Reisebericht Libyen 2003/2004

Meine achte Reise nach Libyen vom 17.12.2003 - 07.01.2004




Inhalt:

Organisation und Teilnehmer
1. Etappe: Rucki-Zucki von Dtld. über Tripoli in den Akakus
  • mit "Carolas drei Unglücken"
    2. Etappe: Kameltage im Akakus
  • mit "Norberts Schlafplatzsuche"
  • mit "Carolas Gedanken über Kamele, Schlafplätze und Lieder"
    3. Etappe: Ghat mit Tuaregfest und Silvesterfeier
    4. Etappe: Über Stock und Stein durchs Tassili
  • mit "Gabis neuer beruflicher Perspektive"
    5. Etappe: Erg Ubari und Mandara-Seen
    6. Etappe: Tripoli und Schluss

    Lust auf eine eigene Reise?



  • Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

    Ich hatte diese 3-Wochen-Tour eigentlich für 7 Personen organisiert, doch durch diverse Krankheitsfälle geschrumpft, waren wir mal wieder eine Minigruppe von 4 Leuten, und zwar Carola, Norbert, Gabi und ich.
    In Libyen waren wir mit den Leuten von der Agentur AWISS aus Ghat unterwegs; Flüge und Einladung, Visa-Beschaffung und Ausarbeitung der Reiseroute habe ich organisiert.

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    Rucki-Zucki von Dtld. über Tripoli in den Akakus

    auf dem Weg nach Süden Wir kommen gg. 3.30 Uhr in Tripoli an. Bis dahin hatte Carola bereits einiges zu verkraften: 3 Unglücke. Nach der Begrüßung durch Ibrahim (Woudyan Afrikia) tauschen wir gleich im Flughafen etwas Geld. Dann setzen wir uns in den bestellten Minibus, der uns nach Terkiba bringen soll.
    Es ist der gleiche kleine Mercedes-Bus mit Fahrer Ahmed wie bei unserer letzten Tour, als wir von Sebha nach Tripoli fahren mussten, weil es wegen Flughafenausbaus kaum kommerzielle Flüge gab. Wir fahren gg. 4 Uhr los und sind kurz vor 14 Uhr in Terkiba.
    Dort erwarten uns schon unsere Freunde Moussa (Führer und Fahrer), Housseini (Koch) und Cheikh (Fahrer). Herzlich Willkommen! Aisha und ich sind glücklich, und Carola und Norbert sind gespannt und voller Vorfreude. Nach einem gemeinsamen Imbiss (lecker Gemüseragout) heißt es, sich von Ahmed zu verabschieden. Für uns geht's mit dem Jeep gleich weiter auf der Straße nach Westen.

    Am Nachtlager in den Dünen von Wan Kassa packe ich zum ersten Mal den "Gecko 201" aus. Das ist ein kleines gelbes GPS-Gerät, das mir Carola über die Firma, bei der sie angestellt ist, die "GPS GmbH Gräfelfing", geliehen hat.
    Ich brauche es nicht zur Orientierung oder Routenfindung. Nein, ich möchte nur endlich mal bestimmte Landmarken vermessen, die ich seit vielen Jahren kenne und in meiner 1:200.000-Karte trotzdem nicht zuverlässig genug einzeichnen kann. Vor allem im Akakus ist es ja recht schwierig, absolute Standortdifferenzen zu berechnen oder zu schätzen, weil man sich tagsüber im Zickzack oder in Schleifen bewegt. So kann man gut und gerne 20 km unterwegs gewesen sein, aber die Lagerplätze sind z.B. nur 5 km voneinander entfernt oder einfach nur auf der jeweils anderen Seite des Berges.
    Ein netter Kollege von Carola hatte mich kurz mit der Bedienung vertraut gemacht und so war ich zuversichtlich, es ohne Probleme handhaben zu können. Der "Gecko 201" ist handlich und einfach zu bedienen und hat mir im Verlauf der Reise sehr gute Dienste geleistet! Aber um nur mal ein paar Hobbymessungen zu machen, würde ich mir kein GPS-Gerät kaufen. So kam mir diese Möglichkeit gerade recht! Ich find's toll, ihn dabei zu haben.

