Reisebericht Libyen 2001/2002

Meine fünfte Reise nach Libyen vom 17.12.2001 - 07.01.2002

Inhalt:

Organisation und Teilnehmer
1. Etappe: Von Dtld. zur kleinen Düne hinten links
2. Etappe: West-Süd-West nach Ghat
3. Etappe: Kreuz und quer im Akakus
  • mit einem Bericht, wie Kader seinen ersten Kameltag erlebte
  • mit einem Bericht aus dem Kosmetiksalon in der Wüste von Lalla
  • mit einem Gedicht von Aisha
    4. Etappe: Tuareg-Festival in Ghat und dann ins Tassili
    5. Etappe: Asphalt und Tiefsand: Auf zu den Mandara Seen
    6. Etappe: Zurück ins Schneetreiben!

    Lust auf eine eigene Reise?



  • Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

    Unsere 3-Wochen-Tour begann in München bzw. Stuttgart und führte über Djerba nach Sebha, Ghat und in den Akakus, danach ins Tassili und zu den Mandara Seen. Dieses Mal waren wir eine große Gruppe: acht Leute, davon drei "alte Hasen", machen sich auf den Weg ins Abenteuer ...
    Wie sich später - am Feuer sitzend - herausstellen wird, reise ich (Azahra) mit Brahim und Fatimata, Safia, Fatin, Lalla und ihrem Sohn Kader sowie natürlich mit Aisha (Siegfried und Mathilde, Anne, Heidrun, Uta und Sebastian, Gabi). Während Safia, Fatin und Lalla z.T. langjährige (Schul-)Freundinnen sind, wir uns gut kennen und z.T. schon früher gemeinsame Reisen nach Nordafrika gemacht haben, sind Brahim und Fatimata auf der Suche nach Reiseangeboten in die libysche Sahara auf meine Homepage gestoßen und haben sich nach der Lektüre der Reiseberichte und einem langen Telefonat entschlossen, das Wagnis einer gemeinsamen Reise einzugehen. Sie haben es, wie sie mir versicherten, nicht bereut!
    Innerhalb Libyens waren wir wieder mit den Leuten von der Agentur AWISS aus Ghat unterwegs. Die Organisation in Deutschland habe wie immer ich übernommen (Flüge, Visa, Infos, Übernachtung auf Djerba, Kontakte).

    Von Dtld. zur kleinen Düne hinten links

    Die Gruppe traf sich in Djerba (Flüge aus München und Stuttgart). Bei einem gemeinsamen Abendessen genossen wir das letzte Glas Wein oder Bier für die nächsten drei Wochen. Übernachtet wurde wieder in meiner kleinen Lieblingskarawanserei. Dort trafen wir noch am Abend unseren Fahrer und unseren Führer Abdallah und am nächsten Morgen gings los.

    Grenzformalitäten wie gehabt, alles verlief reibungslos und ohne lange Wartezeiten. Schwups - und schon waren wir "drüben". Der wettermäßige Empfang war alles andere als einladend: es regnete. Das störte uns aber wenig, denn wir fuhren geradewegs zum Flughafen von Tripoli, wo wir die Nachmittagsmaschine nach Sebha nahmen.

    Am Abend herzlicher Empfang durch Moussa und Mouftah in Sebha. Ein neuer Fahrer ist ebenfalls dabei: Abdelaziz (er wird uns jedoch nur bis Ghat begleiten). Wir laden das Gepäck in die Jeeps und los geht's Richtung Terkiba, wo unser Lager mitsamt Litnein und Housseini und unserem Abendessen auf uns wartet. Unterwegs wurden schon die ersten Neuigkeiten ausgetauscht: "Wer ist wo und macht gerade was? Wie steht es mit der Gesundheit der Familie und aller gemeinsamen Bekannten und Freunde?" Nach fast zwei Stunden waren wir dann endlich da: Lange Begrüßung unserer beiden anderen Freunde und Vorstellung der neuen Mitreisenden. Und gleich hinter der ersten Düne links schlürfte ich endlich meinen langersehnten Tee.

