kamelreiten sieht (das fand ich sehr amüsant). Lest nach in: "Mein erster Kamelritt".

Am Feuer wird gesungen und Bernd und Moussa begleiten uns mit Gitarre bzw. Kanister. Khadija brütet einen Husten aus. Sie ist schlapp und fühlt sich gar nicht gut.

Am Abend kocht uns Housseini immer eines seiner tollen Menüs - kulinarischer Höhepunkt des Tages. Es gibt mehrere Lieblingsessen, eines ist "Spaghetti Tonno". Vor allem Aisha kann sich dann nicht mehr zügeln. Man glaubt kaum, was in eine Person alles reinpasst ... Ebenfalls sehr beliebt sind Housseinis Suppen. Vor allem die himmlische Linsensuppe könnten wir jeden Tag essen.
Nach dem Abendessen sitzen wir ums Feuer, trinken Tee, unterhalten uns und singen gelegentlich, mal mit, mal ohne instrumentale Unterstützung. Hans zieht sich meist nach dem Essen an seinen Schlafplatz zurück. Das Sitzen auf dem Boden ist nicht so seine Sache, es tut seinem Rücken nicht gut. Überhaupt ist mir Hans nur reitend, laufend, stehend oder liegend in Erinnerung.

Oft spielen wir nach dem Essen Domino, zwei gegen zwei. Das birgt großes Suchtpotential, und - ich muss es gestehen - ich bin süchtig. Aber Bernd hat ein neues Spiel mitgebracht, das uns schon in Ghat auf dem Campingplatz prächtig unterhalten hat: "Der große Talmudi". Wir spielen in großer Runde. Und da es (fast) ohne Worte auskommt, können auch unsere libyschen Freunde schnell mitspielen.

Der erste Kameltag: Wir reiten los und bald fühlen sich auch die meisten der Kamelneulinge sicher in großer Höhe. Nur Jutta und Renate trauen dem Frieden nicht so recht und lassen sich lieber von ihren persönlichen Chameliers an der Leine führen. Da muss man sich nicht ums Lenken kümmern, sondern kann - trotz des "unheimlichen Schaukelns" - ganz relaxt die Blicke schweifen lassen. Und Jürgen kann seinen Bewegungsdrang am besten beim Laufen mit Kamel ausleben.
Yussef und Ibrahim fahren mit zwei der Jeeps weg. Unser aller Gepäck kommt in den Jeep mit Hamouda und die Küche wie immer auf den Pickup mit Moussa. Unterwegs treffen wir Ahmed, der noch mit einem europäischen Botschafter unterwegs ist. Er wird zwei Tage später zu uns stoßen.

Khadija ist richtig krank. Sie fährt bei Hamouda im Auto mit. Wir anderen kraxeln die Auf- und Abstiege mit den Kamelen an der Leine und reiten über Hamada und durch schöne Wadis. Hans reitet oft allen voraus - er genießt die Ruhe und ist nach ein paar Tagen total tiefenentspannt.

Reiten 1 Reiten 2 Reiten 3 Reiten 4 Reiten 5

Die Mittagsplätze während des Kameltrekkings suchen wir nach zwei Kriterien aus: Die Kamele müssen genügend Futter in der näheren Umgebung finden und wir brauchen einen großen Baum mit viel Schatten für unser Lager. Das mit dem vielen Schatten klappt nicht immer, aber wir sind flexibel und rücken eben etwas mehr zusammen.
Wir tränken die Kamele an wassergefüllten Gueltas oder an Brunnen, von denen es im Akakus mehrere gibt.
Und so sieht ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour aus.

Bernd packt des Öfteren sein Malzeug aus und fertigt wunderschöne Aquarelle. In seinem kleinen Beitrag sind einige davon zu sehen: "Episoden".

Mit unserem Polizisten haben wir dieses Mal richtig Glück! Er beteiligt sich beim Lagerauf- und -abbau, sammelt Holz, hilft in der Küche und macht oft Tee. Manchmal begleitet er uns beim Kameltrekking. Er ist oft zu Späßen aufgelegt und sogar singen kann er. Wirklich eine Bereicherung - und ich weiß, wovon ich rede: Etwa ein Drittel der Polizisten, die mit uns unterwegs waren, sind überzeugte Stadtmenschen, ungeeignet für die Wüste und/oder unwillig.

Endlich geht es mit Khadija aufwärts, dafür ist Jürgen seit ein paar Tagen krank.
Abends am Feuer bekommt Jutta ihren Namen: Rhazella (Gazelle). Die anderen sind schon zu Bett und müssen bis morgen warten. (Kleiner Einschub: Ein paar Tage später bekommt sie einen zweiten Namen: Jutta-Mabsuta, die zufriedene Jutta. Da kann man sich ja leicht vorstellen, warum.)
In der Nähe von Juttas Schlafplatz entdecken wir am Morgen einen großen Fennekbau. Viele frische Spuren, aber kein Fennek in Sicht. Schade!