    Kaum vorstellbar - gestern abend waren wir alle noch zu Hause, heute schon fast im Akakus! So werden die Zeiten von Kurztrips oder gar Wochenendausflügen in den Akakus nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das letzte Hemmnis ist die umständliche Einreisepraxis und da hoffen wir, wie auch alle anderen Libyenreisenden, ja fast täglich auf eine baldige und umfassende Verbesserung. Also: Genießen wir das "einsame" Reisen, solange es noch möglich ist!
    Am Abend sitzen wir ums Feuer, lassen uns Housseinis leckeres Essen schmecken und tauchen langsam ein in die Ruhe. Über uns die Sterne, unzählbar ...

    Wir fahren weiter über Al Aweinat in den Akakus und sind mittags in Illarallaran (Awiss), wo ich am Ende meiner letzten Tour im Oktober nachts von einer Maus in den kleinen Zeh gebissen wurde. Jetzt lässt sich die Maus natürlich nicht blicken; ich hoffe, sie hat sich damals gründlich die Geschmacksnerven ruiniert!
    Nachmittags kommen wir zum Treffpunkt mit Ali (unserem Kamelführer). Gabi und ich freuen uns sehr über das Wiedersehen und auf die kommenden gemeinsamen Tage. Im Oktober hatten wir alle eine turbulente Zeit mit Regen, Schlangen, Skorpionen und lähmender Hitze gemeistert. Mal sehen, welche Herausforderungen dieses Mal auf uns warten.
    Und natürlich sind die Kamele da - und mein Aurar ist auch wieder dabei! Nun schon das 5. Mal (und vielleicht das letzte?).
    Ich mache den "Postschalter" auf und überreiche die mitgebrachten Briefe sowie Fotos und andere kleine Geschenke von den Mitreisenden der letzten Touren. Alle freuen sich mächtig und ich bin froh, einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Gepäcks los zu sein!
    Nach dem Abendessen werden unseren zwei Neuen noch die obligatorischen Regionalnamen verliehen: Aus Carola wird Mabrouka, aus Norbert wird Kuggela. Natürlich bleibt Gabi Aisha und ich Azahra.
    Die erste Nacht im Akakus - da schläft es sich doch wie zu Hause!


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    Kameltage im Akakus

    Weil wir wieder das Tuaregfest in Ghat besuchen wollen, bleiben nur 8 zusammenhängende Tage für die Kameltour.
    Es sind Weihnachtsferien in Europa und deshalb ist viel los. Außerdem lockt das Fest in Ghat jede Menge Publikum an. Dass Algerien - zumindest von den deutschen Agenturen aus - für den Weihnachtsurlaub ausfällt, lässt die Besucherzahlen im Akakus weiter ansteigen.
    Moussa weiß, dass wir unter allen Umständen große Menschenansammlungen während der Kameltage meiden wollen. Wir ziehen Ruhe und Abgeschiedenheit vor, einige Begegnungen mit rücksichtslosen Rasern in der Vergangenheit reichen.
    So werden wir also die meistbefahrenen Wege und Plätze meiden und unsere Tour von Nord nach Süd auf abseits gelegenen (und zum großen Teil auch für Gabi und mich neuen) Wegen machen.

    Hier zwei weitere Berichte: Norberts Schlafplatzsuche und allerlei Gedanken von Carola.
    Cheikh verlässt uns für zwei Tage, um frisches Gemüse, Wasser und Zusatzfutter für die Kamele zu besorgen.
    Am ersten Kameltag reiten wir mit Ali über ein Hochplateau aus schwarzen Steinen (Hamada al-Aswad) und bauen unser Nachtlager zwischen Felsen und grünen Buscheln in Sichtweite des morgen zu passierenden Passes auf.