    Nach dem leckeren Abendessen (Ach - Housseini!) saßen wir noch eine Weile schwatzend am Feuer. Am nächsten Morgen waren die Schlafsäcke "taufrisch", aber egal: Wir waren angekommen.


    West-Süd-West nach Ghat

    Wir fahren nach Germa, wo wir uns die Ruinen der alten Garamentenhauptstadt Garama ansehen (für mich nun schon zum vierten Mal, letztes Jahr hatte ich mich gedrückt). Weiter geht's nach Westen, unterwegs Mittagsrast nicht weit von der Straße und dann immer weiter.

    Am Abend erreichen wir Idinen. Es ist schon fast völlig dunkel und der Mond ist am zu-Bett-gehen, statt uns zu leuchten. Na ja, egal, routiniert erledigen wir gemeinsam alle anfallenden Tätigkeiten und sitzen bald beim Abendessen ums Feuer. Ich erinnere mich an unsere allererste Tour und an Mariams geheimnisvoll über Nacht erschienene Kamel genau hier an den Geisterbergen. Später in Dtld. löste sich das Rätsel auf, aber damals blieb es uns allen während der gesamten Reise ein Rätsel. Auch Moussa und Housseni - die damals mit dabei waren - erinnern sich lebhaft. Wir erzählen die Geschichte den anderen und müssen lachen. Das verscheucht auch die Bedenken des einen oder anderen Tuareg-Begleiters: immerhin heißen die Geisterberge nicht ohne Grund genau so...

    Nach dem Frühstück fahren wir nach Ghat auf den Campingplatz von AWISS. Ein Familienmitglied nach dem anderen kommt uns begrüßen: allen voran Ibrahim und der alte Mohamed. Aisha und ich freuen uns sehr. Wie schön waren die beiden gemeinamen Reisen mit Mohamed! Auch die Mama und die restlichen Geschwister begrüßen uns - wir sollen ein paar Tage bleiben und reihum Besuche machen. Aber ich höre bereits die Kamele rufen, da müsste man mich schon anketten ...
    Während die "neuen" Libyenreisenden unter Fatins Führung die Altstadt von Ghat erkunden, machen sich Aisha und ich zusammen mit Moussa auf, einige Sachen zu erledigen und Freunde zu besuchen. Vor allem die Beschaffung von schwarzem Tee in Beuteln hält uns auf Trab, aber gerade als wir es aufgeben wollten, hatten wir doch noch Glück! Zurück zum Campingplatz - Mittagessen.

    Danach geht's dann hinaus. Erstmal auf einen "befreundeten Campingplatz". Dort duschen wir alle, weil wegen Pumpenschaden das Duschen auf unserem Campingplatz nicht möglich war. Nun sind es nur noch wenige Stunden und wir sehen Cheikh und die Kamele wieder.
    Mir scheint, die große Sanddüne am "Eingang" zum Akakus wird von Mal zu Mal kleiner. Täusche ich mich?

    Bis zu unserem Treffpunkt im Wadi Tacharchouri ist es doch ein ganzes Stück und durch unser Fremd-Duschen haben wir mehr Zeit als üblich gebraucht. So kommen wir erst ziemlich spät und im Dunkeln (gg. 19 Uhr) am Schlafplatz an. Wir begrüßen Cheikh und die Kamele, "unsere" von den beiden letzten Jahren sind mit dabei, so dass aller Grund zur Freude besteht! Nach dem Essen fahren Mouftah und Litnein nochmal zurück nach Ghat - sie haben was vergessen (und kommen spät in der Nacht zurück). Wir anderen besingen und betrommeln noch ein wenig unsere Ankunft im Akakus und sind voller Vorfreude! Morgen geht's endlich richtig los ...


