Reisebericht Libyen 2006

Meine zehnte Reise nach Libyen vom 11.11. - 02.12.2006




Inhalt:



Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

Die 10. Reise in 9 Jahren - ein kleines Jubiläum.
Und erstmals mit einer Gruppe, die ich überhaupt nicht kenne, denn zum ersten Mal hat Aisha die Mitreisenden "zusammengestellt" und wir haben uns nicht vorher getroffen. Ich bin gespannt!
Ich habe zwar die Reise wie immer von Deutschland aus organisiert, ob ich jedoch selber mitfahren kann, stand erst ca. 4 Wochen vorher fest. Es war unsicher, ob es mit den 3 Wochen Urlaub zum Reisetermin klappt, aber ich habe es geschafft!

Vor 11 Jahren habe ich eine Reise in den Jemen gemacht (mit Djoser Reisen). Und genau ein Jahr später - also vor 10 Jahren - hat Aisha gemeinsam mit 19 anderen Teilnehmern die gleiche Reise unternommen. Und diese Gruppe trifft sich jährlich einmal, um bei viel Wein gemütlich zu plaudern. Jobst, einer der Teilnehmer, schreibt in seinem Beitrag "Ein Traum wird wahr", wie es nun zu dieser Libyen-Reise gekommen ist.

In Libyen waren wir natürlich wieder mit den Leuten von der Agentur AWISS aus Ghat unterwegs.


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Tripoli und Treffen mit der Gruppe

Tripoli Ich habe einen Flug ergattern können, der zwar einerseits gut 250 Euro billiger war, andererseits aber jeweils einen Tag früher hin- und zurückging. Also kam ich an einem Samstag allein in Tripoli an, wurde von meinem langjährigen "Verbindungsmann" Ibrahim abgeholt und bezog mein Hotelzimmer. Dann habe ich ein paar Einkäufe getätigt und es mir bei einigen leckeren Minz-Tees gut gehen lassen.

Am nächsten Tag kamen Aisha und die Gruppe an. Ich bin mit zum Flughafen gefahren, um sie in Empfang zu nehmen. Das war schon ein merkwürdiges Gefühl, fast so wie eine Reiseleitung. Die Namen hatte ich schon parat, nun musste ich nur die Gesichter zuordnen lernen ...

Aber da die Gruppe mich so herzlich aufgenommen hat, fiel es mir sehr leicht, und durch den einen oder anderen Verwechsler meinerseits und die aufgeregte Vorfreude der anderen waren wir bald alle in einer heiteren, gelösten Stimmung.
Geld umtauschen, kurzer Transfer, Hotelzimmer beziehen, kleine "Einsatzbesprechung" und dann ein erster gemeinsamer Soukbummel.

Wir lernen unseren Polizisten kennen, der uns ab jetzt für 3 Wochen begleiten wird. Er scheint nett zu sein, spricht allerdings - wie nicht anders zu erwarten - nur Arabisch (wenn man von ein paar Brocken Italienisch absieht). Na, mal sehen, wie es mit uns klappt ...


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Kornspeicher und Ghadames

Unsere erste Etappe führt nach Ghadames. Mit Salah und dem weißen Mercedes-Bus geht es Richtung Westen. Nach einigen Stunden Fahrt die erste nennenswerte Unterbrechung: Qasr al-Hadsch, einer der vielen alten Kornspeicher, die restauriert und als Sehenswürdigkeit hergerichtet wurden. Ein ziemlich großer, hoher Rundbau, von außen fast fensterlos, im Inneren mit vielen Öffnungen für die Unterbringung großer Amphoren aus Ton für diverse Lebensmittel, von Getreide über Öl bis hin zu Honig und Datteln (Foto links). Jede Familie der Umgebung hatte ihre eigenen Vorratsräume. Die Einlasspforte wurde ständig bewacht, um Unbefugten den Zutritt zu verwehren und die eingelagerten Schätze zu schützen.