Mittagspause Vor dem Regen Akakus 1 Akakus 2 Gravur Giraffe
Das erste Foto wird durch Anklicken zu einem Panoramafoto von Bernd.

Im Laufe der Tage besichtigen wir immer wieder Felszeichnungen und -gravuren.
Dann erfolgt auch Jürgens erster Ritt. Erst wollte er lieber laufen, dann war er einige Tage krank. Ausgerechnet an diesem Nachmittag machen wir einen kleinen Marathon-Ritt. Aber Jürgen steckt das weg.
Auch Bernd, Ursula, Rolf und Renate bekommen ihren neuen Namen am Feuer verliehen: Aus Bernd wird Hadj Amrar, aus Ursula Umm Mahani (Mutter der Ruhe), Rolf wird fortan Arabush heißen und Renate Hayat.

An einem lauschigen Fleckchen packen Aghali und Housseini eines Nachmittags ihre Kommssionsware aus: Geschmiedetes, Geschnitztes und Geflochtenes werden liebevoll auf einem schönen Tuch drapiert. Alle umringen die Auslagen und mehrere Stücke wechseln den Besitzer. Und so werden Freunde, Nichten & Neffen, der Käufer selbst oder was-weiß-ich-wer bedacht. Die Preise sind fair und man kauft ja gern bei einem "Händler des Vertrauens". Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass immer jemand was auf Kommission dabei hat. Dafür sind die Umsätze zu gering; manches Jahr geht viel, in anderen fast gar nichts über die Ladentheke.

Es folgen ein paar Tage mit abendlichem oder nächtlichem Regen. Meist sind es ja nur ein paar Tropfen, aber ab und an auch mal ein bisschen mehr. Eines Nachts gg. 2 Uhr muss ich mit Sack und Pack umziehen. Mein Schlafplatz ist dem immer heftiger werdenden Regen ausgesetzt. Der starke Wind drückt ihn fast im 90°-Winkel in jede Ecke meines felsüberdachten (also eigentlich geschützten) Schlafplatzes. Sowas haben wir auf unseren Wüstenreisen bisher nur in Algerien erlebt.
Am nächsten Morgen erfahre ich, dass Jutta-Mabsuta sozusagen im Stehen, an den Fels geschmiegt, geschlafen hat, um dem Regen zu entgehen. Na ja, "geschlafen" ist wahrscheinlich zuviel gesagt.

Dann bricht der letzte von sieben Kameltagen an. Es wird nochmal eine ordentlich lange Strecke geritten. Auch Khadija sitzt seit dem vergangenen Tag wieder im Sattel. Vier von sieben Tagen musste sie krankheitsbedingt aussetzen. Wie schade!
Jutta-Mabsuta und Hayat beenden ihren letzten Reittag so, wie sie den ersten vor 7 Tagen begonnen haben: Sie thronen auf ihren Decken hoch oben auf dem Kamel wie zwei Prinzessinnen und lassen ihre majestätischen Blicke huldvoll über's laufende, reitende und fahrende Volk schweifen. Die Zügel aus der Hand geben, Leib und Leben Aghali und Mohamed anvertrauen, deren leisen Gesängen lauschen, in den Tag hinein träumen - etwas Schöneres scheint es nicht zu geben!

Arabush hatte während dieser Tage viel Zeit und Muße, sein Kamel zu analysieren. Er weiß jetzt genau, wie es "tickt", und das hat er für uns aufgeschrieben. Er kommt zu dem Schluss: "Kamele sind auch nur Menschen".

Am Lagerplatz angekommen, stößt Yussef-Guitar mit seinem Jeep wieder zur Gruppe. Jetzt sind wir komplett für die nächste Etappe.

Viper Wir bauen unsere Zelte auf, da sich schon wieder Regen ankündigt. Und da haben wir's: Beim Zeltaufbau wird am Platz von Hadj Amrar und Umm Mahani eine dicke, 60 cm lange Viper entdeckt. Schlangenalarm! Da ist Ahmeds Einsatz gefragt. Unser Schlangenjäger greift sich die Bestie und macht ihr den Garaus. Das ist nicht schön anzusehen! Und um hier kein unnötiges Entsetzen hervorzurufen, habe ich dieses "oben-ohne-Foto" von Hadj Amrar herausgesucht.