    Kreuz und quer im Akakus

    Die Kamele werden aufgeteilt. Aishas Absaou, Fatins Eseref und mein Aurar sind bereits vergeben und stehen nicht zur Disposition. Doch die verbleibenden Kamele sind bis auf eines neu eingekauft und alle miteinander sind sie schön! Der prüfende Blick der Tuareg schweift über die Touristen und Kamele - wer könnte zu wem passen? Bald sind alle Pärchen zugeordnet und es kann losgehen ...

    Mouftah und sein Jeep bleiben zurück. Um unser Gepäck und evtl. den einen oder anderen reitmüden Touristen zu transportieren, reichen ein Jeep und der Küchen-Pickup allemal aus. Wir verabschieden uns von Mouftah und verabreden uns im Wadi Imanaaner für die Rückreise.

    Die Kamel-Neuen proben derweilen das Sitzen in 2,50 m Höhe. Das ist doch schon eine sehr ungewohnte Perspektive und vor allem ein wenig wacklig, oder? Doch bald schon legt sich bei den meisten die erste Aufregung und - am Strick gezogen - setzen sie sich in Bewegung. Unser jüngstes Gruppenmitglied Kader (14) hat diesen Tag so erlebt: "Mein erster Kameltag".
    Am ersten Tag gehen Litnein und Housseini mit uns. Das ist auch für uns Alte ein Novum: Housseini begleitet die Kamele. Wer - um Gottes Willen - bereitet denn dann unseren Salat und kocht zu Abend???

    Die meist spärliche Vegetation um uns herum ist erstaunlich grün und sieht ungewohnt saftig aus. Wie Litnein bestätigt, hat es ausreichend geregnet, wenn auch der Grundwasserspiegel nicht in allen Wadis genügend aufgefüllt wurde, um alles zu begrünen. So bleibt auch dieses Jahr das eine oder andere Wadi trocken und unsere kleine Karawane muss andere Wege einschlagen. Denn das "A und O" auf unserer Streckenwahl bleibt immer die Suche nach einem guten nächtlichen Futterplatz für die Kamele.

    Hier kann nachgelesen werden, wie so ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour abläuft.
    Aisha hat für uns ein Gedicht geschrieben. Wollt ihr es mal lesen? Bitteschön: Gedicht von Aisha "Ein schöner Tag".

    Auch dieses Jahr bietet uns Moussa wieder einen Mix aus bekannten Wadis und neuen Wegen in noch unbekannte Wadis - mit noch-noch-noch schöneren Plätzen und mit unbekannten prähistorischen Felsgravuren und -zeichnungen.
    Ab dem zweiten Tag begleiten hauptsächlich Litnein und Cheikh unsere kleine Karawane.
    Fatimata liebt es, zu wandern. Und das ganz schön schnell! So ziehen die beiden (Fatimata und ihr Kamel) meist vor uns her, wenn nicht einer der Begleiter um das Kamel bittet, um ein Stück mit uns zu reiten.

    Wir treffen während unserer Reise im Akakus nur eine einzige andere Touristengruppe: eine agile 18-köpfige(!) schweizer Wandergruppe. Das ist einerseits ganz gut so, denn nichts hasst der Tourist mehr, als andere Touristen zu treffen, andererseits aber auch ein untrügliches Zeichen, dass - gerade zur absoluten Höchstsaison, nämlich über Weihnachten - die Touristen dieses Jahr ausgeblieben sind.
    Ich habe bereits in Deutschland erfahren, dass viele Reiseveranstalter ihre Reisen in den Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika absagen mussten, weil die Leute storniert haben. Von Moussa und Mouftah erfahre ich, dass in dieser Saison (also von Herbst 2001 bis Frühjahr 2002) fast niemand gekommen ist und auch nur wenige fürs Frühjahr angemeldet sind. Weder Deutsche noch Franzosen, keine Niederländer oder Spanier, von Italienern und Schweizern: keine Spur. Da kann man nichts machen: Die Angst vor weiterem Terror und darauffolgenden Vergeltungsschlägen steckt in den Leuten drin.
    Das Erfreuliche am Zusammentreffen unserer zwei Gruppen war, dass zwei der sie begleitenden Tuareg alte Freunde von uns waren. So konnten wir Neuigkeiten und Nettigkeiten austauschen und es war doch noch ganz amüsant.