    Hamada al-Aswad mit Guelta Guelta Guelta

    Ich fahre am Vormittag mit dem Auto mit, weil es einen anstrengenden Bergmarsch geben soll und ich mein Knie schonen will. Unterwegs füllen Moussa und Housseini unsere Wasservorräte in einem riesigen Guelta auf und ein alter, abgestorbener Baum beliefert uns auch noch mit wunderbarem rotem Holz.
    Mittags finden wir die Reitergruppe nicht am verabredeten Platz. Wo sind sie? Wir fahren hin und her und können sie nicht finden. Leider ist das Hochplateau von vielen verzweigten Schluchten durchzogen, die es uns unmöglich machen, ein ins Auge gefasstes Ziel auf direktem Weg zu erreichen. Wir müssen die Schluchtenausläufer jedes Mal großräumig umfahren, aber endlich finden wir die richtigen Spuren und bald darauf unsere vier Freunde.
    Wie sich herausstellt, gibt es hier in einigen Kilometern Abstand zwei Plätze mit gleichem Namen. Moussa kennt den einen, Ali den anderen. So etwas ist Moussa in 15 Jahren Tourismusarbeit nicht passiert! Es ist ihm unglaublich peinlich! Na ja, neue Wege verlangen manchmal ihren Tribut - und am Ende sind wir ja wieder vereint. Also sind wir alle sehr glücklich!

    Housseini stopft schnell die hungrigen Mäuler und wir ziehen nach einer kurzen Pause nur ca. 1 km weiter, um dort unser Nachtlager aufzuschlagen. Am Lagerfeuer werden abenteuerliche Geschichten von verirrten Sahara-Expeditionen erzählt. Die meisten sind ja doch ziemlich deprimierend! Und immer wieder kommt das Desaster vom heutigen Tag zur Sprache: "Wie konnte das passieren? Was lernt man daraus?"
    Leider verletzt sich an diesem Abend Housseini an der Hand. Es war mittelschlimm und natürlich kümmern sich alle um ihn. Hatte aber auch eine gute Seite: So war das Thema "Wie sich auf einem Plateau mit vielen zerklüfteten Schluchten zwei Gruppen nicht finden können, obwohl sie einen gemeinsamen Treffpunkt ausgemacht haben, den beide Gruppen zu kennen glauben" erstmal passé.

    Das war der zweite und aufregendste Tag unserer Kameltour. Den Rest der Tage habe ich gemütlich schaukelnd auf meinem Aurar verbracht. Die größte Unannehmlichkeit war der scharfe, kalte Wind, der uns besonders auf den Plateau-Strecken sehr zu schaffen machte. War es bei unserer Reise im Oktober im Tassili Aramat für die Jahreszeit ungewöhnlich heiß gewesen, ist es nun im Akakus sehr ungemütlich.

    Und hier habe ich mal aufgeschrieben, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.

    Der Akakus ist einzigartig! Mal zeigt er sich von seiner schroffen, abweisenden Seite, dann wieder gibt er sich lieblich, verzaubert den Reisenden durch romantische Fleckchen, durch friedliche Stillleben oder Erfrischung verheißende Wasserstellen. Dornige Akazien entlocken uns so manchen Fluch, aber was wären wir ohne ihre stachligen Schatten an einem heißen Mittag?
    Vorbei an "Burgzinnen" und "Kaminen" können allerlei Tiergestalten und Menschengruppen in den bizarren Felszacken entdeckt werden. Der Akakus beflügelt unsere Phantasie. Mir wird es hier nie langweilig. Wechselnde Perspektiven und sich ändernde Lichtverhältnisse machen auch die x. Tour zu einer aufregenden Entdeckungsreise.

    Zwischendurch sehen wir uns immer wieder Felszeichnungen und -gravuren an. In wind- und regengeschützten Felsnischen (Abris) leuchten uns uralte Zeugen der Besiedelung durch Jäger und Sammler, Hirten und Bauern entgegen. Bis zu zehntausend Jahre alt können die Bilder von Jagden, Festen oder dem täglichem Leben sein. Mit ein bisschen Phantasie entstehen in unseren Köpfen Bilder von saftigen Wiesen und Weiden, genau hier, wo der Boden kaum Regen kennt.

    Meist sind Felsgravuren die ersten Zeugnisse von Besiedelung. Sie stellen oft spirituelle Zeremonien, Fantasiewesen (Schutzgeister?) und Fruchtbarkeitszauber dar oder Tiere, die von unseren Vorfahren gejagt wurden.
    Jetzt bieten die weiten Flächen inmitten der schroffen Felsen nur noch genügend Futter für einige Dutzend weidende Tiere, vor allem Ziegen und die eine oder andere kleine Kamelgruppe. Sie scheinen herrenlos zu sein, aber oft kommt dann doch ein kleiner Hirte zum Vorschein, der froh über ein bisschen Abwechslung ist und hofft, neben den letzten Neuigkeiten "aus der Welt" das eine oder andere kleine Geschenk mit heim nehmen zu können.

