Reisebericht Libyen Oktober 2003
geschrieben von meiner Freundin Anne (Safia)

Libyen vom 12.10. bis 03.11.2003


An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Anne bedanken! Durch den Umstand, dass Aisha und ich ja bereits 6 Wochen später auf unsere 8. Libyenreise gingen, war ich bzgl. des Reiseberichts etwas knapp an Zeit. Da hat sich Anne spontan bereit erklärt, einen eigenen vollständigen Reisebericht zu schreiben und ihn mir - und damit auch allen Lesern auf dieser Homepage - zur Verfügung zu stellen.
Der Reisebericht ist original von Anne. Aisha hat einen kleinen Beitrag zum "TPS" beigesteuert. Was das ist? Lest ihren Beitrag am Ende von Annes Bericht! Und ich habe einige meiner Fotos eingebunden, die zu Annes Bericht passen. (Durch Anklicken werden sie vergrößert dargestellt.)
Und nun viel Spaß mit Annes - äh, Safias - Reisebericht!

"Beim 7. Mal ist alles anders"

Wie heißt es so schön, alle 7 Jahre finden grundlegende Änderungen im Leben statt. Unsere Reise schien auch diesem Motto zu folgen. Aisha und Azahra, unsere beiden großen Libyenliebhaberinnen, führte es nun schon zum 7. Mal in Ghadaffis Lande, allerdings stand diesmal nicht der Akakus auf dem Programm, sondern Neuland war angesagt: Das Tassili sollte zum ersten Mal auf dem Rücken der Kamele erkundet werden. Dort soll es herrliche Flecken geben, die man mit dem Auto nicht erreichen kann.
Als sie mir vor einem Jahr während unseres gemeinsamen Urlaubes in Algerien davon erzählten, war ich gleich Feuer und Flamme und meldete mich spontan für diese Tour an. Wir begannen auch sofort zu planen. Wie immer sollten es drei Wochen werden, davon aber gute 14 Tage nur mit Kamelen und wir wollten etwas früher im Jahr reisen, damit es schön warm ist und wir nicht eingemummelt auf unserem Reittier sitzen müssen. Oktober war mein Wunschtermin.

Zunächst entwickelte sich auch alles bestens, drei weitere Mitreisende fanden sich (Mariam, Tambullu und Samira, alle drei erfahrene Reiterinnen, denn das war Bedingung, da kein Auto während der Kameltage dabei sein sollte) und die Flüge über Budapest nach Tripoli waren schnell gebucht.

Ca. einen Monat vor Abflug zeichneten sich dann die ersten Probleme ab. Moussa, unser Führer vor Ort, rief bei Azahra an und musste beichten, dass es mit den Lastkamelen schlecht aussieht. Alle Leute die er befragt hat, haben keine mehr. Es kommen nicht mehr so viele Touristen und da lohnt es sich nicht, die ganzen Tiere durchzufüttern. Er wolle noch weiter auf die Suche gehen, aber es sah doch ganz danach aus, dass wir unsere Pläne dahingehend modifizieren müssen, dass unser Gepäck im Auto transportiert wird. Zum Glück waren ja unsere Reitkamele vollzählig!

Fast zeitgleich erreichte uns die nächste Hiobsbotschaft - der Flughafen in Sebha ist für größere Maschinen gesperrt, was auch den Flugplan zu anderen Zielen durcheinander brachte. Unser Vormittagsflug nach Ghat wurde z.B. auf den Abend verlegt und bis zum Reiseantritt war offen, auf welchem Weg wir aus dem Süden wieder zurück nach Tripoli kommen werden. Wir mussten uns also überraschen lassen.
In der letzten Woche gab es fast täglich neue Entwicklungen. Die arme Azahra, die alles organisiert hat, war ziemlich genervt. Dafür erhielten wir unser Visum in Windeseile, keine wochenlange Ungewissheit wie in den vergangenen Jahren.