    Am Weihnachtstag kommen wir an das Guelta im Wadi Anchal. Wenn das kein Geschenk ist! Die Kamele werden getränkt und nach dem Mittagessen ist Waschen angesagt. Erst wir selber, dann ein paar Klamotten. Bis wir alle reihum fertig sind, vergeht ein gutes Weilchen. Aber wir haben es heute nicht mehr weit, unser Lagerplatz liegt gleich um drei Ecken.

    Heiligabend. Nachdem wir bereits zum Fünf-Uhr-Tee/Kaffee jede Menge Weihnachtsgebäck verdrückt, eine Kassette voll betörender Weihnachtslieder gehört und selber eine Runde fast vergessene Weihnachtslieder zum Besten gegeben haben, hat uns Housseni mit einem leckeren Abendmahl beglückt. Danach gab es noch Mousse au Chocolat aus dem Expeditionsausrüstungsladen (klasse Idee von Aisha). Einfach nur mit Wasser anrühren und kräftig drauflosschlagen. Es hat köstlich geschmeckt!
    Danke an alle, dass wir so ein schönes Fest hatten: All die Plätzchen (eine Sorte war sogar - huch! - mit Rum), der Stollen von Fatimata und Brahim (der übrigens bei den Tuareg den meisten Anklang fand!), die singende Keksdose von Lalla, die Teelichter von Safia, und und und. Vielen Dank auch an unseren Freund Willi aus München! Er hat Aisha und mir je einen Kerzen-Weihnachtsbaum in der Schuhcremedose mit auf die Reise gegeben.
    In deren Licht haben wir in der Stillen Nacht noch Stille Post gespielt, auf deutsch, arabisch, französisch, tamashek. Mancher glaubt, dass es hilfreich ist, dem Zuhörenden das jeweils andere Ohr zuzuhalten (damit nichts nach außen dringt?) oder die Augen zu bedecken (damit kein verräterisches Funkeln zu Spekulationen über den Inhalt der geheimen Botschaft verleitet?). Ein Brüller und deswegen dann doch nicht so still und besinnlich. War das schön!

    Die Heilige Nacht wurde dann noch ziemlich laut und ungemütlich: Rambo, dieser verrückte Hirtenhund, der uns schon den zweiten Tag verfolgte, jaulte und winselte wie wild. Da er bereits vorher nur mit Mühe und Not von (aus?) Lallas Schlafsack zu vertreiben war, und es ihn wie magisch immer wieder dorthin zog, haben ihn die Männer kurzerhand an einer langen Leine festgebunden. Das passte ihm natürlich gar nicht, was er lautstark zur Kenntnis gab.

    Drei Tage später liegt unser Abendplatz im Wadi Innemillel. Dort wurde nach der Teepause endlich das in Ghat gekaufte Henna zum Hände-Färben angerührt. Dazu gibt es einen kurzen Bericht aus dem Kosmetiksalon von Lalla. Ja, Lalla, auf die Fotos bin ich auch gespannt!

    Nur zu bald kommt der letzte Kameltag mit dem letzten Kamelabend auf uns zu. Zum Abschluss gibt es eine kleine Tende. Am Lagerplatz empfangen wir Mouftah, der mit dem zweiten Jeep und frischem Gemüse und Wasser aus Ghat gekommen ist. Cheikh wird morgen mit den Kamelen nach Ghat ziehen. Er will in zwei Tagen da sein, um am Kamelrennen teilzunehmen.