Der nächste Halt ist in Nalut, wo wir ebenfalls die alte Speicherburg und ihre benachbarten Gebäude besichtigen (alle anderen Fotos). Das ist schon eine richtige historische Anlage mit einem kleinen Museumshaus. Der freundliche Führer und auch unser Polizist zeigen uns die alten Gerätschaften und die Geheimnisse der Kornspeicherarchitektur. Wer in den oberen Etagen seinen Speicher hatte, musste ganz schon abenteuerliche Klettereien auf sich nehmen. Und der Notausgang aus der Speicherburg ist wirklich nur bei extremer Gefahr zu empfehlen!

Qasr al-Hadsch Nalut Nalut Nalut Nalut Nalut

Abends kommen wir in Ghadames an. Wir finden unser gebuchtes Hotel, wo schon Moussa und der neue Fahrer Yussuf auf uns warten. Endlich angekommen! Aber wo sind Housseini und Ahmed? Aha, sie warten auf dem nahe gelegenen Campingplatz mit dem Essen auf uns. Also nichts wie hin!
Im großen steinernen Gemeinschaftsraum des Campingplatzes liegen schon unsere Matratzen und das Tischtuch ausgebreitet auf dem Boden. Nachdem wir die Begrüßung und Bekanntmachung hinter uns haben, trägt Housseini das Essen auf. Mmmh, Housseinis Linsensuppe! Darauf haben Aisha und ich ein ganzes Jahr lang sehnsüchtig gewartet.
Der Fahrer und der Polizist haben sich zum Essen natürlich an den Tisch gesetzt. Und weil unsere Tuareg-Freunde schon gegessen hatten und erstmal Neuigkeiten aus der Hauptstadt hören wollten, kauern am Ende die Touristen auf den Matratzen am Boden, während die Tuareg und die Araber auf Stühlen am Tisch sitzen. Was für ein Bild!

Wir mit Bus und Fahrer Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von unserem Fahrer Salah. Ein letztes Foto, dann steigen wir um in die Jeeps.
Mit Mansour, unserem local guide für das Weltkulturerbe Alt-Ghadames, streifen wir 2 Stunden zu Fuß durch die z.T. sehr schön restaurierten überdachten Gassen der alten Handelsstadt. Gut, dass wir einen Führer dabei haben und ab und an eine kleine Glühlampe den gewundenen Gang erhellt. Hier kann man sich ziemlich verirren und im Dunkeln böse den Kopf anstoßen ...
Im Innern ist es sehr kühl: Die Architektur gewährleistet eine ausgeklügelte Luftzirkulation, die die Temperaturen selbst der stärksten Sommermittagshitze um ca. 15°C senkt.
Wir besuchen das selbe Museumshaus wie vor 6 Jahren und steigen die steilen Stufen auf's Dach hinauf, wo uns ein wunderbarer Blick über das alte Ghadames erwartet. Zum Schluss kommen wir zur legendären Stutenquelle, die jetzt allerdings in einem gemauerten Becken eingefangen ist (Foto rechts). Die Stutenquelle selber ist fast versiegt, das Becken wird von anderen, kleineren Quellen gespeist.
Hier habe ich mal zwei der diversen "Legenden" aufgeschrieben, die sich um Ghadames und die Stutenquelle ranken.

Ghadames Ghadames Ghadames Ghadames Stutenquelle


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Piste nach Süden ins Tassili

Nun beginnt unsere Pistenfahrt Richtung Süden. Da die alte Piste nahe der algerischen Grenze wegen der Erschließung neuer Erdgasfelder gesperrt ist, müssen wir auf die Piste weiter östlich ausweichen. Die ist länger, aber im Großen und Ganzen abwechslungsreicher.
Zwischendurch eine kleine Überraschung: Vor uns erstreckt sich ein recht großer See (Foto links), übrig geblieben vom letzten ausgiebigen Regen vor vier Wochen. Der ca. 10 Meter breite sumpfige Rand ist das Resultat der Verdunstung.

Und noch etwas bringt immer wieder Abwechslung in unsere Reise, wenn auch keine willkommene: In den ersten Tagen hat Moussas Auto immer wieder Probleme, irgendein kleines Teil "Made in Taiwan" will nicht so, wie es soll. Mal nur 10 Minuten, mal 'ne halbe Stunde dauern die Reparaturen. Sogar abends am Lagerplatz geht das Basteln weiter. Aber Taiwan bleibt Taiwan und auch alle ersatzweise zurechtgefeilten Teile machen es nur bis zur nächsten Panne. Es ist zum Mäusemelken und Moussa hupft jedesmal im Dreieck. Dann - oh Wunder! - hält ein Teil, und hält und hält. Erleichterung bei uns allen. Das wären ja drei interessante Wochen geworden ...