Es geht los: Über Budapest und Tripoli nach Ghat

Nach monatelanger Vorfreude auf den Urlaub und all der Planerei kam nun endlich der Tag der Abreise. Da sich der Nachtflug vor einem Jahr bewährt hatte, starteten wir Münchener wieder kurz nach 20.00 Uhr nach Budapest. Da stießen auch planmäßig die beiden von Frankfurt Kommenden zu uns und nach einem kurzen Zwischenaufenthalt ging es weiter nach Tripoli. Mitten in der Nacht gegen 2.30 Uhr landeten wir dort.
Trotz so später oder vielleicht besser früher Stunde stand ein ganzes Empfangskomitee bereit. Abdallah, den ich noch von vor zwei Jahren kannte, Mohammed, der wohl auch bei meiner ersten Reise aufgetaucht ist (jedenfalls konnte er sich an mich erinnern, mir war er völlig neu) und ein Fahrer holten uns ab, um uns zum Hotel zu bringen. Das letzte Stück kurvten wir durch enge Straßen in einer merkwürdig erscheinenden Gegend. Hüben und drüben standen nur Skelette von Häusern und ich dachte schon: "Oh Gott, wo schaffen die uns denn hin?"
Plötzlich tauchte aber ein sehr hübsches neues Hotel auf, in dem es uns so gut gefiel, dass wir beschlossen haben, auch am Ende unserer Reise wieder dort abzusteigen.
Todmüde ließen wir uns in unsere Betten fallen und tauchten erst zum Frühstück um 11.00 Uhr wieder auf. Da erfuhren wir, dass es mit dem von uns favorisierten Rückflug von Sebha mit der Tibesti-Airline nicht gut aussieht (die kleinen Maschinen seien im Nu ausgebucht) und dass wir uns schon mal mit dem Gedanken an eine Fahrt mit dem Minibus anfreunden sollten.
Mir persönlich war das fast egal, ich kannte die Strecke durchs Land noch nicht und war daher eher neugierig. Aber bis dahin war ja noch ein bisschen Zeit und vielleicht geschahen ja noch Wunder und es ergaben sich noch ganz andere Möglichkeiten.

Zunächst brachen wir zu einem ersten Erkundungsrundgang durch die Stadt auf. Ich war schon gespannt, vor zwei Jahren war ich ja nur auf der Durchreise. Noch dazu herrschte strahlender Sonnenschein, ganz untypisch für Tripoli. Natürlich schlenderten wir durch den Souk, wo uns das typisch orientalische Flair erwartete. Herrlich diese Farbenpracht der Gewürze, die überall aufgereiht waren, und all der Schmuck, die Stoffe, Teppiche, Haushaltswaren, ...! Der neueste Schrei schienen aufwändig bestickte und mit Perlen besetzte Stoffe zu sein. Einige von uns mussten sich sehr zügeln, um nicht gleich zuzuschlagen.
Ich finde es in Libyen sehr angenehm zu bummeln, anders als z.B. in Marokko kann man hier alles in Ruhe anschauen, ohne ständig aufdringlich von Händlern oder anderen Mitmenschen belagert zu werden.

Nachdem wir einen ersten Eindruck gewonnen hatten, mussten wir auch schon wieder gehen, denn 14.00 Uhr sollten wir zum Flughafen gefahren werden, zum Flug nach Ghat.
Wie üblich tat sich dort Ewigkeiten nichts und wir hatten ausgiebig Zeit Geld zu tauschen und Postkarten und Briefmarken zu kaufen. Als ich von meinen Besorgungen zurückkam, saß auf einmal der uns zugeteilte Polizist auf der Bank. Er hatte eine ziemlich leidende Miene, die er auch die meiste Zeit während der kommenden Wochen behalten sollte.
Bei all der Warterei bekamen wir langsam wieder Hunger, doch gerade als ein Teil von uns zum Essen besorgen ausschwärmen wollte, ging es dann Hals über Kopf los mit dem Boarding, dann muss plötzlich immer alles ganz schnell gehen. Unsere Mägen mussten sich also gedulden.

Ankunft in Ghat

Nach 1 ½ h Flug kamen wir 20.00 Uhr in Ghat an. Moussa und sein Freund Mahmoud warteten schon und brachten uns zum Campingplatz. Dort wurden wir von einer Schar laut schnatternder Gänse begrüßt, die auch in der Nacht keine Pause einlegen wollten. Unser Koch Housseini wartete kurze Zeit später mit seinem leckeren Essen auf. Wir stürzten uns mit Heißhunger darauf. Ich bin ja immer wieder erstaunt, was Housseini mit einfachen Mitteln zaubern kann und wie variationsreich er mit den doch immer gleichen Zutaten kocht.
Nachdem der Hunger gestillt war, saßen wir noch eine Weile zusammen und erzählten. Es war ein Bild für die Götter: Wir Touristen auf den Matratzen auf dem Boden und unsere Touareg aufgereiht in Korbstühlen, wie die Herrscher in früheren Zeiten.
Die Nacht war dann etwas unruhig, zumindest für Tambullu, Aisha, Azahra und mich, die wir in den Zimmern übernachtet hatten. Wegen des erst kürzlich gefallenen Regens gab es Heerscharen von Mücken, so kam es uns jedenfalls vor. Ständig surrte es und wir schlugen wild um uns. Da unser Gepäck noch nicht umsortiert war, konnten wir uns keine Ruhe mit Autan verschaffen. So schnell war es nicht auffindbar. Am nächsten Morgen juckte es dann auch überall, jede Menge fetter Stiche waren zu verzeichnen und ich fluchte schon, dass ich nicht im Zelt genächtigt hatte.