    Am nächsten Tag geht es weiter mit den Jeeps. Wir verabschieden uns von Cheikh und den Kamelen. Da wir uns aber am heutigen Abendplatz wiedersehen werden, ist der Abschied erstmal nur vorläufig und deshalb halb so schlimm.
    Wir kommen zur "Kathedrale" und dem großen Nashorn, zum Tifinagh-Felsen und vielen weiteren schönen Felsgravuren und -zeichnungen.

    Gegen Abend treffen wir einen sich müde dahinschleppenden Cheikh. Er ist den ganzen Tag mit hohem Tempo und zum Abend hin mit immer unwilliger werdenden Kamelen gegangen. Jetzt ist es nur noch ein kleines Stück ...
    Am Abendrastplatz sind wir dann wieder vollzählig: 8 Kamele, 8 Touristen und 5 Tuareg.


    Tuareg-Festival in Ghat und dann ins Tassili

    Am nächsten Morgen fahren wir wieder raus aus dem Akakus. Nach mehreren Foto- und Raucherstopps kommen wir noch vor dem Mittag in Ghat an. Wir beziehen unsere Zimmer und dann - al-hamdu Lilla, die Dusche geht wieder! - genießen wir das fließende Wasser.

    Nach dem Mittagessen ziehen wir los zu einem großen Platz vor den Toren von Ghat. Dort findet - unter den Augen zahlreicher Fernsehkameras - ein Illugan statt: Ein Reiterspiel mit dem Ziel, den vielen festlich geschmückten, singenden und tanzenden Frauen zu imponieren. Die Reiter und ihre edlen Kamele sind auf das Allerfeinste rausgeputzt und setzten sich, jeweils zu zweit, den kritischen Augen und losen Mundwerken der Frauen aus. Danach gibt es eine Tende: scheinbar leichtfüßig und sehr schnell umrunden die Kamele mit ihren stolzen Herren die im Kreis sitzenden, singenden und klatschenden Frauen und Kleinkinder. Dabei muss trotz allem Übermut darauf geachtet werden, niemanden allzusehr vollzustauben oder gar mit den kräftigen Kamelbeinen zu verletzen.
    Wir treffen unseren Freund El-Hedi, hoch zu "Ross". Er kann dieses Jahr besonders stolz sein: Er hat beim Internationalen Reitturnier in Douz/Tunesien den 3. Platz belegt. Glückwunsch!!
    Auf einmal kommt auch Yussef dazu. Er arbeitet jetzt wieder in seinem eigentlichen Beruf und konnte deswegen nicht wie sonst mitkommen. Große Wiedersehensfreude und die Mitteilung, gleich morgen den Chef um ein paar freie Tage anhauen zu wollen. Mal sehen, ob's klappt ...

    Nun geht es erstmal zu Mouftahs Haus. Wir sind alle zum Essen eingeladen. Es schmeckt vorzüglich und nach den obligatorischen drei Gläsern Tee sind zwei gesellige Stunden wie im Flug vergangen. Jetzt fahren wir nach Fehouat, wo spät am Abend das große Folklore-Fest beginnt. Die Darbietungen sind sehr schön! Wir treffen Amoud, der uns auf unserer zweiten Reise begleitet hat. "Wie geht's, wie steht's? Alles in bester Ordnung!" - So soll es sein! Leider wird es immer kälter - trotz dicker Decken - und so sind wir am Ende froh, dass auch das Fest ein selbiges hat. Total durchgefroren treten wir gg. 1 Uhr die Heimreise an, aber im Auto wird uns bei viel Gesang und Klatschen recht schnell wieder warm.
    Zu unserem Bedauern wird das für morgen früh geplante Kamelrennen von den Veranstaltern abgesagt. Die Enttäuschung, vor allem bei unseren Neuen, die letztes Jahr noch nicht dabei waren, ist groß.