Unser neuer Fahrer Yussuf ist sehr ruhig und gelassen und außerordentlich umtriebig, was sein Auto angeht. Das erste, was er nach jeder Tagesetappe tut, ist das Auto auszukehren, alle Matten und Decken auszuschütteln und die Scheiben zu putzen. Und er hat die außerordentliche Begabung, uns mit seinem Gitarrespiel während der Mittagspausen und abends am Feuer zu erfreuen. Dazu kommt eine schöne Stimme - herrlich. Das ist das erste Mal, dass wir einen Gitarrespieler (mit Gitarre!) dabeihaben. Wir genießen das sehr und sparen nicht mit Beifall und Lobeshymnen!
Rahma, die in Yussufs Auto mitfährt, hat eine lustige Geschichte zu erzählen vom "Sallos-Boykott".

Nach dem Regen Auf der Piste Panne Auf der Piste Auf der Piste

Moussas Autowelt ist also wieder in Ordnung und nach dreieinhalb Tagen z.T. sehr staubiger und durchrüttelnder Piste erreichen wir das Tassili Aramat. In Maridat bekommen unsere "Neuen" abends am Feuer ihre einheimischen Namen: Aus Hildegard wird Lemma, aus Gisela Tamdarat, aus Elisabeth Rahma, aus Eva Tita, aus Karl wird Leshab, aus Jobst Girschi und aus Hans Yussuf Rariyani, wegen seiner alle überragenden Länge. Unser Polizist bekommt nach eingehender Diskussion den neuen Namen Michael. Alle sind zufrieden, die neuen Namen werden durch Zurufen eingeübt. Der Abend klingt mit Rätselspielen und einigen Dominopartien aus.

Über das Tassili Maridat habe ich mich ja bereits in anderen Reiseberichten ausführlich ausgelassen. Für mich nach dem Akakus der zweitschönste Flecken Libyens!

Tassili Tassili Tassili Hallo? Tassili

Nach einem ausgedehnten vormittäglichen Rundgang in Maridat baut Housseini seinen Schmuckladen auf und jeder ersteht das eine oder andere schöne Erinnerungsstück. Dann geht es weiter nach Aramnoudaden, über das Wadi "Kacka Esel", das Wadi "Akrab" (Skorpion) und das Wadi "Schlangen". Orte, denen wir nach diversen Vorkommnissen bei früheren Reisen diese Namen gegeben haben. Unser Besuch im Tassili endet mit der Besichtigung der großen Kuh-Gravuren.


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Indinen und ein kurzer Abstecher nach Ghat

Am Abend kommen wir in Indinen an. Aisha und ich fahren mit Moussa nach Ghat, um unsere Familienbesuche zu machen. Unterwegs kommt uns Mouftah entgegen - was für eine schöne Überraschung! Gemeinsam fahren wir weiter und treffen nach kurzer Zeit im Garten der Familie ein, wo uns der Vater und die Mutter begrüßen. Nach einem kurzen Schwatz und ein paar Fotos geht's weiter zu "unseren Schwestern". Die Freude ist auf beiden Seiten groß! Leider haben wir dieses Mal nur wenig Zeit, und so brechen wir nach geraumer Zeit wieder auf zum nächsten Besuch bei Mouftahs Frau.
Mensch, wie schnell die Zeit vergeht: Das Baby vom letzten Jahr ist nun schon eine wunderschöne kleine Prinzessin, die sich etwas scheu hinterm Papa versteckt. Aber als wir unsere kleinen Mitbringsel auspacken, taut sie sichtlich auf.
Die letzte Station ist das Heim von Moussa und seiner Frau. Hier ist in diesem Jahr eine Bewohnerin hinzugekommen. Wir begutachten das neue Baby, dessen Augen und Brauen noch dick mit Khool geschminkt sind - zum Schutz gegen böse Geister.
Da wir Housseini versprochen haben, auf keinen Fall "auswärts" zu Abend zu essen, müssen wir auch diese Einladung ablehnen. Alle unsere Gastgeberinnen sind sehr enttäuscht. Wir versprechen überall, dass es das nächste Mal bestimmt klappt ...
Nach knapp 3 Stunden treten wir den Heimweg nach Indinen an. Natürlich ist es längst spät geworden, aber für uns wird das Essen aufgewärmt (wir haben ordentlich Hunger bekommen), und dann baue ich meinen Schlafplatz gleich hinter einem der Autos auf. Da es bereits stockdunkel ist, habe ich keine Lust auf Schlafplatzsuche und ziehe diese bequeme Lösung vor.