    Ali Mabrouka Kugella mit Ali links: Aurar

    Unser Kuggela sitzt im Sattel wie reingeboren, als hätte er noch nie was anderes gemacht. Anerkennende Blicke unserer Tuareg-Freunde!
    Mabrouka hat es leider nicht so gut getroffen. Ihr bereits vorbelasteter Rücken protestiert gegen die ungewohnte Betätigung und gibt auch nach einigen Tagen keine Ruhe. So gibt Mabrouka das Reiten auf und wandert mit ihrem Kamel oder fährt im Auto bei Cheikh mit.
    Aber auch Aisha reitet so wenig wie noch nie. Ihr ist es oben auf dem Kamel einfach viel zu kalt. Oft bläst ein solch kräftiger, kalter Wind, dass wir auf den Kamelen (ca. 2,5 m über dem Boden) zittern, obwohl wir uns in mehrere Lagen Pullover und Jacken hüllen. Da hilft dann am Rastplatz nur Housseinis Suppe oder ein kräftiger heißer Tee, um die Lebensgeister wieder zu wecken!

    verlassenes Depot Auf der Suche nach einem Schlafplatz finde ich ein verlassenes Depot in einer großen Felshöhle, wahrscheinlich von Hirten angelegt. Es liegen allerlei vertrocknete oder zerbrochene Gegenstände herum oder hängen an Seilen. Die Lederbehältnisse sind mit der Zeit brüchig geworden, ein paar alte Seile modern vor sich hin. Eine zerfetzte Sandale lugt aus dem Sand. Es scheint, dass schon ein scharfer Blick genügt, um alles zu zerbröseln. Wann und warum wurden diese Sachen hier zurückgelassen? Ist der Besitzer fortgezogen oder verstorben? Vielleicht wird der Platz auch von unzufriedenen Geistern heimgesucht ...
    Trotzdem riskiere ich es, meinen Schlafplatz gleich neben der Höhle einzurichten. Bei diesem kalten Wind lasse ich mir dieses kuschelige, windgeschützte Plätzchen nicht entgehen! Und die Geister schickten Boten - in Form von frechen Mäusen, deren Spuren rund um meinen Schlafsack ich am nächsten Morgen sah. Gott sei Dank war es so kalt (man kann eben allem eine gute Seite abgewinnen), dass ich meine Füße nicht aus dem Schlafsack gucken ließ. So blieb mir erspart, was knapp 7 Wochen zuvor nur ein paar Kilometer entfernt geschah ... Diese Mäuse sind ja sowas von frech!

    Immer wieder vermesse ich unsere Rast- und Schlafplätze sowie einige markante Wegpunkte oder Felszeichnungen mit dem kleinen GPS-Gerät. Am Ende der Tour werde ich alle Punkte in meine Karte eintragen. Auf diesen Zick-Zack bin ich gespannt! Die neue Tour ist sehr abwechslungsreich und schön, aber weil wir eben viele der sonst besuchten Plätze dieses Mal nicht erreichen, kann ich die Position einiger meiner Lieblingsplätze oder bekannter Felsgravuren/-zeichnungen leider nicht ermitteln. Schade!

    Es ist Heilig Abend. Zum besonderen Anlass gibt es wie immer besonderes Gebäck: "Besoffene Bauern", von Aishas Mama gebacken (ein minimaler Rumanteil verleiht diesen kleinen Köstlichkeiten ihren Namen), und andere Süßigkeiten aus deutschen Supermarktregalen, wie Marzipanbrote und diverse Schokoladen. Ein kleiner Kerzen-Weihnachtsbaum zaubert weihnachtliche Stimmung am Feuer und die Temperaturen sind - zumindest gefühlt - wie in Deutschland.
    Mabrouka "findet" mit Moussas Hilfe eine Super-Wahnsinns-Höhle gleich oberhalb des Lagerplatzes. Alle schauen neidisch zu, wie sie es sich gemütlich macht - es ist der Traum einer Schlafhöhle! Stille Nacht.