Der Tag ließ sich ruhig an. Nach dem Frühstück stand die übliche Einkaufstour an, Samira wurde mit einem Schesch ausgestattet, Weihrauch und die letzten Vorräte an Proviant wurden gekauft. Auf der Rückfahrt zum Campingplatz fuhr zufällig der Polizist von der Meldestelle an uns vorbei. Kurzerhand wurde die Scheibe runtergekurbelt und unsere Reisepässe zur Registrierung rübergereicht. Ein Weg gespart!
Am frühen Nachmittag besuchten uns noch eine ganze Reihe von Familienmitgliedern bis es dann endlich mit zwei Autos - wir quetschten zu siebent im Jeep, die restlichen drei saßen im Küchenpickup - zum nahe gelegenen Treffpunkt mit unseren Kamelen losging.
Nach einer Weile Fahrt hatten beide Autos einen Platten. Wir lästerten schon, dass es sich sicherlich um einen Sabotageakt seitens unseres Polizisten handele, da der eigentlich nicht in die Wüste wollte. Aber in Windeseile waren die Ersatzräder montiert und wir kamen schließlich bei Cheikh, Ali und den Kamelen an.
Ein braunes Tier mit einem gespaltenen Ohr begrüßte uns ganz keck. Es hatte gleich seinen Spitznamen "Schlitzohr" weg. Azahras Aurar und Mariams dicker Atlar waren auch da und so war die Welt in Ordnung. Der Kamelalltag begann.

Nach Abendessen und gemütlicher Plauderrunde ging ich schlafen, natürlich ohne Zelt, nur mit Matratze und Schlafsack. Die Nacht war recht windig, aber ziemlich warm. Leider hat es nicht so arg abgekühlt und ich schwitzte wie Sau, obwohl ich schon einen dünneren Schlafsack mithatte. Die kommenden Nächte sollte es auch nicht besser werden.

Unsere Kameltour im Tassili beginnt

Am nächsten Tag nach dem Frühstück schlug die große Stunde. Die Kamele wurden verteilt.
Was würde ich wohl für ein Tier bekommen? Am schönsten war ja Schlitzohr. Mir wurde aber schließlich der 2. Aurar zugedacht, ein guter Fang!
Aisha bekam vorläufig einen Eckelbau. Was für ein Name! Liebevolle Lästereien waren da förmlich vorprogrammiert. Ihr eigentliches Reittier Adignaas stand noch unter Beobachtung.

Hamada Weite ... Gehen

Zur Eingewöhnung hatten wir nur eine kurze Strecke bis zum mittäglichen Unterstand zu bewältigen. Im Gegensatz zum Akakus ist im Tassili alles weitläufiger. Häufig muss man weite Ebenen überwinden, um als Belohnung mittags bzw. abends an einem malerischen Platz in den Dünen, in einem Wadi oder in einer Umgebung aus einem Felsen- und Sandgemisch zu kampieren.

Mir hat auch diese Art der Landschaft sehr gefallen, sie vermittelt ein bisschen einen Eindruck von der Weite der Wüste, man kann sich in die Menschen hineinversetzen, die tagelang durchs Nichts marschieren mit ihren Karawanen.
Da meist der Untergrund relativ fest war, konnte man gut einen Teil der Strecke zu Fuß zurücklegen. Aisha und ich machten davon ausgiebig Gebrauch und liefen vor unseren Reittieren her und hingen unseren Gedanken nach. Herrlich!
Azahra und auch Aisha waren die Wege zwischen den einzelnen Höhepunkten jedoch zu lang und sie beschlossen für sich, das Tassili in Zukunft nur noch mit dem Auto zu erkunden. Aber das ist halt Geschmackssache.