Ghat Am nächsten Morgen fahren wir alle nach Ghat, besichtigen die Altstadt und machen noch ein paar Einkäufe. Auch einige der Schmuckhändler, die sich in der Altstadt angesiedelt haben, kommen zu einem guten Geschäft. Freundliche Wünsche begleiten uns. Am Obst- und Gemüsemarkt ist mir dieses schicke Fleischgeschäft aufgefallen (siehe Foto).
Wir fahren zum Duschen auf einen Campingplatz und machen dort auch gleich Mittagspause. Dann geht's weiter nach Al-Aweinat und in den Akakus.

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Kamele und mehr im Akakus

Die Fahrt in den Akakus startet erstmal ohne Moussa und Yussuf, die nach Djanet fahren, um ein Auto abzuholen. Sie werden uns in ein paar Tagen wieder einholen. Ein Ersatzfahrer mit Auto wird für einen Tag und eine Nacht gechartert, und dann brechen wir frischgewaschen auf in den Akakus.

Schon am Adad entdecken wir etwas Neues: Große gelber Hinweisschilder stehen seit diesem Jahr vor interessanten Felsformationen oder Fundorten besonders schöner Felsgravuren und -zeichnungen.
Dann kommen wir zum Kameltreffpunkt und begrüßen Mohamed (vom letzten Jahr) und endlich mal wieder Cheikh, der die letzten Jahre leider sehr krank war. Aisha und ich freuen uns ganz dolle! Und - mein Aurar ist auch da!
Zum Abendessen ein kleiner Schock: Zwei von uns gehen ab und auch minutenlanges lautes Rufen und Pfeifen bringt sie nicht zurück. Wir befürchten schon, dass sie sich in der verwinkelten Gegend verlaufen haben und die ringsum aufragenden Berge sowohl unser Rufen als auch den Schein unseres Feuers verschlucken. Doch dann tauchen sie wie aus dem Nichts auf und unsere Gruppe ist wieder vollzählig. Die beiden hatten nur eine ausgedehnte Runde um den Lagerplatz gedreht.

Kurz was zum Essen: Na gut, über's Frühstück brauche ich keine großen Worte zu verlieren, eben das hier Übliche. Aber zum Mittagessen und zum Abendbrot kommen Housseinis Talente zum Vorschein. Wie schon oft berichtet, gibt es mittags Salat aus frischem Gemüse, mal mit Kartoffeln, Ei, Reis oder roter Beete bereichert. Wer mag, isst dazu etwas Thunfisch oder Sardinen. Viel Vitamine und wenig Fett: So gesund ernährt sich kaum einer von uns zu Hause, oder?
Abends kocht Housseini. Es gibt immer ein 3-Gänge-Menü, und ob er für 4, 10 oder 18 Personen kocht, alle werden satt. Es schmeckt köstlich! Von Housseinis Wüstenküche sind alle begeistert! Ich liebe vor allem seine Suppen. Dazu ein Stück Tugella - unschlagbar!

Früh werden die Kamele aufgeteilt. Wir lernen Alkhassoum kennen, der die Nacht bei den Kamelen verbracht hat und uns begleiten wird. Und auch Hamouda ist da, der schon im letzten Jahr einer unserer Kamelbegleiter war.
Sechs Tage werden wir reiten. Viel zu kurz für meinen Geschmack, aber durch den "Ghadames-Schlenker" bleiben leider nicht mehr übrig. Wir reiten über schwarze Hamada und durch grüne Wadis, nach Süden zu wird die Gegend immer lieblicher.
Am zweiten Kameltag kommen mittags Moussa und Yussuf zurück. Großes Hallo! Und am Abend sitzen 19 Leute am Feuer!