    Am ersten Weihnachtsfeiertag wird eine Ziege gekauft und geschlachtet. Wir machen ein herrliches BBQ. Besser kann ein Weihnachtsbraten gar nicht schmecken!
    Am nächsten Morgen kauft Moussa von der gleichen Ziegenhirtin ein Mufflon-Junges. Ihre Kinder haben es gefunden. Wahrscheinlich kam die Mufflon-Mutter Jägern vor die Flinte. Das ist illegal, aber natürlich hat keiner was gesehen!
    Es bekommt - kurze Diskussion - den Namen Abdallah und wird uns bis Ghat begleiten, wo es auf dem Campingplatz der Agentur Awiss ein neues Zuhause bekommt. Dort wird Abdallah den beiden jungen Gazellen Gesellschaft leisten, die Moussa bereits vor einigen Jahren aufgelesen und aufgepäppelt hat.

    In der Mittagpause zeigt Mabrouka Courage: Sie probiert allen Ernstes die graugrüne Masse aus Innereien und anderen undefinierbaren Bestandteilen der Weihnachtsziege, die unsere Tuareg in einem separaten Töpfchen zubereiten. Für sie zweifellos eine Delikatesse, aber für unsere Geschmacksnerven seeehr gewöhnungsbedürftig! Außerdem riecht es auch nicht wirklich appetitlich. Mabrouka jedenfalls bleibt ihrer Maxime treu, alles mal auszuprobieren. "Guten Appetit!" Es bleibt bei einem kleinen Probehappen. Allein der Anstand gebietet es, jetzt kein Foto von Mabrouka zu machen. Man sieht ganz deutlich, dass es nicht gemundet hat! Ich bin sehr beeindruckt von soviel Entschlossenheit. Mich würgt es allein beim Gedanken daran; essen könnte ich es nie.

    In der Nacht zum letzten Kameltag ist frühmorgens alles voller Rauhreif: Die Schlafsäcke, das Gepäck und die Autos liegen unter einer dünnen Eisschicht. Und auch das Wasser in den Flaschen und anderen Behältern ist gefroren. Für den Akakus ganz schön kalt! Vor allem der Rauhreif überrascht uns. Hier ist es doch sehr trocken im Gegensatz zum Erg Ubari in der Nähe der Seen, wo es im Winter regelmäßig zu Raureif und Vereisung kommt.

    Der letzte Kameltag verlangt von Kuggela und mir noch mal alles. Ein langer Ritt durch eine phantastisch schöne Landschaft führt uns mittags zur großen "Eingangsdüne" ganz im Süden. Nach dem Mittag wieder ein langer, schneller Ritt, bei dem ich unterwegs meine kleine Kamera verliere (was ich aber erst am nächsten Morgen bemerke).
    Unser letzter Kamel-Nachtplatz liegt hinter einer großen Düne am Westrand des Akakus auf einem buschigen Areal mit bröckeligen Felsüberdachungen. Der Schiefer ist ziemlich instabil, und so fallen die recht einladend wirkenden "überdachten" Sandinseln als mögliche Schlafstätten aus. Jedes Geräusch löst Brocken von Murmel- bis Kopfgröße aus dem Gefüge. Rette sich, wer kann!
    Leider stehen nun nicht mehr so viele annehmbare Kuhlen zur Disposition - und es weht immer noch ein kräftiger, kalter Wind. Aber dann findet doch jeder einen Schlafplatz, allerdings hat Kugella den besten gefunden: eine von drei Seiten windgeschützte, weiche Sandkuhle ohne Einsturzgefahr. Glückwunsch!
    Unser Abschied von Ali und den Kamelen morgen früh wird nicht so schlimm werden, da wir alle bereits nach einem Tag wiedersehen werden. Gut zu wissen ... So wird der Abend lustig und vergeht ohne allzu viel Wehmut.


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    Ghat mit Tuaregfest und Silvesterfeier

