Reisebericht Libyen 2000/2001

Meine vierte Reise nach Libyen vom 28.12.2000 - 23.01.2001

Inhalt:

Organisation und Teilnehmer
1. Etappe: Angekommen! Der Weg nach Sebha
2. Etappe: Schnell, schnell nach Ghat - Disco und Tuareg-Fest
3. Etappe: Tassili
4. Etappe: 8 1/2 Kamel-Tage im Akakus
5. Etappe: Wan Kassa, Erg Murzuk und Wadi Mathendous
6. Etappe: Sebha ... und Hochzeit in Ghat und nochmal Sebha

Lust auf eine eigene Reise?



Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

Unsere 3- bzw. 4-Wochen-Tour begann in München und führte über Djerba (Flug) nach Sebha, Ghat und in den Akakus, danach ins Wadi Mathendous.
Die Tour dauerte offiziell drei Wochen, dann flogen zwei von uns wieder nach Hause. Aisha und ich waren insgesamt gute sechs Wochen unterwegs. Wir blieben noch eine Woche in Ghat und fuhren danach weiter in den Niger, um in Agadez nach unseren Parmed-Projekten zu sehen und einige organisatorische Dinge in Angriff zu nehmen.
Aber das ist eine ganz andere Reise ...

Innerhalb Libyens sind wir wieder mit den Leuten von der Agentur AWISS aus Ghat gefahren, die ich bei meiner ersten Tour 1997 kennen- und schätzengelernt habe.
Die Organisation in Deutschland hatte ich übernommen (Flüge, Visa, Infos, Übernachtung auf Djerba, Kontakte).

Krankheitsbedingt waren wir dieses Mal nur 4 Leute. Das hat sich leider erst einige Tage vor Abflug so ergeben, so dass drei Leute mit Visum und Flugticket im schmutzig grauen Dezember bleiben mussten, während wir der Sonne entgegen flogen. Mit dabei waren Mariam, die schon auf meiner ersten Reise nach Libyen dabei war, Fatin, Aisha und ich (Azahra).


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Ankommen! Der Weg nach Sebha

Da wir früh von München losgeflogen sind, kommen wir in Djerba noch vor Mittag an und fahren gleich los Richtung Tripoli.
Unsere Fahrer heißen Salah und Moukhtar, wir kennen sie von einer der vorigen Reisen. Die Fahrt vergeht wie immer relativ schnell.
Beim Dinare tauschen keine große Überraschung: wer die Infos von Libyenreisenden z.B. im Sahara Info (http://www.sinfo.ch) kennt, weiß, dass der Dinar enorm angezogen hat. Haben wir vor 4 Jahren noch gut 200 Dinar pro 100 DM bekommen, sind es heute nur noch zwischen 70 und 80 Dinar, je nach Tageskurs. Unser Tageskurs betrug 100:74 ....
An der Grenze selbst war fast nichts los, wir waren sehr schnell drüben.
Leider trafen wir etliche andere Reisenden, die nicht so viel Glück hatten: das leidige Einladungsproblem... Einer Gruppe konnten wir mit der Vermittlung einer libyschen Agentur in Tripoli weiterhelfen, zwei anderen Reisenden durch eine freundliche Diskussion mit den Grenzbeamten. Beide haben wir während unserer Reise tief im Süden wiedergetroffen.

In Tripoli haben wir sozusagen vor den Toren der Stadt in einem neu erbauten Touristenkomplex übernachtet - sehr groß und sehr leer. Nach einem späten Abendessen verschwinden wir in unseren Zimmern, die Nacht wird kurz, wir werden am Morgen nach Sebha fliegen. 5 Uhr 30 Abfahrt zum Flughafen, 3 Stunden später startet der Flieger. Der Flug war ziemlich unruhig, inkl. Startabbruch und Landeprobleme. Ich hatte zum ersten Mal ein wenig Flugangst, aber am Ende ist alles gut gegangen!

In Sebha werden wir von einem richtigen Empfangskomitee erwartet: Moussa, Yussef und Housseini stehen in der Halle und freuen sich wie wir auf unser Wiedersehen. Und noch eine Überraschung: bei den Autos wartet Litnein.


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Schnell, schnell nach Ghat - Disco und Tuareg-Fest

Wir müssen unsere Tourplanung ändern, da das Tuareg-Fest, das wir unbedingt sehen wollen, bereits heute begonnen hat. Aber das ist kein Problem, wir sind frei und flexibel in der Reiseplanung. Das Kamelrennen wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen!