    Am Vormittag teilt sich die Gruppe erneut in solche, die Einkäufe tätigen, und solche, die Besuche machen wollen. Zum Mittagessen treffen wir uns alle wieder auf dem Campingplatz. Nach einer ausgiebigen Siesta brechen wir am Nachmittag auf, Richtung Norden. Nun ist auch Yussef dabei - es hat geklappt und er hat für 5 Tage Urlaub bekommen. An einer traumhaft schönen Stelle schlagen wir unser Nachtlager auf. Das ist heute besonders wichtig für uns, denn es ist Silvester!
    Auch das Wetter spielt mit, und so erleben wir einen phantastischen Sonnenuntergang zwischen hohen Dünen und steilen Berghängen. Nach dem Abendessen ist Disco angesagt. Wir haben uns in diverse einheimische Gewänder gehüllt und tanzen zur Musik, die aus dem Autolautsprecher tönt: Tuareg- und Berbermusik aus Mauretanien, Mali, Niger und Libyen, RAI aus Algerien, Pop aus Ägypten und natürlich darf Reggae nicht fehlen. Wir haben viel Spaß und schlürfen nebenher unseren Tuareg-Tee. Um Mitternacht gehen wir reihum, teilen Neujahrswünsche aus und nehmen welche entgegen. Danach sitzen wir noch eine Weile ums Feuer und erzählen. Es war ein sehr schöner Jahreswechsel, der uns wohl allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    Leider wird just in dieser Nacht unser Kader krank. Die nächsten zwei Tage leidet er still vor sich hin, bei ungesüßtem Tee und trockenen Keksen. Doch Gott sei Dank geht's ihm danach wieder besser!

    Neujahr. Heute geht es weiter ins Tassili. Am Berg Tellut vorbei fahren wir nach Maratrat und stehen schon wieder voller Staunen in einer unglaublich schönen Gegend! Im Abendlicht gelingen eindrucksvolle Fotos und das abendliche Bar-B-Q setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Wir fahren weiter und kommen an eine große Höhle mit großen gravierten Kühen. Unser Mittagsrastplatz entlockt uns schon wieder nur "Ooh" und "Aah" und die Kameras machen sich fast selbstständig.
    Am Nachmittag kommen wir nach Al-Aweinat. Der Pickup muss zur Reparatur und derweilen sitzen wir im Café und lassen es uns gut gehen. Danach fahren wir raus zu den Dünen von Wan Kassa, unserem heutigen Schlafplatz.


    Asphalt und Mandara-Seen

    Nun geht's wieder für eine längere Strecke auf der Asphaltstraße dahin. In Ubari werden nochmal die Lebensmittel aufgestockt und dann fahren wir hinein in den Erg Ubari. Nach einer ziemlich unruhigen Nacht (sozusagen eingekesselt zwischen der bereits bekannten schweizer Wandergruppe und einer einheimischen Wochenendausflugsgesellschaft) sind die Schlafsäcke am Morgen total nass und z.T. mit Reif bedeckt. Hier im Seen-Gebiet ist die Luftfeuchtigkeit eben viel höher als im Akakus-Gebirge.

    Wir rollen die Seen sozusagen von hinten auf: zuerst der Mafu, dann der Gabr'oun und danach der Um al Ma, morgen dann Mandara. Am Gabr'oun-See halten wir Mittagsrast und kommen nicht umhin, Blickkontakt mit den in der Unterwäsche sonnenbadenden italienischen Touristen aufzunehmen. Wir sind über so viel Geschmacklosigkeit empört, unsere Tuareg machen sich über die Italiener lustig und spenden deren Tuareg-Begleitern, die sich für ihre Gruppe genieren, ein wenig Trost.
    Wir laden die Schlafsäcke und diverse Wolldecken aus und lassen sie während der zwei Stunden in der Sonne trocknen.