Und hier habe ich (Azahra) mal aufgeschrieben, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.

Hitze und Regen

Wir hatten uns ja warmes Wetter gewünscht und die Sonne hat sich übertroffen, um uns zufrieden zu stellen! So viel wäre gar nicht nötig gewesen. Mittags zeigte unser Thermometer 34°C im Schatten an. Uns lief der Schweiß in Strömen runter, jeder Gang zum Klo durch die Gluthitze war eine Strafe. Eine Siesta von 12 bis 16 Uhr war ein Muss, auf den Kamelen wären wir eingegangen.

Wird's regnen? Großer Jubel! feuchte Pfade

Die ersten Kameltage zogen gegen Abend immer fette schwarze Wolken am Himmel auf. Sollten Azahra und ich einmal mehr den Regen in die Wüste bringen? (Anmerkung: Bereits bei unserer ersten gemeinsamen Kamelreise nach Marokko haben wir ein zünftiges Wüstengewitter heraufbeschworen und letztes Jahr in Algerien hatte es sogar an mehreren Abenden - wenn auch nicht heftig, so doch anhaltend - geregnet.)
Für die Einheimischen ist das ja eine große Freude, wir waren weniger entzückt. Wir warfen abschätzende Blicke zum Himmel und konnten die Zeit in gemeinsamer Runde gar nicht so richtig genießen, weil wir immer auf dem Sprung waren. Wenn dann der Wind einsetzte, herrschte hektisches Treiben, um die kostbaren Sättel in Sicherheit zu bringen und einen Unterstand fürs Gepäck zu finden. Meist sind wir glimpflich davongekommen und der Regen ging an einer anderen Stelle nieder.

Bloß einmal, am 5. Tag unserer Reise, hat es uns erwischt. Es war eine surreale Stimmung, alles dunkel und wolkenverhangen. Der Wind blies und in der Ferne zuckten die Blitze. Regen schien unausweichlich und so bauten wir Zelte auf und stellten all unser Gepäck darin unter.
Da ich etwas eigen bin wenn es regnet und nur ungern nass werde, legte ich mein provisorisches Regencape (nur so ein dünner Folienüberwurf, mit Dauerregen während der Reise hatte ich ja nicht gerechnet und ich hatte sowieso Zweifel, dass es zum Einsatz kommt) griffbereit. Zur Erheiterung aller zog ich es bei Einsetzen der ersten Tropfen über und raschelte vor mich hin. Naja, Sturzbäche kamen nicht gerade herunter, aber zum Nasswerden reichte es.
Der Abend wurde dennoch sehr lustig. In einem engen Durchgang zwischen zwei Felsen versammelten wir uns zum Singen, eine Rarität in diesem Urlaub, denn wegen der warmen Nächte zog es uns nicht ans Feuer und so fand die vielgepriesene Lagerfeuerromantik fast gar nicht statt.
Da man nicht so recht wusste, wie es mit dem Regen weiter geht, zog ich es vor, im Zelt zu schlafen. Besonders entspannt war das aber auch nicht. Es war recht stickig drinnen und draußen flatterte das Überzelt und drohte bald davonzufliegen. Aber schließlich ging auch diese Nacht vorüber und am nächsten Morgen war es wieder heiß wie eh und je und die Sonne strahlte, als wäre nichts gewesen.

Auch unseren Kamelen begann die Hitze zu schaffen zu machen. Sie waren durstig und wurden zunehmend störrischer. Mein Aurar ließ sich schon an fest gespannter Leine hinterher ziehen. Unsere Begleiter hatten deshalb beschlossen, später zu einem Guelta zu fahren und Wasser zu holen. Das war aber nicht mehr nötig, denn als wir unseren Nachtplatz erreichten, herrschte große Jubelstimmung. In diesem Gebiet hatte es ausgiebiger geregnet und es gab Pfützen, die die Kamele ausschlürfen konnten. Man konnte zusehen, wie eine nach der anderen verschwand.

Skorpionstich und Klettertour zum Guelta

Neben dieser freudigen Überraschung hielt dieser Tag aber auch noch eine schlechte bereit. Zwischen zwei Matratzen verkroch sich ein Skorpion. Moussa, der Arme, legte sich drauf und wurde gestochen.
Zum Glück ist das nicht lebensbedrohlich und es war auch ein kleineres Exemplar, aber unangenehm ist es schon. Wir gaben ihm Schmerzmittel, eine kühlende Salbe und bauten ihm ein Zelt zum Schlafen auf, viel mehr konnten wir nicht tun. Aber Touareg sind zäh und am nächsten Tag lief Moussa schon wieder rum, sicher mit zusammengebissenen Zähnen, aber als Außenstehender bemerkte man fast nichts mehr vom abendlichen Zwischenfall.