Reiten Reiten Reiten Reiten Adieu Kamele!

Und hier habe ich mal aufgeschrieben, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.

An einem anderen Mittagsplatz sehen wir eine ca. 70 cm lange Spaghettischlange (weil spindeldürr), wahrscheinlich eine Zornnatter oder eine Sandrenn-Natter. Und dann müssen wir uns von Mouftah und Cheikh verabschieden. Vier Autos sind wirklich zuviel, das sehen wir ein, aber es war so schön, alle dabei zu haben!
Bei den Felszeichnungen in Erassamallen entdeckt Aisha Spuren einer Viper. Sofort starten unsere Tuareg die Suche, finden die Viper und töten sie. Kurz vorher ist mir noch ein schöner Schnappschuss gelungen.
Die Touristen sagen oft, "Och, die schöne Schlange. Lasst sie doch!" Aber die Nomaden und andere umherreisende Menschen, z.B. unsere Begleiter, leben täglich mit der tödlichen Gefahr. Zu oft werden Kamele und Ziegen und manchmal auch Nomadenkinder totgebissen. Auch für einen gesunden Erwachsenen kann das Gift dieser Schlangen tödlich sein, wenn nicht alsbald ein Antiserum gespritzt wird. Eine so giftige Schlange findet kein Erbarmen. Sobald eine entdeckt wird, wird sie gejagt und erledigt.

Als Aisha eines Nachmittags im Auto mitfuhr, hat sie ein schönes Erlebnis gehabt und es in dieser kleinen Geschichte für uns aufgeschrieben: "Das Kamelbaby". Das Foto ganz rechts hat uns ebenfalls Aisha mitgebracht.
Wenig später sind wir an diesem Platz vorbeigeritten und konnten das kleine Kamel schon ziemlich sicher umherspazieren sehen.

Schild Felszeichnung Felszeichnung Hornviper Babykamel

Mehr Fotos aus dem Akakus können unter diesem Link "Fotogalerie Akakus" angesehen werden.
Und mehr Fotos von Felsgravuren und Felszeichnungen aus dem Akakus sind hier: "Felsmalereien und Felsgravuren in Libyen".

Am Abend des sechsten Tages ist Kamelabschied. Mohamed und Alkhassoum werden die Kamele in den nächsten Tagen zurück nach Ghat bringen. Hamoudda wird bis zum Ende der Reise bei uns bleiben.
Moussa hat eine Ziege gekauft und am Abend gibt es leckeren Leberspieß und frisches Ziegenfleisch. Ein letztes Mal sitzen wir zusammen und die Kamelführer bedanken sich bei uns für die schöne Zeit. Was sollen wir dazu sagen? Wir sind es, die sich bedanken müssen. Allen hat das Reiten viel Spaß gemacht und ein paar von uns sind richtig auf den Geschmack gekommen. Alle haben es gut gemeistert, meint Mohamed. Aber Hochachtung zollen unsere Begleiter vor allem Lemma, die sich von den häufigen störrischen Attacken ihres Reittiers nicht hat einschüchtern lassen.

Der Kamelabschied am nächsten Morgen hat für Lemma noch eine Überraschung parat: "Das weinende Kamel"

Die Abende am Feuer werden durch Yussuf und seine Gitarre sehr bereichert. Und während der Kameltage kommt auch ab und an die selbstgebastelte Flöte von Mohamed zum Einsatz. Auch die anderen Tuareg lassen sich nicht lange bitten. Alle nehmen mal die Gitarre oder die Flöte zur Hand und bieten uns - mehr oder weniger gekonnt - musikalische Einlagen. Wir zollen allen Mutigen höchsten Respekt und sprechen unsere große Bewunderung für die wirklichen Könner aus!
Da ja auch wir immer wieder zum Singen ermuntert werden (man glaubt es kaum), bringen wir so manches deutsche und internationale Liedgut zu Gehör. Dabei hat es Yussuf ein Lied besonders angetan: "La-le-lu", von dem er sich sogar den Text aufschreibt.