Auf unserer Fahrt Richtung Ghat nehmen wir Emanuelle mit, eine sehr nette Französin, die seit einiger Zeit für eine Reiseagentur in Al-Aweinat arbeitet. Wir übernachten in einem kleinen Wadi kurz vor Al-Aweinat, wo wir ein klitzekleines, fast verhungertes Kätzchen finden. Wir leisten Erste Hilfe und nehmen es mit. Auf dem Campingplatz von AWISS in Ghat wird es ein neues Zuhause finden.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Ghat. Kurzer Stopp in Al-Aweinat zum Postkartenkauf, dann gehts schnell weiter. Auf dem Campingplatz erwartet uns schon Mohamed, Moussas Vater, und begrüßt uns ganz herzlich. Er kann sich auch noch gut an Mariam erinnern, die vor 4 Jahren auf unserer ersten Libyen-Tour mit war.
Das ist schon erstaunlich, jedes Jahr treffen sie über hundert neue Leute und können sich doch noch ganz genau an jedes Detail auf den einzelnen Reisen erinnern, an einen Rastplatz, ein bestimmtes Wetter, ein besonderes Essen oder ein T-Shirt. Wenn ich mich an meine erste oder zweite Reise nach Libyen erinnere, fallen mir schon noch viele Einzelheiten ein, aber längst nicht so viele wie z.B. Moussa oder Housseini. Cheikh ist ebenfalls da, er wird uns wieder auf der Kameltour begleiten. Wir freuen uns sehr!

Am späten Nachmittag fahren wir nach Barket, einem kleinen Nest nahe Ghat. Dort besuchen wir die Altstadt und ein wirklich kleines Freiluftmuseum mit z.T. uralten Gebrauchsgegenständen.
Danach besuchen wir eine entfernte Verwandte von Mohameds Familie. Sie und eine Freundin machen für uns und mit uns Musik. Danach gibt es eine Fotosession mit den in Tuareg-Gewändern steckenden Mariam und Fatin. Wir haben jede Menge Spaß!

Nun gehen wir noch zur Disco: Ein geräumiger Innenhof, dicht belagert von Männern.
Männer, Männer, Männer und dazwischen ein paar wenige Touristen. Die Band besteht aus Gitarristen, dem Leadsänger sowie einigen Backgroundsängern. Aber nichts geht ohne den Chef, er heizt die Menge an und versucht, das Chaos auf der Tanzfläche zu ordnen. Denn es dürfen immer nur 4 Leute auf den Tanzteppich, und dieser kleine Fleck ist sehr begehrt. Nach zwei Stunden verlassen wir den Schauplatz, es war sehr unterhaltsam und amüsant. Wir übernachten auf den Campingplatz.

Heute ist der Tag des großen Kamelrennens. Wir fahren zum Startplatz und folgen den Reitern in großem Abstand. Am Ziel warten hunderte von festlich herausgeputzten Frauen, Männern und Kindern auf die Reiter. Der Sieger wird frenetisch gefeiert, aber auch alle anderen werden mit Klatschen und Freudentrillern empfangen.
Danach gibt es ein Tendé: einige Frauen sitzen im Kreis auf dem Boden und die Reiter auf ihren Kamelen stürmen mit großer Geschwindigkeit heran und umrunden die Frauen. Von der Geschicklichkeit des Reiters hängt das Wohl und Wehe der Frauen ab. Gelingt es ihm nicht, im richtigen Moment abzubremsen und das Kamel in einem engen Kreis um die am Boden sitzenden Frauen zu führen, wird er für alle Zeiten belacht und in Spottliedern besungen.

Wir sind zum Abendessen bei der Familie von Moussas Bruder Mouftah eingeladen. Es schmeckt vorzüglich und danach kommt eine sehr alte Frau aus der Nachbarschaft zum Imsad-Spielen. Die Imsad ist ein einsaitiges Instrument, das nur von Frauen gespielt wird. Dazu singen sie traditionelle Lieder und Eigenkompositionen. Die begabtesten unter ihnen erlangen einen Ruf, der ihnen weit vorauseilt und sie in allen Tuareg-Lagern berühmt und als anbetungswürdige Frau begehrt macht.

Am Abend gibt es das Abschlussfest auf dem großen Platz von Ghat. Tuareg-Musik- und Tanzgruppen aus Libyen, Algerien, Mali und Niger gestalten das Programm. Alle sind festlich gekleidet, auch die vielen Zuschauer.
Der Tag geht zu Ende, ein neues Jahr beginnt: Mit eisgekühlter Coca Cola und heißem Tee begrüßen wir das neue Jahr auf dem Campingplatz.


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Tassili

Neujahr. Heute fahren wir für 2 Tage ins Tassili.
Durchs Wadi Tanezouft gelangen wir zu den heißen Quellen von Ghat. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Wir kamen zu zwei gemauerten Häuschen, in denen jeweils ein Heißwasserbecken war. Das Wasser selber ist heiß und sehr eisenhaltig, am Grund setzt sich ständig tiefroter Schlamm ab. Wir machen dort Mittagsrast, Fatin wagt ein Bad und ist begeistert.

Es geht weiter ins Tassili. Wir sehen viele Esel und etliche Gazellen, riesige steinerne Finger, die sich dem Himmel entgegenrecken, und den "Busen der Natur", zwei große, einzeln stehende, glatte Steinberge auf brettelflacher Ebene.
Nachts ist es sehr kalt. Doch Aisha und ich schlafen wie immer ohne Zelt. Alles, was uns nicht umbringt, ... usw. Also ab in die fetten Schlafsäcke.