    Vormittags sind wir auf der Suche nach meiner Zweitkamera: Wann habe ich sie das letzte Mal benutzt? Ich glaube, dass es gestern Mittag an der "Eingangsdüne" war, sicher bin ich aber nicht. Also fahren wir so gut es eben geht die Strecke ab, die Kuggela, Ali und ich gestern geritten sind. Schließlich findet Moussa die Kamera aus dem fahrenden Auto heraus. Sie muss wohl beim Traben herausgefallen sein, denn da werden Gepäck und Reiter ganz schön durchgeschüttelt.
    Endlich können wir unsere Reise fortsetzen.
    Ankunft in Ghat nach nur relativ kurzer Zeit dank dem neugebauten Straßenabschnitt. Auf dem Campingplatz beziehen wir nach der Begrüßung durch Moussas Eltern sowie allen anderen anwesenden Familienmitgliedern unsere Hütten, duschen, ruhen aus. Abends sitzen wir ums halbe Ölfass am Feuer, auch in Ghat ist es kalt.
    Der ganz Ort ist im Festivalfieber, von überall hört man die Geräusche eifriger letzter Vorbereitungen und die vielen bunten Lämpchen hüllen Ghat in ein geheimnisvolles Licht. Einschlafen fällt schwer: Enten schnattern, Hunde bellen und weit vor dem Morgengrauen halten es einige Hähne für angemessen, ihre Anwesenheit kundzutun.

    Festauftakt Festauftakt Kugella und Moussa beim Fest Festauftakt Festauftakt

    Nun beginnen die faulen Tage. Tagsüber wird rumgefahren, besichtigt und besucht. Am ersten Nachmittag findet die Tuareg-Festival-Eröffnungsveranstaltung in Ghat mit vielen Gästen und hunderten Beteiligten statt. Zwei von Moussas Schwestern sowie seine Frau begleiten uns, festlich herausgeputzt.
    Das ist nun schon das dritte Fest, das ich besuche, aber so groß und "wichtig" war es noch nie: Botschafter aus vielen Ländern und jede Menge Minister geben Ghat die Ehre eines Besuchs. Und die Teilnehmer des Festumzugs sind ebenfalls international, sie kommen u.a. aus dem Sudan, aus Nigeria, aus Niger; mehr als ein Dutzend Länder haben Vertreter zum Festival geschickt.
    Am Abend dann die erste Veranstaltung: ein Mix aus Konzert und traditionellen Tänzen. Es ist saukalt! Wir treffen Abdelkader Touhami, den Inhaber des deutschen Reiseveranstalters "Desert Reisen". Mit seiner Agentur waren Aisha und ich sowie zwei weitere ehemalige Libyen-Mitreisende im Oktober/November 2002 in Algerien unterwegs. Er und seine Reisegruppe sind gerade erst angekommen und besuchen das Fest zum Reiseauftakt. Wir freuen uns sehr über das unverhoffte Wiedersehen und haben jede Menge Neuigkeiten auszutauschen.

    vor dem Start Die Sieger traditionelle Musik traditionelle Musik Besucher

    Dann der Tag des Kamelrennens und der Tende. Dem Sieger winkt dieses Jahr ein wirklicher Hauptpreis: Ein japanischer "Stadtwagen" (Limousine). Da ist jeder hoch motiviert!
    Unser Freund Isa kommt wieder im Mittelfeld an, El-Hedi (der uns auf den ersten Touren begleitet hat, der ein leidenschaftlicher Sänger ist und in den letzten Jahren oft Dritter wurde) leider gar nicht, das Zaumzeug ist gerissen. So ein Pech, und für mindestens ein Jahr (bis zum nächsten Rennen) mitleidige oder spöttische Bemerkungen aus dem Freundeskreis.
    Abends werden auch wir herausgeputzt und im Auto zum Fest in Fejwat gefahren. Wir haben zwar jede Menge Spaß und beobachten die männliche und weibliche Jugend beim Balzen, vom eigentlichen Fest sehen wir allerdings nicht viel, da mit Beginn der Veranstaltung alle wie wild durcheinanderlaufen oder auf die Stühle steigen, um ihrerseits eine bessere Sicht zu haben. Zumindest die Musik hören wir.

    Wir entscheiden uns spontan, auch den Silvestertag und die Silvesternacht in Ghat zu verbringen. Wir decken uns im "Supermarket" mit einigen Dosen alkoholfreiem Bier, Säften und Kartoffelchips für unsere Party in der Campingplatzküche ein.
    Zum Abendessen gibt es endlich unsere mitgebrachte "Mousse au Chocolate" aus dem Expeditionsladen. Eigentlich war sie für Weihnachten vorgesehen, aber wir hatten so viele "Guttis" mit, dass wir es immer wieder aufgeschoben haben.