Unser Trio Ein anderes, fast abendliches "Schauspiel" bieten unsere drei Männer: Da sie nicht so "feurig" sind, will heißen, ihnen ist es am rauchenden Feuer mit eingezogenen Haxen nicht so arg bequem, lehnen sie oft in trauter Dreisamkeit an einem der Autos, gut eingepackt in dicke Decken und ... - keine Ahnung! - vielleicht haben sie philosophiert. Dabei rahmen die beiden Langen, Girschi und Yussuf Rariyani, den kleineren Leshab ein. Jedes Mal ein Bild für die Götter!
Am Feuer dagegen lümmeln meist nur wir Damen und die Tuareg. Und so manche Knochen, die sich zu Beginn der Reise noch protestierend weigerten, sich dem ungewohnten Matratzenlager anzupassen, wurden im Laufe der Reise geschmeidig wie Spaghetti al dente!

Schesch Am Feuer Am Feuer Am Feuer Am Feuer Am Feuer

Jeden Tag sehen wir unzählige Tierspuren in Sand. Über einige freut man sich, andere machen eher vorsichtig. Aisha schreibt hier etwas über die Vielfalt der "Spuren im Sand".

Nun geht es noch einen Tag per Jeep durch den Akakus, um verschiedene schöne Steinformationen und Felszeichnungen zu sehen. So kommen wir zur Kathedrale und dem Nashorn, zum Fozzi, zum Brunnen Imananer und zu "unserem" Kiosk-Pilz. Wir schlafen noch einmal in einem schönen Sand- und Steine-Ensemble. Am Morgen finde ich frische Fennekspuren rund um meinen Schlafplatz. Aber an so eine "Riesenmaus" wie mich hat er sich nicht rangetraut - was sicher für beide Seiten besser war.
Die Tage im Akakus gehen wie immer viel zu schnell vorüber. Jetzt ist es Zeit, Richtung Norden nach Al-Aweinat zu fahren. Bald hat uns der Asphalt wieder.
Die Nacht verbringen wir in den Dünen von Wan Kassa.


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Erg Ubari und Mandara-Seen

Wir fahren nach Osten. In Germa haben wir die Wahl zwischen dem Besuch der Ruinen der alten Garamantenhauptstadt Garama und einem Besuch der Wochenmarkts. Die Neugier oder der Kaufrausch siegt - wer weiß - und die Gruppe ergießt sich auf den Marktplatz. Es gibt alles und nichts, aber schön bunt! Und Tita spendiert ein paar neue Gläser für die Teerunden; so hat sich der Marktbesuch am Ende doch für alle gelohnt.
Wir fahren in den Erg Ubari ein und unsere Fahrer meistern die ersten Dünen. Und dann das große Entsetzen: Überall sehen wir blaue und gelbe Plastikfähnchen als Pistenmarkierungen und bereits angelegte breite Lastwagenpisten, die die Dünen durchziehen. Alles für ein neues Öl- oder Gasvorkommen, das weiter im Norden des Erg Ubari erschlossen werden soll. Jahr um Jahr wird das Erg Ubari um die Mandara-Seen herum unansehnlicher: Müll, Toilettenpapier und jetzt auch noch Lastwagenpisten.
Das Nachtlager schlagen wir in einer Dünenmulde auf und ich baue meinen Schlafplatz in der 3. Etage. Das heißt zwar, mit den diversen Schlafutensilien mehrmals die Dünen rauf, aber der Ausblick beim Sonnenuntergang und früh beim Sonnenaufgang ist einmalig!

Am Feuer Dann kommt unser letzter Tag. Wir fahren zum Mandara-See und machen am Um al-Ma'a Mittagspause. Für die letzten unerfüllten Mitbringselwünsche gibt es an jedem See mehr oder weniger fest installierte "Souvenirläden" (Foto links). Da bleibt noch der eine oder andere Dinar hängen. Wir spielen unser letztes Domino für dieses Jahr und dann geht es zurück Richtung Straße.
Fotos der Mandara-Seen können unter diesem Link "Fotogalerie Erg Ubari und Mandara Seen" angesehen werden.