Am Abend danken wir für eine Woche Karawanenfeeling. Zur Feier des Tages wird noch einmal eine Ziege geschlachtet und gesungen und getanzt. Aghali und Mohamed spielen auf der selbstgebauten Hirtenflöte. Und Bernds Gitarre geht von Hand zu Hand, auf einmal entdecken (fast) alle Tuareg ihr bislang schlummerndes Talent ... Unser stiller Mohamed entpuppt sich als "Partyhecht" und überrascht uns mit diversen Gesangs- und Tanzeinlagen. Auch Cheikh und Hamouda sind nicht mehr zu halten und springen ums Feuer und durch die klatschende, johlende Meute. Ein schöner Kamelabschied.
Am nächsten Morgen ziehen Aghali und Mohamed mit den Kamelen von dannen. Cheikh und die Sättel begleiten uns noch ein Stück bis Al-Aweinat.

Hayat und Khadija haben kurz hintereinander Geburtstag. Es gibt für jede einen Geburtstagsteller mit Kerzen, einer kleinen Überraschung und was Süßem sowie ein Gruppenständchen und viele Küsschen. Außerdem überreicht Hadj Amrar jedem eine schöne, während der Reise selbstgemalte Geburtstagskarte, die wir alle unterschreiben dürfen. Bestimmt ein ganz besonderer Geburtstag.


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Tassili

Wehmut In Al-Aweinat machen wir einen kurzen Stopp. Housseini stockt die Küche mit frischem Gemüse, Eiern, Brot und Getränken auf. Wir stärken uns mit einer süßen Brause aus dem Kühlschrank und einem Schokoriegel und beraten Housseini beim Kekskauf. Tanken (11 Cent pro Liter). Cheikh findet einen Freund, der ihn und die Sättel zurück nach Ghat bringt. Wir fahren weiter, rein ins Tassili.

Am Nachmittag fällt Aisha auf, dass wir noch keine Stempel von der Meldebehörde in Ghat haben. Den muss man sich innerhalb von sieben Tagen nach der Einreise holen. Moussa ist einem Schock nahe! Er hat es vergessen. Das ist ihm ja noch nie passiert. Aber auch mir hätte es viel eher auffallen müssen, schließlich ist es bei jeder Reise die gleiche Prozedur. Also machen sich am Abend Moussa und Ahmed mit unseren Pässen auf nach Ghat und hoffen, dass es keinen Ärger gibt.
Wir fahren weiter nach Maridat, und wieder regnet es ein wenig. Spät in der Nacht kommen Moussa und Ahmed und - al hamdu-Lillah - unsere gestempelten Pässe zurück. Irgendwie hat er es geschafft, ohne Bußgeld aus der Misere rauszukommen.

Am Morgen dann führt Moussa die übliche kleine Rundtour durch Maridat an. Nach dem Mittagessen geht es weiter Richtung Wanchi. Unterwegs treffen wir unseren alten Freund Ali - großes Hallo und das obligatorische Schwätzchen schließt sich an.

Tassili Tassili 2 Tanzen Tassili 1 Sandsturm
Das erste Foto wird durch Anklicken zu einem Panoramafoto von Bernd.

Den letzten Tag im Tassili verbringen wir in Aramnoudaden. Es ist recht windig und die Sicht könnte besser sein.
Aisha und ich finden wunderbare Schlafplätze und tragen das Schlafgepäck hin. Auf dem Rückweg zum Lager haut uns eine Windböe fast um. Wir kommen am Zelt von Hadj Amrar und Um Mahani vorbei; es ist in Auflösung begriffen. Wir leisten erste Hilfe mit schweren Steinen und beeilen uns, ins Lager zu kommen. Dort haben schon alle bemerkt, dass sich was zusammenbraut: Ein Sandsturm zieht auf! Schnell eilen alle an ihre Schlafplätze und sammeln die Bagage ein.

Für das Abendessen - alle Achtung! Housseini kocht unverdrossen, nur Suppe macht er heute nicht - werden große Decken mit Seilen an einem Felsüberhang befestigt. Es ist sehr eng und stickig. Aber alle können ihr Mahl ohne Sand zwischen den Zähnen verspeisen.
Doch spätestens, als wir wieder nach draußen gehen, knirscht es im Mund und allen Reißverschlüssen. Khadija stößt sich zu allem Übel auch noch böse den Kopf am Fels. Das gibt eine ordentliche Beule und tut auch höllisch weh!
Die Schlafplatzfrage musste auch noch gelöst werden. Ein paar schlafen hinter den Decken im "Restaurant". Die Autos werden zu Wohnwagen und zwei Parteien bauen nochmal Zelte auf. Wir anderen verteilen uns in der Nähe und versuchen, an Felsen Schutz zu finden.


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Erg Ubari und Mandara-Seen

9 Uhr ist Aufbruch. Trotz der Sandnacht sind alle gut drauf und Khadija hat den üblen Kopfstoß gut überstanden. Wir fahren den ganzen Tag, hinter Al-Aweinat dann auf Asphalt, mit einer Mittagspause nahe der Straße unter Bäumen. Bei den Ruinen von Garama (Germa) stoppen wir und alle Interessenten machen mit Ahmed eine kleine Besichtigungstour. Aisha und ich trinken derweilen Kaffee. Wir übernachten in der Nähe von Takerkiba an Buscheln.