    Im >>Supermarket<< Silvester Silvester Silvester Silvester

    Dann startet unsere Silvesterparty mit Fatma, Mabrouka #1, Safia, Mohamed, Hamuda, Ahmed und Moussa, Housseini, Kuggela, Mabrouka #2, Aisha und mir in der Campingplatzküche. Wir singen und tanzen zur Musik aus dem Kassettenrecorder, haben viel Spaß und schießen jede Menge unmöglicher Fotos. Wenn man's nicht besser wüsste ... (aber es gab wirklich nur alkoholfreies Bier!).


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    Über Stock und Stein durchs Tassili

    Neujahrstag. Ab geht's ins Tassili - rumpel, ruckel, zuckel. Der junge Mohamed ist unser zweiter Fahrer und ab jetzt begleitet uns auch Moussas Frau. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren, erst nur telefonisch und von Fotos. Seit 2002 auch persönlich, als Aisha und ich sie in Djanet besucht hatten.
    Es ist ihre erste Reise dieser Art und wie es unsere Gepflogenheit ist, bekommt auch sie einen "Reisenamen". Auf Anregung unserer libyschen Freunde soll es ein deutscher sein. Also sitzen wir vier Touristen bei der nachmittäglichen Kaffeerunde und diskutieren ein paar Möglichkeiten. Namen von bereits mitgereisten Frauen sind tabu und schön soll er auch noch sein - wie seine neue Trägerin. Na ja, Geschmack und Vorlieben sind verschieden, schließlich einigen wir uns auf Katharina.
    Wir fahren ins "Wadi Eselen" und weiter nach Maridat.

    Gabi ist euphorisch! Vielleicht ergibt sich für sie eine neue berufliche Perspektive?

    Hier ist es ungewöhnlich voll (das Fest ist vorbei und irgendwohin müssen ja die vielen Besucher gefahren sein), aber Moussa findet noch einen einsamen schönen Flecken. Ich finde einen super Schlafplatz in einer Art sandgefülltem Abri.

    "Katharina" hat ihre erste Nacht in einem Zelt gut überstanden. Sie ist immer noch ganz aufgeregt von den vielen neuen Eindrücken und sucht bereits im Morgengrauen alle unsere Schlafplätze auf, um zu sehen, welche Varianten von Schlafstätten es noch so gibt.

    Maridat Maridat Inischischett Inischischett Aramnudaden Aramnudaden

    Maridat: Wer es kennt, weiß, wie atemberaubend diese Landschaft ist. Vormittags machen wir einen kleinen Spaziergang durch das Felsenlabyrinth. Zackig oder rund, hochaufragend oder gedrungen stehen die schwarzen Felsen inmitten goldgelber Sandfelder. In ihrem Windschatten werden kleine, weiche Dünen angeweht, die zum Runterrollen einladen und himmlische Schlafnischen bieten.
    Dann gehts weiter nach Inischischett und am nächsten Tag über Al Manader nach Aramnudaden, der "Stadt der Mufflons". Wir sehen mal wieder keins, nicht mal eine Fährte oder Kackkack. Unterwegs besichtigen wir ein weiteres Mal die großen Kuh-Höhlen (große Rindergravuren).
    Abends dreht der Wind wohl hundertmal und es ist überaus schwierig, einen windgeschützten Schlafplatz zu finden. So gut es geht, sucht sich jeder was, und am Ende kommt der Wind doch aus der falschen Richtung!


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    Erg Ubari und Mandara-Seen

    Langsam geht unsere Reise ihrem Ende entgegen, und was fehlt da noch? Natürlich ein riesiger Stachel, den ich mir frühmorgens auf dem Weg zum Lager in meinen großen Zeh eintrete.
    Über die Landstraße geht es nun in den Erg Ubari. Unterwegs wird noch ordentlich getankt und die Vorräte werden aufgefüllt.