    Das ist neu: Jetzt finden sich auch hier direkt an den Seen größere Souvenirverkäufergruppen zusammen und bieten ihre z.T. sehr schönen Stücke an. Der Schmuck stammt fast ausschließlich aus dem Niger und ist von unterschiedlicher Qualität. Und mit ein bisschen Verhandlungsgeschick lassen sich annehmbare Preise aushandeln.
    Der noch ziemlich neue Campinglatz liegt einsam und verlassen da. Wir fragen uns, wer den wohl nutzt.

    Auf geht's zur Besichtigung des schönsten Sees, des Um al Ma. Wieder gibt es einen "Souvenirladen"; das Angebot ähnelt dem am Gabr'oun-See. Nur ein paar hundert Meter weiter verziehen wir uns auf einen schönen Dünenplatz und schlagen unser letztes gemeinsames Nachtlager auf. Und als ob es nicht so schon traurig genug wäre, kommen - mitten in der Nacht - Mücken. Die gesamte Tuareg-Mannschaft lacht sich scheckig, als ich sagte: "Ich glaube, eben eine Mücke gehört zu haben." Mücken? - Im Januar und bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt? Ja, Mücken. Da die Mücken nicht aufgeben, mich zu umsurren, hören und sehen nach und nach auch die Tuareg die Plagegeister.
    Aber wen werden die stechen? Eigentlich keine Frage: Am nächsten Morgen zähle ich 9 Einstiche, trotz Vermummung in Fleece-Pullover und -Hose plus Decke am Feuer bzw. später dickem Schlafsack. Aber auch Lalla und Kader konnten ein paar nennenswerte Stiche vorweisen. DAS nenne ich Solidarität.

    Nach dieser in vieler Hinsicht nervenaufreibenden Nacht geht am Nachmittag unser Flieger von Sebha nach Tripoli. Wir starten mit bereits flugtauglich verpacktem Gepäck und machen kurz hinter der letzten Düne eine verfrühte Mittagsrast (es ist erst 11 Uhr). Da es so bärisch kalt und windig ist, gibt es für alle, die möchten, zum Mittagssalat noch ein paar warme Nudeln dazu. Das wurde ab einem gewissen Chill-Faktor immer so gehandhabt. "Etwas Warmes braucht der Mensch!"

    Dann ist erneut Aufbruch und wir fahren das relativ kurze Stück bis Sebha. Dort werden wir erstmal auf einem befreundeten Campingplatz "geparkt". Housseini und Litnein leisten uns Gesellschaft und kümmern sich um unser leibliches Wohl (Kaffee und Tee werden gereicht), während Moussa, Yussef und Mouftah zum Flughafen fahren und die Lage erkunden: Geht der Flieger heute wirklich? Wann wird das denn voraussichtlich sein? Wie sicher sind die Auskünfte?
    Aber irgendwann am Nachmittag kommen sie dann zurück mit der Nachricht, dass der Flug von 17 Uhr auf 19 Uhr verschoben sei und wir es uns also noch ein bisschen auf dem Campingplatz gemütlich machen können. Also spielen wir weiter Domino, lesen oder versuchen ein bisschen zu schlafen - was halt jeder so will. Zum Schluss macht Brahim noch Fotos mit seiner Sofortbildkamera. Das war ein Spaß!

    Doch irgendwann ist dann doch der Augenblick des letzten Aufbruchs gekommen. Wir fahren alle zum Flughafen (fast um die Ecke!) und geben unser Gepäck auf. Bald füllt sich der Flughafen mit weiteren Gruppen: der herumalbernden schweizer Wandergruppe, einer mopsfidelen spanischen Seniorengruppe sowie der Unterwäsche vorführenden italienischen Gruppe, die wir im Gebiet der Mandara-Seen getroffen haben.
    Es ist erschreckend eng und laut. Wir vertreiben uns die Wartezeit mit Hüpftänzen im Freien (kalt!!) und Komplimenten (Fatimatah, Fatimatah!). Es ist eine eigenartige Stimmung - lange Abschiede sind absolut verpönt!
    Endlich - nach ewiger Warterei werden wir zum Flugzeug gebeten. Jetzt müssen wir uns schnell-schnell verabschieden. Ein letzter Blick zurück, dann wird uns von den nachrückenden Massen der Blick versperrt und wir sind allein. Unsere Freunde werden wir erst im Herbst wiedersehen. (Ich weiß, was heißt "erst". Immerhin liegt nicht einmal ein Jahr dazwischen, andere brauchen Jahre, um wiederzukommen. Aber im Moment ist das noch soooo weit weg.)