Bevor wir aufbrechen konnten, wurde noch mit einem Auto Trinkwasser für uns beschafft. Das war eine mächtig trübe Brühe und man füllte sie am besten in ein undurchsichtiges Gefäß, bevor man sie trank.
Das Wetter war wieder recht diesig und Regenwolken waren auch schon im Anzug, irgendwie war diesmal der Wurm drin. Langsam reichte es mir mit den Schauern. Im Laufe des Nachmittags und Abends besserte sich das Wetter aber und es bestand Hoffnung, dass in der Nacht mal keine Regentropfen kommen. Azahra war ein bisschen traurig darüber, denn sie hatte gerade so einen schönen, regensicheren Schlafplatz mit Überhang gefunden.

Am nächsten Tag mussten wir über einen steinigen Gebirgspfad. Unsere Kamele schienen das nicht gewöhnt zu sein und manche waren ängstlich und zögerten an einigen Stellen. Unsere algerischen Pistensäue vom Vorjahr hätten da wahrscheinlich nur gelacht. Auch schienen Ali und Cheikh die Gegend nicht so genau zu kennen, denn wir mussten eine Weile herumprobieren, ehe wir einen gangbaren Pfad fanden.

Ende der Klettertour Guelta Guelta Guelta Eckelbau!

Mittags zogen Moussa und die anderen Begleiter noch einmal los auf Suche nach Wasser, wie es hieß. Als sie dann frisch gewaschen und mit sauberen Klamotten zurückkamen, waren wir entsetzt. Was für eine Gemeinheit, wo wir doch nach einem Waschtag lechzten! Die Haare waren schon ganz verklebt und versandet. Und sie haben uns noch nicht einmal verraten, dass auch wir bald baden können. Am späten Nachmittag kamen wir nämlich an einer ausgedehnten Wasserstelle an. Die Kamele konnten nun ausgiebig getränkt werden. Dabei stellte sich Eckelbau dämlich an, er ließ sich an einer Nebenpfütze nieder und trank im Liegen. Da es dann doch schon etwas später war, haben wir unseren Waschgang auf den kommenden Morgen verschoben.

Bei der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz kam mir Aisha in die Quere, schnappte mir eine schöne Stelle in den Steinen vor der Nase weg und ich musste ins Wadi abziehen. Später sollte ich ihr dankbar dafür sein.

Schlangenalarm und Waschtag

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, herrschte große Aufregung im Lager. Housseini und Moussa zogen mit Stöcken bewaffnet los. Sollte etwa eine Schlange aufgetaucht sein?
Schon vor der Reise erzählte mir Azahra, dass es im Tassili mehr davon gäbe als im Akakus. Und tatsächlich, Aisha hatte in der Nähe ihres Schlafsackes Spuren von einer Hornviper entdeckt. Wie sich herausstellte, gab es zwei Stück in unserer Nähe. Für den Moment hatten sie sich verkrochen und wir fuhren auf der Ladefläche des Pickups zum Waschen.
Es war eine Wohltat mal wieder Wasser über seinen Körper fließen zu lassen und manch einer wusch auch noch ein paar Klamotten. Nicht dass die bei dem getrübten Wasser und dem anschließenden Trocknen auf sandigem Felsen sauber würden, aber sie rochen etwas frischer.

Hornviper Hornvipern Vipernspur

Erfrischt und bester Laune kamen wir zurück ins Lager, wo schon eine Schlange am Spieß zappelte. Kurze Zeit später flogen die Steine, denn die andere Viper kam aus ihrem Versteck in einem Busch hervor und spießte bald neben ihrer Artgenossin.

Die Tage des Schlangenalarms brachen an, denn ab jetzt fanden wir täglich Spuren. Ich achtete nun genau darauf, dass sich mein Nachtplatz in übersichtlichem Terrain befindet, fern von Bäumen oder Steinen, damit ich nicht aus Versehen eine Schlange störe. Persönlich habe ich während der Reise auch keine einzige entdeckt, mir wurden alle nur tot präsentiert.

