Reisebericht Libyen 2000

Meine dritte Reise nach Libyen vom 28.02. - 27.03.2000

Inhalt:

Organisation und Teilnehmer
1. Etappe: Die lange Ankunft
2. Etappe: Ghadames --> Ghat
3. Etappe: Ghat
4. Etappe: 16 Tage auf Kamelen im Akakus
5. Etappe: Al-Aweinat --> Mandara --> Terkiba
6. Etappe: Terkiba --> Ghariyan --> Djerba --> Deutschland

Lust auf eine eigene Reise?



Zur Organisation und zu den Reiseteilnehmern

Unsere 4-Wochen-Tour führte von Djerba (Flug) über Ghadames und Ghat in den Akakus. Von dort über Al-Aweinat und Ubari zu den Seen Mandara und Umm al-Ma' und via Ghariyan, Tripoli und Sabrata zurück nach Djerba. Hauptreiseziel war natürlich der Akakus, diesmal sollten es aber 16 Kameltage sein, richtig viel Zeit. Um ohne eigenes Auto innerhalb eines festgesteckten Zeitrahmens in Libyen eine Tour zu machen, bedarf es der Organisation einer libyschen Reiseagentur. Hier konnten wir uns wieder ganz auf die Agentur AWISS aus Ghat verlassen, die ich bei meiner ersten Tour 1997 mit "New Adventure Reisen" kennen- und schätzengelernt habe.

Die Organisation in Deutschland habe ich wieder übernommen (Flüge, Visa, Infos, Übernachtung auf Djerba, Kontakte). Die Reiseroute hatte ich mit Moussa, Geschäftsführer von AWISS und ausgezeichneter tourguide, bei meiner letzten Reise im Nov. 1998 abgesprochen.

Dieses Mal waren wir eine Gruppe von 6 Frauen, davon zwei Neueinsteiger und vier "alte Hasen", die bereits zum 2., 3. oder 5. Mal gen Akakus zogen. Wie für Touristen üblich, haben beim jeweils ersten Mal alle einen "einheimischen" Namen erhalten. Und so will ich sie hier auch vorstellen: Mit von der Partie waren Fatimatah, Duktura, Laila, Ney Ney, Aisha und Azahra (das bin ich).


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Die lange Ankunft

Am ersten Tag Flug nach Djerba von Hamburg, Düsseldorf oder München und Übernachtung in einem kleinen Hotel in Houmt Souk. Am Abend noch treffen wir unsere Fahrer für den morgigen Tag (Abu Salah und Mukhtar).

Am nächsten Morgen 8 Uhr Aufbruch Richtung tunesisch-libysche Grenze. Weiterfahrt nach Ghadames über Zuara (Mittagessen) und Nalut. Ankunft in Ghadames gg. 21 Uhr.
Wir übernachten in einem Hotel, wo wir auch Moussa, Housseni, Ali und Mohamed treffen. Große Wiedersehensfreude bzw. neugieriges Kennenlernen der Neuen. Nach dem Abendessen im Hotel sitzen wir noch lange ums Feuer, lassen uns den ersten Tee nach langem Entzug schmecken und nehmen begierig die Neuigkeiten auf - Wir sind angekommen! Die erste Nacht in Libyen im klimatisierten Zimmer mit Fernseher!


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Ghadames --> Ghat

Alle haben verschlafen (die Tuareg natürlich nicht!).
Sachen packen, frühstücken und ab gehts mit den zwei Jeeps Richtung Innenstadt.

Wir besichtigen die alte Handelsmetropole Ghadames. Die Altstadt von Ghadames wurde in die Liste der besonders zu schützenden Weltkulturerben der UNESCO ("World Heritage Site") aufgenommen. Die verlassene Altstadt war einst ein bedeutendes Handelszentrum. Es fällt nicht schwer, sich in den dunklen, kühlen Tunnelgassen das quirlige Treiben der Händler, das Zusammenstellen neuer oder das Entladen ankommender Karawanen vorzustellen. 2 1/2 Stunden werden wir durch die "Straßen" der Altstadt geführt, sehen die schönsten Oasengärten - als Ring um die Altstadt gelegt - und besuchen eines der sehr aufwändig wiederhergestellten Museumshäuser.