Eine "Randdüne" beherbergt uns für die letzte Nacht.
Ahmed, der Unermüdliche, der ständig hier und dort hilft, den Tee zubereitet und für alles ein Händchen hat, knetet und backt ein letztes Tugella für uns. Danke, lieber Ahmed! Du backst das beste Tugella von allen!
Der Abend am Feuer wird lang. Ein paar sind sehr traurig, aber beim Erzählen und Singen gewinnt dann doch die Freude über unsere gemeinsame schöne Zeit. Und man kann ja mal wiederkommen ...
Nach und nach verziehen sich alle in den Schlafsack. Nur noch Rahma, Lemma, Aisha, ich und unsere Begleiter sitzen ums Feuer. Wir machen noch ein bisschen Quatsch und zuletzt hätte uns Lemma beinahe noch den "Ténéré" getanzt. Schade, dass weder sie noch wir wissen, wie der aussehen könnte, und zu einer spontanen Kreation hatte Lemma dann doch keine Lust. Wirklich schade! Wer weiß, was uns entgangen ist ...

In der Kueche Letzter Abend Lachen Abschied Lachen


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Noch einmal Tripoli

Am Morgen das letzte Frühstück und die Verabschiedung von unseren Freunden. Nicht nur Aisha und mir fällt der Abschied schwer, mittlerweile fühlen sich viele der Gruppe wie in einer Familie aufgenommen. Lest das Fazit von Girschi "Wie eine große Familie".

Ahmed steckt mir ein kleines Stückchen vom letzten Tugella zu, es soll mich im Bus etwas Trösten ...
Dann geht es los, über Sebha und Ghariyan nach Tripoli. Abends kommen wir im Hotel an. Lust auf ein Abendessen haben wir nicht, dafür war das Mittagessen zu reichlich und recht spät gewesen. Aber wir wollen unseren letzten gemeinsamen Abend doch noch hübsch ausklingen lassen und entscheiden uns für einen Besuch im "Marmorhaus". Dort gibt es leckeren, frisch gepressten Limonensaft (und anderes mehr) und wir erinnern uns an besondere Momente unserer Reise. Die vorbeifahrenden Autos nerven, sie sind zu laut für unsere stillegewohnten Ohren. Und alles ist zu überladen für unsere Augen, die es lieben, ins Unendliche zu schauen.
Zum Schluss setzt Girschi zu einer kleinen Rede an und überreicht mir als dem "Organisator" ein Dankeschön von der Gruppe. Ich habe mich sehr gefreut!

Am nächsten Morgen heißt es endgültig Abschied nehmen. Die Gruppe macht ihren Ausflug nach Leptis Magna. Aisha (die keine Lust auf Leptis hat) und ich machen einen letzten Einkaufsbummel.
Kurz nach 13 Uhr kommt Ibrahim, um mich zum Flughafen zu fahren. Dort geht alles sehr schnell: Ich kann sofort einchecken und habe auch noch Zeit, die letzten Postkarten zu schreiben und mir was zu Essen zu besorgen. Der Flug nach München via Amsterdam geht pünktlich los und ich komme spät, aber heil nach Hause.

Zum Schluss ("last but not least") möchte ich noch ein paar "Zitate über die Wüste" empfehlen, die Tita ausgesucht hat. Ganz besonders eines spricht mir aus dem Herzen ...


Ein bisschen hektisch war sie, diese Reise: Der lange Weg von Ghadames, die Autoreparaturen an den ersten beiden Tagen, die Hektik in Ghat, um alle unsere Familienbesuche abzustatten, nur kurze 6 Tage kontemplatives Kamelreiten und dann schon wieder zielgerichtetes Autofahren - so richtig zur Ruhe gekommen bin ich nicht.
Aber nichtsdestotrotz war es eine schöne Reise: erlebnisreich und ständig umsorgt von unseren libyschen Freunden. Kein Wunsch blieb unerfüllt, bis auf den, dass die Zeit stehen bleiben möge. Aber daran konnte keiner von uns was ändern.
Was bleibt sind die Erinnerungen und ein paar Fotos, die mich oft tagträumen lassen. Und die Einladung der "Jemeniten", zu ihrem nächsten Treffen zu kommen.

Lust auf eine eigene Reise?

Wer Lust hat, mal auf eine 3- oder 4-Wochentour mitzukommen oder mit Freunden eine eigene kleine Gruppe für 2 oder mehr Wochen zu bilden, sollte
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