    Irgendwann gg. 23 Uhr landen wir nach einem ruhigen Flug in Tripoli. Abdallah und Ibrahim holen uns ab. Auf der Fahrt zum Hotel machen wir noch fix an einer Imbiss-Bude halt und essen einen phantastischen Hamburger mit Spiegelei und Harissa. Das Hotel hält keine Überraschungen für uns bereit: warmes Wasser ist schon lange aus und die Zimmer entbehren jeglicher Ästhetik. Aber es ist ja nur für eine Nacht. Komisch, so ein Bett!


    Zurück ins Schneetreiben!

    Eigentlich gemein, bereits den heutigen Tag unter die Überschrift "Zurück ins Schneetreiben!" zu stellen. Aber so ist das bei mir: Alles was in Libyen nördlich des 30. Breitengrades absolviert wird (Ausnahme: Ghadames), fällt entweder unter die Rubrik Anreise oder eben Abreise.
    Für diesen letzten Tag heißt unser Führer Mohamed und unser Fahrer Ibrahim (ein neuer).
    Wir fahren nach Sabratha. Es regnet und ist kalt - mehr brauche ich dazu wohl nicht sagen ...
    Nach dem Mittagessen in einem modernen Touristenrestaurant dann die letzten Kilometer auf Libyens Landstraßen. Die Grenzformalitäten gehen zwar etwas stockend, aber nach knapp 2 Stunden haben wir es geschafft: Wir sind in Tunesien und haben eine ganze Stunde geschenkt bekommen.

    In Houmt Souk beziehen wir wieder unsere Karawanserei und treffen uns - nachdem wir uns noch schnell am Flughafen unseren Flug am nächsten Tag bestätigen ließen - zum abschließenden gemeinsamen Abendessen. Gott sei Dank haben wir mehr Glück als zwei Jahre zuvor: Das von uns bevorzugte Restaurant hat geöffnet und freie Tische. Bei einem ausgiebigen Mahl ziehen wir Resümee und erfreuen uns an diversen Begebenheiten. Der ungewohnte Alkohol (das Celtia-Bier ist ganz annehmbar und ein oder zwei klitzekleine Martini waren auch dabei) und die Völlerei fordern ihren Tribut: Wir sind alle bald ziemlich bettschwer.
    Früh lassen wir uns von Taxis zum Flughafen fahren. Alles geht relativ schnell und gewohnt problemlos. Die letzten Tunesischen Dinare werden in nutzlose Kleinigkeiten umgesetzt oder in der Bank getauscht. Und siehe da, auf einmal hat Lalla die ersten Euro in den Händen.
    Und dann sind wir geflogen ...

    Fatimata und Brahim hatten es etwas besser: Sie verlängerten ihren Urlaub noch um eine Woche und haben Südtunesien unsicher gemacht. Sie hatten gutes Wetter und viel Spaß! Und kamen gesund zurück!

    Zum Schluss ein kurzes Wort an meine Mitreisenden: Ihr habt unsere Tour so harmonisch, erlebnis- und auch lehrreich gemacht! Interessen haben sich überlagert oder ergänzt. Wir hatten jede Menge Spaß und keine Unstimmigkeiten (außer, dass jeder SEIN Kamel für das schönste, klügste oder edelste hält, aber das ist auf alle Fälle tolerierbar!). Es war ein Super-Urlaub! Dafür möchte ich euch ganz dolle danken!


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