"Dar el Omar" ist mit viel Liebe im Stil der alten Häuser eingerichtet. Ob alles so detailgetreu ist, weiß ich nicht. Es wirkt ein wenig überladen und zu bunt. Aber es erzählt viel über das Leben und Arbeiten im Haus, über die Stellung der Familienmitglieder und ihren Lebensstandard. Zur Küche auf dem Dach ist es übrigens ein recht beschwerlicher Weg, vor allem mit einem Tablett voller Geschirr und Essen!
Oben auf dem Dach eröffnet sich uns ein herrlicher Blick über die ganze Altstadt und die umliegenden Gärten. Wir erhalten Einblicke in die benachbarten Innenhöfe und stellen uns das Hin- und Herhuschen flinker Gestalten bei Tag und Nacht über die - jetzt z.T. leider eingefallenen oder zumindest sehr bröckeligen - Dächer vor ...
Immer wieder begegnen wir Einheimischen, die noch die von alters her ihren Familien gehörenden Gärten bewirtschaften, und mehrere Bautrupps, die den fast aussichtslosen, weil zu spät begonnenen Kampf zur Erhaltung und Sanierung der Altstadt antreten. Der Abstecher nach Ghadames hat sich total gelohnt.
Gerne wären wir auch noch länger geblieben, aber um unserer eigentlichen Leidenschaft, dem Kamelreiten im Akakus, zu frönen, müssen wir in Richtung Süden aufbrechen. Zuvor noch ein kurzer Stopp beim Postamt, der letzten sicheren Möglichkeit eines Telefonats nach Deutschland, bevor wir nach ca. 21 Tagen in Al-Aweinat oder Ubari sein werden und somit wieder international telefonieren können (in Ghat funktionierts meist nicht).

Danach gehts mit den Jeeps raus aus der Stadt. Die nächsten drei Tage verbringen wir meistens auf Pisten, die uns immer wieder für einige Kilometer hinter die algerische Grenze bringen. Aber nur die vereinzelten Grenzpfähle waren Zeugen ...
Die letzte Nacht vor Ghat verbringen wir in der Oase Tekumat. Am Vormittag des 4. Tages ab Ghadames hat uns die Asphaltstraße wieder. Nach einer kurzen Mittagsrast an den Indienen sind wir bald in Ghat.


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Ghat

Wie die letzten Tage ist es sehr heiß. Auf dem Campingplatz von AWISS werden wir herzlich willkommen geheißen. Wir treffen alte Bekannte, Mitglieder von Moussas Familie und Freunde, mit denen wir schon früher auf Reisen waren.
Litnein wird uns wieder während der Kameltage begleiten - was haben wir für ein Glück! Und wir lernen Cheikh kennen, den jüngeren Bruder von Moussa, der - zusammen mit Litnein - für unsere Kamele verantwortlich ist und mit uns reiten wird.

Einer nach dem anderen geht duschen, packt Klamotten um, wäscht, döst vor sich hin. Bei Grillengezirpe und Vogelzwitschern genießen wir Houssenis leckeres Abendmahl, angefangen bei gegrillter Leber am Spieß (den "Rest" vom Lamm nehmen wir morgen mit auf Reise).

Am nächsten Morgen fahren wir "in die Stadt". Wir besichtigen (für mich das 3. Mal) die Ruinen der Altstadt, die - nicht nur im Vergleich zu Ghadames - keinen imposanten Eindruck mehr machen.
Nach dem Mittagessen und einer Siesta auf dem Campingplatz packen wir langsam - es ist ziemlich heiß- alle unsere Sachen, Küchen- und Campausrüstung zusammen, füllen die Kanister mit frischen Quellwasser und verstauen die Lebensmittel. Litnein und Cheikh sind schon vor ein paar Stunden zusammen mit den Kamelen aufgebrochen. Wir werden sie heute abend am Treffpunkt wiedersehen.