Maridat Maridat Maridat Maridat Maridat Maridat

Diese Nacht sollten wir an einem der schönsten Plätze im Tassili, Maridat, verbringen. Auf unserem Anmarsch kamen uns dann auch einige Touristenautos entgegen gefahren. Diesmal gewann ich den Kampf um den Schlafplatz, denn ich hatte rechtzeitig mein Kennzeichen angebracht, dafür schnappte Aisha aber Samira den Platz weg.
Man sollte meinen, die Wüste bietet ausreichend Platz für alle, um sich nach Herzenslust auszubreiten, aber gerade die schönen Stellen (etwas windgeschützt und eben) in der Nähe des Lagers sind meist rar und hart umkämpft ;-).

Während am Anfang jeder seine eigene Schüssel bekam, aßen wir mittlerweile aus einem einzigen Napf. Das hat seine Vorteile, denn man muss nicht aufessen, wenn man satt ist. Bei der Suppe ist es aber unpraktisch. Bei dem langen Weg bis zum Mund geht einiges daneben. An diesem Tag wurde ein neuer Rekord aufgestellt, dank Samira war die Suppenschüssel total leer.

Als Ersatz für die Singrunden wurde nun immer öfter im Dunkeln Domino gespielt. Mir war das ja zu anstrengend und ich versuchte mich vom Spielen zu drücken. Bislang gelang mir das auch gut, ich nahm dafür auch den Job als Taschenlampenhalter in Kauf.

Da wir diesen herrlichen Flecken im Tassili noch näher erkunden wollten, zogen wir am nächsten Tag erst nach der langen Mittagspause weiter. Wieder waren einige schwierige Felsstücke dabei, an denen sich Eckelbau, wer hätte das gedacht, als wagemutig erwies und in Nullkommanichts herunter sprang, während Samiras Schlitzohr sich als großer Angsthase entpuppte.

Über Schlafplatzwahl, Polizisten und ... Schlangenalarm

Wegen der Schlangen hatte ich mir abends eine Stelle mitten im Wadi ausgesucht. Cheikh meinte schon, in der Nacht würde mich mein Aurar dort auffressen. Ich protestierte natürlich, mein Aurar macht so was doch nicht. Als ich später zu meinem Schlafsack wollte, fand ich meine Taschen von Kamelen umzingelt. So richtig geheuer war es mir nun nicht mehr, dort wollte ich nicht bleiben. Zwar fallen die Kamele nicht über einen her, aber immer diese riesigen Gestalten um einen herum und dann noch diese Kaugeräusche! Ich schnappte also mein Zeug und übernachtete in der Nähe des Feuers.

Am folgenden Tag kamen wir schon wieder an einem Brunnen vorbei und hätten Gelegenheit zum Waschen gehabt. Mittags in der Gluthitze konnte sich aber niemand dazu aufraffen und so hielten wir lieber ein Nickerchen inmitten von "Kacka Eselen" oder befragten unser Orakel.

Als wir am Nachmittag zum zweiten Teil der Strecke aufbrachen, trauten wir unseren Augen kaum: Unser Polizist bestieg eines der Kamele. Wir hatten ihn schon immer damit aufgezogen und er sagte meist auch "Ja, morgen". Wenn es dann soweit war, wollte er aber nichts mehr davon wissen. Mittlerweile glaubten wir nicht mehr daran. Nun stellte er sich aber gar nicht so blöd an und nach kurzer Zeit konnte er das Tier auch selbst lenken.

Der Tag sollte aber auch noch in anderer Hinsicht denkwürdig werden. Nach Einbruch der Dunkelheit, als wir alle zum Abendessen eintrudelten, gab es plötzlich große Aufregung: Mariam wurde von einer Schlange angefaucht. Moussa stand ganz in der Nähe und das Tier wurde sofort gezweiteilt.
Umgehend waren wir sensibilisiert und die Parole "festes Schuhwerk", also Wanderschuhe, wurde herausgegeben, da die Viecher ca. 5 cm über dem Erdboden zubeißen.
In der Nacht entwickelte dann jeder seine eigene Methode der Schlangenabwehr, der Großteil schlief im Zelt, wohl am sichersten, Mariam legte ein Seil weiträumig um ihren Schlafplatz und Samira, die Mutigste, ließ sich nicht beeindrucken und legte sich auf einen Dünenkamm. Alle blieben unbehelligt in ihrem Schlafsack, aber am nächsten Morgen wurden neben Samira Spuren identifiziert und auch auf dem Weg zu Azahra querte man eine Spur.
Aber bevor die Nachtruhe anbrach, hatten wir noch einen sehr schönen Abend am Feuer. Bei diversen Aktionen taute sogar unser Polizist auf und spielte mit Cheikh das Entfesselungsspiel - allerdings ohne Erfolg!