Am nächsten Tag dann Dünenfahrt zum Mandara-See und zum Umm al-Maa, wo wir auch Mittagspause machen. Viele Händler sind da, und natürlich schlendern wir an den Ständen vorbei und erstehen das eine oder andere Stück.
Dann geht endlich in Erfüllung, worauf sich Hadj Amrar seit Jahren gefreut hat: Er badet wieder im Umm al-Maa!
Hadj Amrar und Arabush waten unerschrocken durch den stinkenden Schlamm, um sich dann wie schwerelos auf dem salzigen Wasser treiben zu lassen. Abtauchen, mit den Beinen strampeln, prusten, schweben, ein paar Züge schwimmen - leben ist schön! Glücklich lächelnd lassen sich beide danach von ihre Liebsten sonnengewärmte Handtücher um die Schultern legen.

Umm al-maa 1 Umm al-maa Duene Umm al-maa 2 Ausfahrt Erg Ubari
Das zweite Foto wird durch Anklicken zu einem Panoramafoto von Bernd.

Wegen auffrischendem Wind richten wir unseren Nachtplatz wieder an Buscheln ein. Auf einmal Aufregung! Ein vermummter Offizier und drei Untergebene brausen im Jeep heran und wollen Pässe und Genehmigungen sehen. Irgendwie geht allen die Muffe. Die sind so barsch und der Offizier spielt sich mächtig auf.
Dann die Erlösung: Der Offizier ist ein ehemaliger Touristenpolizist, der uns auf einer Reise vor einigen Jahren begleitet hat. Auf dem nahe gelegenen Campingplatz hat er von unserer Gruppe erfahren und wollte sich einen Spaß machen. So ein Blödmann! Schon damals war er keiner der "Guten". Nachdem er "enttarnt" wurde - übrigens von Aisha, die seine Stimme erkannte - hat er Schultern geklopft und sich zum Tee eingeladen.

Housseini ist krank und kann nicht kochen, da müssen die anderen einspringen. Es ist unser letzter Abend und Yussef-Guitar spielt und singt sehr schön und lange am Feuer. Alle sind ein bisschen wehmütig.

Am nächsten Tag fliegen wir von Sebha nach Tripoli.


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Tripoli

Tripoli Wir nisten uns wieder in unserem Stammhotel ein. Am nächsten Vormittag fährt die Gruppe nach Leptis Magna und kommt ziemlich begeistert wieder. Derweilen machen Aisha und ich einen Altststadtbummel. Wir geraten zufällig an einen Moschee-Vorsteher, der unser Interesse an der Außenfassade bemerkt und uns mit einer Innenbesichtigung ködert. "Bitteschön - bitte eintreten!" Unseren Obolus "zum Erhalt der Moschee" hat er dann schnell in seine Hemdtasche gesteckt - nicht in die aufgestellte Box ...

Das Programm am letzten Abend in Tripoli ist ja schon Tradition: Abendessen in einem libanesischen Restaurant und Absacker im Marmorhaus.

Der nächste Tag beginnt früh: 6 Uhr bringt uns ein Bus zum Flughafen. Der Rückflug startet eineinhalb Stunden verspätet.
In Düsseldorf teilt sich die Reisegruppe auf. Die Züge fahren in alle Himmelsrichtungen.
Gute Heimreise und Auf Wiedersehen!


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Fazit

Zehn Leute, zehn Kamele, vier Autos, in der "Hochzeit" (am Kamelabschiedsabend) neun libysche Begleiter inkl. Polizist - das war eine gigantische Reise!
Was haben wir alles erlebt! Feststimmung in Ghat, Kamelrennen mit Familiensieg, Silvestertanz mit Sternchenfeuer, eine einzelne, aber fette Schlange, Regengüsse, Sandsturm, Spiele, Gitarren- und Liederabende am Feuer, Offiziers-Überfall: von allem war was dabei.

Talmudi Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4 Gruppe 5

Küchendienst schoben meist wir Frauen. Die Männer gingen edleren Beschäftigungen nach: Holz sammeln, das Lager umrunden, wachsam Ausschau halten, Bären vertreiben. Das gab uns auch beim Abwasch ein Gefühl der Sicherheit. Danke, Männer!

Leider waren Khadija und Jürgen eine geraume Zeit krank und konnten die Reise nur eingeschränkt genießen. Aber ich hoffe, dass auch sie, wie die anderen, die vielen schönen Momente und die grandiose Landschaft im Akakus, im Tassili und an den Mandara-Seen ausreichend genießen konnten.



Wir

Schön, dass wir alle dabei waren!


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