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8 1/2 Kamel-Tage im Akakus

Zurück in Ghat duschen wir ein letztes Mal und fahren dann Richtung Akakus.
Litnein und Cheikh warten bereits mit unseren 5 Kamelen am vereinbarten Treffpunkt. Am nächsten Morgen geht's los, zuerst laufen wir ein Stück, dann endlich wird geritten!

Unsere diesjährige Kameltour dauert 8 1/2 Tage. Wie es da so zugeht, habe ich bereits in einem früheren Bericht geschrieben. Wer's nachlesen möchte: Ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour.

Moussa zeigt uns auch auf dieser Tour wieder viele neue Routen und Rastplätze, so dass es auch für uns "alte Hasen" etwas zu entdecken gibt.
Am 6. Abend - es ist der 09.01.2001 - gibt es eine Überraschung für alle: Gegen 21 Uhr verfinstert sich der Mond zusehend, wir erleben eine totale Mondfinsternis. Es ist unglaublich!! Inmitten steil aufragender Felsen verstummen alle Geräusche um uns herum. Selbst die Kamele geben keinen Laut mehr von sich. Die Gebete unserer Begleiter hallen durch die Nacht...

Nach 8 und einem halben Tag heißt es dann Abschied nehmen von den Kamelen. Wie immer ging dieser Teil der Reise viel zu schnell vorüber.
Litnein und Cheikh ziehen mit den Kamelen von dannen Richtung Ghat.


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Wan Kassa, Erg Murzuk und Wadi Mathendous

Wir fahren nun wieder mit den Jeeps. Übernachtet wird in den Dünen von Wan Kassa. Dann geht es weiter Richtung Wadi Mathendous.
Es ist sehr kalt und windig, ein paar mal sieht es sogar nach Regen aus, aber wir haben Glück. Mariams Zelt fliegt am Abend mitsamt einer vollen Tasche und dem Rucksack weg. Gott sei Dank ist unsere "Jagd nach dem Zelt vom Main" erfolgreich; nicht auszudenken, welchen Stress Mariam an der Grenze ohne Papiere hätte.

Im Wadi Mathendous sieht alles aus wie immer (kleiner Scherz), nur der Touristenmüll hat sich vervielfacht. Solche Umweltschweine sollen zu Hause bleiben und ihre Wohnung vollmüllen!


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Sebha ... und Hochzeit in Ghat und nochmal Sebha

Wir fahren nach Germa, endlich tanken und Zigaretten kaufen! Fatin und Mariam sehen sich die Ruinen von Alt-Germa an. Das war vor laaanger Zeit die Hauptstadt des Garamentenreiches, jetzt sind nur mehr ein paar Lehmmauern zu sehen. Aber interessant ist es doch, sich vorzustellen, wie das alles mal ausgesehen haben mag.

In Afejej wird geduscht. Wir übernachten in den Dünen des Erg Ubari. Es ist die letzte gemeinsame Nacht, morgen früh müssen Fatin und Mariam zum Flieger nach Sebha. Sie werden sich Tripolis ansehen und am übernächsten Tag Sabratha. Dann geht's nach Djerba in ein kleines Hotel mitten in Houmt Zouk, bevor der Flieger nach München abhebt.

Doch heute abend wird noch einmal gefeiert. Wir sitzen ums Feuer und erinnern uns an die schönen Erlebnisse in den letzten Wochen.
"Morgen nicht heimfliegen zu müssen", das ist ein Gefühl, das ich gar nicht so richtig beschreiben kann. Sonst ist dieser Platz immer mit Abschied nehmen und Traurigkeit verbunden. Jetzt ist alles ganz anders, es ist der Anfang einer neuen Reise ...

Sehr früh am Morgen fahren wir alle nach Sebha, um unsere zwei Reisegefährtinnen zum Flughafen zu bringen. Der Abschied fällt nicht leicht, aber wir werden uns in Deutschland sehr bald wieder sehen, um Erinnerungen und Fotos bzw. Dias anzusehen. Gute Reise, Mariam und Fatin!

Aisha und ich fahren am Nachmittag mit Moussa, Yussef und Housseini zurück nach Ghat. Unterwegs eine Übernachtung und dann sind wir wieder da. Wir beziehen ein Zimmer auf dem Campingplatz.
In Ghat ist Hochzeit - ein irgendwie mit Moussa Verwandter heiratet. So eine richtige Tuareg-Hochzeit dauert sieben Tage und Nächte. Es wird viel gesungen, musiziert, getanzt, Kamel geritten, gegessen und gelacht. Es war sehr schön, dabei zu sein, mal davon abgesehen, dass wir jeden Tag Dutzende neue Leute kennengelernt haben und es von Tag zu Tag schwerer wurde, die alle auseinander zu halten!

Nach einer Woche heißt es dann wirklich Abschied nehmen. Mouftah und Yussef bringen uns nach Sebha zum Flughafen, wo unser Flieger nach Niamey (Niger) startet. Wir wollen weiter nach Agadez, wo andere Freunde auf uns warten. Aber das ist eine andere Geschichte ....


Lust auf eine eigene Reise?

Wer Lust hat, mal auf eine 2- oder 3-Wochentour (oder auch länger) mitzukommen oder mit Freunden eine eigene kleine Gruppe zu bilden, sollte hier klicken.


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