Domino und Reiten in den Sonnenuntergang

Die Schlangen waren zwar weiterhin allgegenwärtig, aber sie versetzten uns bis zum Schluss nicht mehr in Aufruhr. Dafür tatzte mich am 12. Tag der Reise Moufta in der Mittagspause beim Dominospielen.
Er kam mit dem Versorgungsauto vorbeigefahren und brachte Nachschub an Cola, Gemüse und anderen Dingen. Da er ein passionierter Dominospieler ist, schnappte er sich Housseini und verkündete, er wölle jetzt alle Touristen besiegen.
Ich hielt mich abseits des Geschehens, das nützte mir aber nichts. Nach zwei Runden kam Moufta mit der Teekiste (Spieltischchen) und ließ sie vor meinen Füßen fallen. So schnell konnte ich gar nicht Nein sagen wie ich die Dominosteine in der Hand hatte. Für mein erstes Spiel und mit Aishas Assistenz habe ich mich mit Mariam gar nicht so schlecht geschlagen und wir verloren nicht haushoch.
Das war wohl das erste Mal bei Azahras sieben Reisen, dass jeder Tourist Domino spielte.

Abends gab es die betrübliche Nachricht, dass Cheikh uns mit Moufta verlassen sollte, weil er am Ende der Kameltour eines der Autos zu uns bringen musste. Wir waren alle ganz traurig.
Am nächsten Tag haben wir in einer Ansiedlung in der Nähe eines Brunnens Pause gemacht. Der Weg dahin sollte eigentlich nicht so weit sein, aber es wurde ein Mammutmarsch. Irgendwie vertat sich Moussa seit zwei Tagen mit seinen Zeitangaben.

Mittlerweile sind auch die Indinen, unser Endziel, als immer größer werdende steinerne Silhoulette in Sicht und wir werden die nächsten Tage im Zickzack auf sie zu laufen. Das erinnerte irgendwie ein wenig an Algerien und den tagelangen Ritt um den Agelalla. Unsere Touareg hatten sich köstlich über unseren Bericht amüsiert, nun veranstalteten sie ein ähnliches Spektakel.

Richtung Indinen Sunset Sunset

Die letzen Kameltage verliefen relativ ruhig. Zweimal hatte ich die Gelegenheit, erst zum Sonnenuntergang mit den Kamelen im Lager einzureiten. Die Hälfte von uns Touristen hatte sich bereits vom Auto einsammeln lassen. Es war aber herrlich bei der abendlichen Beleuchtung zu reiten, wo die Farben besonders intensiv sind und die Hitze auch nicht mehr so groß ist. Schade, dass wir das nicht schon früher gemacht hatten.

Mäusejagd und Kamelabschied

Die Falle wird aufgebaut ... lauern ... Die Falle hat zugeschnappt

Eines Abends veranstalteten unsere Begleiter Ali, Housseini und Moussa eine Mäusejagd. Das war zum Schießen! Mit welcher Akribie die Falle, bestehend aus einer Schüssel und einem Stock als Stütze, an dem ein Seil befestigt war, immer und immer wieder aufgebaut wurde! Dann lagen alle gespannt auf der Lauer.
Die Maus zeigte sich sogar, bevor die Falle aber zuschnappen konnte, war sie wieder entwischt. Nach einer Weile wurde sie aber dennoch gefangen. Ganz starr und verängstigt saß sie auf Azahras Hand und tat einen Angstschiss. Wir haben sie nicht geröstet, sondern wieder laufen lassen.

Viel zu schnell kam das Ende des Kamelreitens. Und die Tiere haben sich mit einem Paukenschlag verabschiedet: Aus unserem letzten gemeinsamen Lager sind sie nämlich ausgebüchst und zu einer 5 km entfernten Wasserstelle gedüst.
Erstaunlich, wie weit die in so kurzer Zeit und trotz Fußfesseln gekommen sind. Unsere Fahrt ins nahe gelegene Hamam (die heißen Quellen) zog sich deshalb hin, denn wir mussten die Tiere suchen. Mit einer furzeligen Taschenlampe sind wir Ewigkeiten im Gelände im Kreis gefahren. Ich konnte in der Dunkelheit nichts erkennen, aber Ali fand immer wieder Spuren. Nach einer Weile gaben wir auf und überließen Ali und Moufta die Suche.
Zum Glück hatten sie die zündende Idee und nachts waren die Kamele wieder vollzählig und wir konnten uns am nächsten Morgen gebührend verabschieden.