Auf der bekannten Route geht der Weg heraus aus Ghat, über die Siedlung Al Barka zur Südeinfahrt in den Akakus. Abendlager, "Kamelempfang", lecker Couscous und erwartungsfrohe Stimmung am Feuer. Endlich im Akakus: Ich lege eine Matte aus, mummel mich in meinen Schlafsack und seh' den Millionen Sternen beim Funkeln zu ...


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Mit Kamelen im Akakus (16 Tage)

Wie ausführlich soll man über 16 Tage Kameltrekking berichten? Einerseits ist es jeden Tag das gleiche, abgesehen natürlich vom Wechsel der Landschaft, andererseits ist jeder Tag angefüllt mit Ereignissen, die ihn einzigartig machen...
Den allgemeinen Tagesablauf habe ich hier skizziert: Ein durchschnittlicher Tag während der Kameltour

Hier folgen jetzt die zurückgelegte Strecke und einige Begebenheiten dieser Tour:

Am ersten Tag werden die Kamele aufgeteilt und nachdem sich Reiter und Reittier beschnuppert haben, gehts - erstmal zu Fuß- los. Nachdem die Müdigkeit aus den Gliedern gewichen ist und die morgenliche Kälte immer mehr der brennenden Sonne Platz gemacht hat, wird aufgesessen. Die Neulinge werden anfangs am Zügel geführt. Bis sie selber entschieden haben, es auch ohne Hilfe zu schaffen, können sie die Zeit nutzen, die beste Sitzhaltung auszuprobieren und das etwas mulmige Gefühl wegen des doch sehr beträchtlichen Abstands von Po-Höhe und Boden loszuwerden.

Am ersten Mittagsrastplatz ist meist noch nichts von Druckstellen am Po oder Einschränkungen in der Beweglichkeit des Rückens zu spüren. Aber am abendlichen Feuer, spätestens jedoch am nächsten Morgen bleibt "es" nicht aus. Gott sei Dank hält der gemeine Muskelkater nur 1 bis 2 Tage an - wer jetzt beim Reiten aussetzt, schleppt die Sache nur unnötig hin. Also lautet die Devise: "Durchhalten!" Gut zu wissen, dass der zweite Tag immer der schlimmste ist. Nach 5 bis 6 Tagen ist selbst die Erinnerung an etwaige Anfangsprobleme verflogen - so sehr zieht einen der Zug der kleinen Karawane in dieser abwechslungsreichen, atemberaubenden Landschaft in den Bann.

Im Verlauf unseres 16-tägigen Kameltrekkings reiten wir durch den Akakus, Hauptrichtung ist von Süd nach Nord. Durch die endlosen Möglichkeiten, kleinen und größeren Wadis zu folgen, gleicht keine Tour der anderen. Dieses Mal ziehen wir hinter Wadi Wanboubou, wo wir am Guelta (natürliches Regenwasserreservoir) nocheinmal die Kamele ausgiebig getränkt und uns gewaschen haben, zum Affazigiar, danach Richtung Südosten. Dabei sind wir für knapp zwei Tage auf algerischem Gebiet. Keinen stört's und uns erschließen sich phantastische An- und Aussichten. Moussa will uns auch dieses Mal viele neue schöne Plätze zeigen. Und was für schöne Plätze haben wir gesehen!

Den einstimmig zum lieblichsten Flecken gewählten Platz erreichen wir am 8. Tag unserer Kameltour. Wir beschließen, dort einen längeren Stopp einzulegen und erst am nächsten Nachmittag weiterzuziehen.
Wir finden fast jeden Tag alte Tonscherben, Reibschalen und Reibsteine und sehen uns uralte Felszeichnungen und -gravuren an. Anhand der wechselnden Motive (Savannentiere wie Löwen, Gnus, Nashörner oder Strauße, Jäger mit Jagdhunden, Kuhherden mit Hirten, römische Streitwagen, gezogen von Pferden, oder die ersten Kamelreiter mit dem heute noch typischen Sätteln) kann man das ungefähre Alter der Felskunst schätzen.