    Umm al-Ma'a Wir finden einen schönen Lagerplatz oberhalb des Mandara-Sees und dieses Mal gibt es wirklich keine Mücken!
    Am nächsten Tag fahren wir über viele magenkitzelnde Dünen zum Umm el Ma'a, dem schönsten der Seen.
    Wir sind nicht die einzige Gruppe, die am wunderschönen See ihre Mittagspause einlegt, und die einheimischen Souvenirverkäufer sind schnell bei der Stelle. Und was soll ich sagen: Jahreswechsel, Umm el Ma'a, Mittagspause, ... und wieder ein paar rücksichtslose Motorradfahrer mit 'nem A bzw. I an der Karosse. Ja, ja, jedem Tierchen sein Pläsierchen, aber muss man um rastende Gruppen in einem Affentempo und mit Mordslärm drumrumdüsen? Gibt es die Sitte der MittagsPAUSE nicht auch in Österreich und Italien? Aber es waren wohl auch vernünftige Mitreisende dabei oder vielleicht waren sie einfach nur hungrig, jedenfalls gab sich der Krach nach einer guten Viertelstunde.
    Kuggela und ich tragen die gesammelten GPS-Werte in meine Akakus-Karte ein. Wie erwartet, ergibt sich eine ordentliche Zick-Zack-Kurve mit eindeutiger Nord-Süd-Ausrichtung.
    Bei den Schmuckhändlern lassen wir noch den einen oder anderen Dinar und sagen für dieses Jahr "Auf Wiedersehen!".
    Am Nachtlager findet nun eine ebenso vielgehasste wie unumgängliche Aktion statt: das Gepäckumpacken. Was bleibt da? (Seit mehreren Jahren packen Aisha und ich diverse Ausrüstungsgegenstände in zwei Seesäcke, die bis zu unserer nächsten Reise in Ghat deponiert werden.) Und was kommt mit nach Hause und vor allem, wo wird es verstaut: kleine Tasche, große Tasche, Tagesrucksack? Im Verlauf der Reise habe ich mein Gepäck wie immer auf tausend kleinere Packen verteilt.

    Erg Ubari: unser letzter gemeinsamer Abend Am Abend kommt bereits Ahmed, unser Fahrer nach Tripoli. Wir essen gemeinsam und er will wissen, was alles auf unserer Reise passiert ist. Gab es etwa wieder Schlangen? Nein, Allah sei Dank, dieses Mal sind wir von gefährlichen Tieren verschont geblieben!
    Kugella, Housseini, Mohamed, Aisha und ich spielen bis weit in die Nacht hinein Domino. Die letzte Nacht - am Feuer.

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    Tripoli und Schluss

    Der Rest ist schnell erzählt. Die Verabschiedung am nächsten Morgen geht wie immer schnell. Mancher ist froh, dass er seine Tränen so lange zurückhalten kann, bis alles vorbei ist. Vielen Dank für diese wunderbare Reise! Bleibt gesund und auf ein baldiges Wiedersehen!
    Im Minibus geht es mit Fahrer Ahmed zurück nach Tripoli. Nach 10 Stunden (inkl. einer Stunde Mittagsrast plus diversen kleinen Päuschen) kommen wir pünktlich zum Abendessen im Hotel an. Dort treffen wir überraschenderweise auch unseren Freund Abdelkader von "Desert Reisen" und seine Gruppe wieder. Die Welt ist sooo klein!

    Modisches Tripoli Grüner Platz In der Altstadt Im Souk Im Souk In der Altstadt

    Am definitv letzten Tag machen wir einen Soukbummel, bevor wir nachmittags zur Besichtigung nach Leptis Magna fahren. Zum Abendessen gehen wir in ein sehr gutes libanesisches Restaurant und verbringen dann die restlichen Stunden bis zum Flughafentransfer in der Hotel-Cafeteria. Gegen 1 Uhr Abfahrt zum Flughafen, wo gg. 4.30 Uhr - fast pünktlich - unsere Maschine abhebt.


    Meine achte Libyen-Reise, wie immer außergewöhnlich, aufregend, schön, erholsam, interessant, lustig. Zusammen mit fröhlichen, ausgeglichenen und unternehmungslustigen Mitreisenden unterwegs zu sein ist wohl eines der größten Geschenke, die einem auf einer solchen Reise gemacht werden. Das Highlight dieser Reise war für mich unbestritten unsere verrückte Silvesterfeier in der kleinen Campingplatzküche. Ich bin ja gespannt, was bei der nächsten Reise kommt! Habe jetzt schon wieder Lust ...


    Lust auf eine eigene Reise?

    Wer Lust hat, mal auf eine 3- oder 4-Wochentour mitzukommen oder mit Freunden eine eigene kleine Gruppe für 2, 3 oder 4 Wochen zu bilden, sollte
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