Das Awiss, Felsgravuren und ein kleiner Zoo

In den verbleibenden Urlaubstagen waren wir mit zwei Autos unterwegs und ich konnte sogar das Awiss, ein wunderbares Gebiet im Akakus und Namensgeber für Moussas Agentur, kennen lernen.

Tin Ilubbu Tin Ilubbu Tin Ilubbu Tin Ilubbu - Hornvieh Tin Ilubbu - Mann mit Eselskopf Tin Ilubbu - Elefant

Hauptziel waren aber Felsgravuren im Gebiet Tin Ilubbu, die Moussa erst vor einiger Zeit entdeckt hatte und uns nun unbedingt zeigen wollte. Der beschwerliche Anfahrtsweg hatte sich gelohnt: Gut erhaltene Elefanten, Giraffen, Büffel und vieles mehr waren zu sehen.

Klippschliefer Nun ging es rapide dem Ende des Urlaubs entgegen. Die letzte Nacht mit unseren Touareg verbrachten wir auf einem neuen Campingplatz bei Sebha. Den zu finden war gar nicht so einfach. Er war nicht ausgeschildert und so landeten wir zunächst in einigen Sackgassen. Dafür waren wir dann überwältigt von dem unerwarteten Luxus: Wir nächtigten in runden Hütten, die Duschen funktionierten, es gab Schauvitrinen mit Steinen der Gegend und einen kleinen Zoo. So langsam konnten wir uns wieder auf die Zivilisation einstellen.

Am nächsten Morgen wurden wir auch schon von einem Minibus abgeholt. Es hatten sich doch keine Wunder mehr ereignet und wir konnten froh sein, dass wir kein Flugticket ergattert hatten, die Flüge wurden nämlich abgesagt und einige Touristengruppen standen dumm am Flughafen rum. So schlimm war dann die Autofahrt auch nicht, nach 8 Stunden waren wir schon in Tripoli.
Abends sind wir in ein Restaurant zum Essen gefahren, aber irgendwie schmeckte es uns dort nicht. Wir waren von Housseinis Speisen sehr verwöhnt.

Ein letzter Tag in Tripoli

Der letzte Urlaubstag zog sich etwas in die Länge. Gleich früh sind wir alle ins Museum, aber da war mehr geschlossen als offen. Nach einer halben Stunde waren wir durch und Azahra konnte wieder nicht in die Touaregausstellung. Seit Jahren versucht sie es nun schon.

Es schloss sich ein Stadtbummel in Zweiergrüppchen an. Leider war aber Ramadan und man konnte sich nicht ins Café setzen und Leute beobachten oder etwas essen. Als dann auch noch das typische Tripoliwetter - nämlich Regen - einsetzte, verzogen wir uns zurück ins Hotel, packten, trafen uns zum Cappuccino trinken und später zum Abendessen.
Bei weiteren Cappuccinos vertrieben wir uns die Zeit, bis wir endlich 1.00 Uhr in der Nacht zum Flughafen gefahren wurden. Gegen 4.00 Uhr ging der Flieger zurück in die Heimat.

Die Reise war sehr ereignisreich und aufregend. All das Getier, die Hitze und am Anfang die Regenwolken.
Die meisten würden wohl nicht wieder so zeitig im Jahr in die Wüste fahren, für mich würde ich es nicht ausschließen. Klar, im Dezember ist es ruhiger, aber die Erlebnisse dieser Reise möchte ich nicht missen.

Kleine Ergänzung von Aisha:
Als wir in Aramnudaden angekommen sind, wollten Moussa und Ali eine kurze Versorgungsfahrt nach Al Aweinat unternehmen. Sie fragten, ob jemand mitkommen will. Und Aisha hat den Verlockungen der Stadt nachgegeben und "Ja, ich!" gesagt. Was daraus geworden ist? Lest es nach in ihrem Bericht vom Ausfall des TPS.


Das war der Reisebericht von Anne. Und, Lust auf eine eigene Reise?
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