Am Bir Imananer endlich wieder eine Gelegenheit, sich und die Klamotten ausgiebig zu waschen. Wir bauen uns eine kleine Duschkabine zwischen dem Jeep und dem Generatorhäuschen und ziehen paarweise mit vollen Wasserkanistern hinein.
Zum zweiten Mal treffen wir auf andere Touristen. Es ist eine französische Wandergruppe. Zu unser aller Entsetzen zieht sich eine Frau bis auf die Unterwäsche aus und erfrischt sich am Brunnen. Selbst die Mehrheit der mitreisenden Franzosen findet das äußerst unpassend. Aber um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, wäscht sich danach einer der Franzosen bei heruntergelassener Hose. Ihm war es offensichtlich total gleichgültig, dass er sich über alle gesellschaftlichen Normen im Gastgeberland hinwegsetzt. Was er wohl dazu sagen würde, wenn sich ein Tuareg an einem Dorfbrunnen irgendwo in der Normandie nackt ausziehen und Intimpflege betreiben würde? Na ja, "diese Kameltreiber haben ja sowieso weder Kultur noch Anstand!"

Jedes Mal, wenn wir in der Nähe eines Nomadenlagers vorbeiziehen oder Rast machen, bekommen wir Besuch. Oft sind es die Kinder, die zusammen mit den Müttern "das Zelt und die Ziegen hüten", die vorbeikommen und durch den Verkauf oder Tausch von Pfeilspitzen oder seltenen Steinen, Steinrosen o.ä. ein kleines Geschäft machen wollen. Seltener kommen die Männer, die meistens weit weg von ihren Familien die Kamelherde betreuen oder Arbeit in den Dörfern und Städten gefunden haben.
Treffen wir auf eine Ziegenherde und es ist wieder mal an der Zeit, die Speisekammer zu füllen, wird ein Zicklein gekauft und geschlachtet. Diese Tage sind immer auch Festtage für uns, gibt es doch am Abend gegrillte Leber am Spieß und ein "Bar-B-Q".

Am ersten Abend des Aid al Addhan machen wir uns "fein" und tanzen den ganzen Abend nach allerlei Klängen vom Band. Wir sind ausgelassen und versuchen uns am Ende gar in traditionellen Tuaregtänzen, nachdem uns erklärt wurde, was wir wie zu tun haben.
Am nächsten Tag reiten wir ins Awiss ein, einem sehr schönen Flecken im Norden des Akakus. Nach ihm wurde Moussas Agentur benannt. Rechts von uns (also im Osten) sehen wir zwischen den Felsen immer wieder die Dünen des Erg Wan Kassa.

Am Bir Suget werden die Kamele getränkt und ein paar Klamotten gewaschen. An diesem Tag ist es sehr dunstig und windig - eine komische Stimmung.
Weil der Flugsand alles in Sekundenschnelle bedeckt, wird der Mittagssalat im Auto geschnitten. Wir ziehen kurzentschlossen mit Tablett und Schüsseln etc. in ein 10 Meter hoch gelegenes Abri, wo wir einigermaßen Schutz finden vor Wind und Sand.

Am vorletzten Kameltag treffen wir während unserer Mittagsrast auf einen Pulk von 5 Jeeps mit Italienern. Vielleicht sah unsere kleine Gruppe gar zu idyllisch aus oder weiß der Geier warum, jedenfalls machen sie von uns Fotos und Videoaufnahmen. Endlich beschleicht auch uns einmal das "Zoogefühl", das wir mit unserer Fotografiererei sicher den meisten Einheimischen bescheren.

Der letzter Kameltag. Sollten das wirklich 16 Tage gewesen sein? Es ist kaum zu glauben!
Der letzte Abend mit Litnein und Schech, sie werden morgen früh die Kamele nach Ghat zurückführen. Die Ereignisse während der Kameltage werden nochmal in fix improvisierten Liedern besungen. Schech macht Tugella. Im Mondschein spielen Aisha, Housseni, Litnein und ich ein letztes Mal Domino.

Am Morgen dann der endgültige Abschied - bis zum nächsten Mal!
Nun geht es per Jeep weiter, Richtung Norden. Wir machen Rast am "Bonbonplatz": dort liegen jede Menge kleine, bunte Kiesel herum. Weiter gehts zum Adad, einem Solitärfelsen in Form eines Daumens, der das nördliche Ende des Akakus markiert.
In Al-Aweinat sind wir wieder auf der Teerstraße.


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Al-Aweinat --> Mandara --> Terkiba

In Al-Aweinat treffen wir Abu Salah wieder und Yussef kommt mit dem "kleinen" Auto, ein Hyundai. Er wird uns während der letzten Tage begleiten. Leider ist der Hyundai nicht sandtauglich, und so werden wir ihn jeweils vor Dünenstrecken stehen lassen und uns alle in den Jeep und den Pickup quetschen - immerhin sind wir nun zu zehnt!

Weiterfahrt in die Dünen von Wan Kassa. Wir übernachten nicht weit entfernt von der Straße. Doch die hohen Dünenzüge verschlucken jedes Geräusch und nehmen einem die Sicht. Wir sehen nur Sand und Sterne, doch täuscht das nicht darüber hinweg, dass wir uns langsam, aber sicher dem Ende unserer Reise nähern: Nur noch zwei Tage, dann werden wir im Minibus nach Norden sitzen ...
Wir finden einen idealen Schlafplatz auf der "Terrasse", an dem früh Spuren von Mäusen und einem Fennek zu sehen sind.
Am nächsten Morgen gehts weiter auf der Straße nach Westen, Mittagsrast unter dornigen Akazien, in Sichtweite der Straße. Auf der anderen Seite sieht man die Rauchfahne einer Petrol-Abfackelung.
In Ubari versucht Housseni vergeblich, "richtiges" Fleisch zu kaufen. Leider haben jetzt alle Fleischläden und der Markt geschlossen (von 13-18 Uhr) und so lange können wir nicht warten. Nun muss er doch mit drei großen Tiefkühlhühnern vorlieb nehmen.

Der Jeep hatte unterwegs Reifenpanne und muss in eine Reparaturwerkstatt. Wir warten vor der Tür und beäugen die vorüberflanierenden oder scheu hinter halbgeschlossenen Toren und Fenstern hervorlugenden Gestalten, die wiederum uns neugierig beobachten.
Das letzte Stück bis nach Germa vergeht wie im Flug. Diesmal nehmen wir die leichtere Einfahrt in den Erg Ubari. Moussa findet wieder einen herrlichen Lagerplatz und Housseni macht uns Brathuhn mit Pommes!
Am Abend herrscht nicht die geringste Aufbruchstimmung: keiner geht vor der Zeit ins Bett, obwohl der kalte Wind heute besonders bösartig bläst. Alle wollen nocheinmal das Feuer genießen und beim Schein des immer später aufgehenden Mondes (gg. Mitternacht) einen Tee trinken.

Der nächste Tag beginnt kalt und windig. Wir fahren zum fast ausgetrockneten Mandara-See, die meisten von uns sind zu faul, um in der jetzt heiß brennenden Sonne große Erkundungen vorzunehmen. Also hängen wir ein bisschen rum, machen Fotos. Der nächste Stopp nach herrlicher Dünenfahrt ist der See Umm Al-Ma' (Mutter des Wassers). Hier wollen wir unser letztes Housseni-Mittagessen genießen. Doch daraus wird leider nichts!
Nein, nein, das Essen war wie immer lecker, aber das Ambiente stimmte nicht:
ca. 50 österreichische Motorradfreaks mit dementsprechen vielen tollen, teuren, lauten und stinkenden Maschinen hatten sich just unsere Mittagsrast als idealen Zeitpunkt ausgesucht, um die Dünen am Ostufer des Umm Al-Ma' rauf- und runterzubrettern. Wen wunderts da, wenn wir jede Einsandung mit einem Lächeln quittieren.
Trotzdem hält sich bei uns der Spaß in Grenzen, die Mittagspause ist versaut und wird zur alsbaldigen Flucht vor den - nun zum härtesten Mittel greifenden - Dünenschändern: Denn jetzt werden die gerade nicht fahrenden, an Biertischen auf Bierbänken sitzenden Off-roader mit heimatlichen Klängen aus einer Waldbühnen-tauglichen Anlage beschallt - und wir gleich mit.
Jetzt reichts, wir fahren genervt ab Richtung Terkiba, wo - wer will - auf dem Campingplatz eine Dusche nehmen kann.

Dann geht es ein letztes Mal in die Dünen, aber nur an den Rand, damit morgen früh alles schnell gehen kann. Ein paar letzte Geschenke werden ausgepackt, nach dem Abendessen wird das Trinkgeld übergeben, dann beginnt die lange Nacht des Abschieds. Am Feuer werden nocheinmal viele Lieder gesungen, aber meine Lippen sind wie zugeklebt und die Kehle ist zugeschnürt.

In dieser Nacht kann ich nicht schlafen. Ich liege am immer kleiner werdenden Feuer, sehe die Glut verschwinden, friere wie ein Schneider und rauche wie ein Schlot. Die ganze Reise zieht nocheinmal an mir vorüber, einzelne Stationen werden fast minutiös vor meinen Augen abgespult, oft muss ich leise in mich rein lachen, obwohl mir doch eher zum Heulen zumute ist.
Jedes Mal fällt der Abschied schwerer: Man taucht immer tiefer in die Wüste ein, fühlt sich in ihr geborgen, ist weit weg und irgendwie doch zu Hause. Aber es wird immer auch ein bisschen leichter, weil man die Gewissheit hat, bald wiederkommen zu können, Freunde wiederzusehen, schöne Plätze, bizarre Felsen, faszinierende Felsmalereien zu sehen und in angenehmer Gesellschaft die Tage zu genießen.

P.S. Übrigens soll Libyen nach dieser Motorrad-Tour des österreichischen Veranstalters Hinterreither die Einreise von größeren Motorradgruppen verboten oder zumindest wesentlich eingeschränkt haben.
Wer darüber genaueres weiß, kann sich ja mal melden. Danke!


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Terkiba --> Ghariyan --> Djerba --> Deutschland

Am allerletzen gemeinsamen Morgen geht alles wie gewohnt schnell: Ein kurzes Frühstück für alle, die was runterbringen können, der Rest begnügt sich mit einem letzten Gläschen von Alis zauberhaftem Tee. Der eigentliche Abschied ist kurz, Gott sei Dank.
Ali und Housseni bleiben zurück. Dann gehts per Jeep zum Campingplatz, wo schon der Minibus mit unseren Fahrern Ali und Omar wartet. Gepäck umladen und der Abschied von Moussa und Yussef - es geht alles sehr schnell. Dann sitzen wir im Bus, es ist 8 Uhr früh.

Der Fahrer meint es gut mit uns und lässt aus den Lautsprechern irgendwas von Abschied und Schmerz und "weine nicht" tönen - und das ganze auch noch auf Deutsch! Das gibt uns allen den Rest! Die ersten paar Stunden auf unserer ewig langen Strecke bis Ghariyan vergehen in Schweigen.
Erst zur Mittagsrast in Ghariat (gg. 14 Uhr) tauen wir alle langsam wieder auf. Natürlich gibt es Hühnchen - wie immer auf den Transferstrecken. Das Restaurant wurde seit unserem letzten Besuch im Nov. 1998 ausgebaut, die kleine Veranda ist nun ein stattlicher, überdachter Vorbau geworden, viel größer als das eigentliche Restaurant. Früher war es viel schöner, aber des einen Leid ist des anderen Freud.
Am Abend sind wir in Ghariyan und übernachten im Hotel.

Am nächsten Tag kurze Besichtigung von Tripoli, danach Essen in Sabratha.
Dann gehts weiter zur Grenze. Die Grenzformalitäten ziehen sich ein bisschen hin, wir werden auf Nebenbahnen rausgewunken und sogar in die berüchtigte Filz-Halle eingewiesen. Doch wir haben Glück, müssen nichts herzeigen, auspacken oder gar hergeben. Nach zwei Stunden ist es vorbei.
In Tunesien ist es wieder eine Stunde früher, also Uhren umstellen und überlegen, was man mit der geschenkten Zeit anfangen könnte (man könnte z.B. vom Pilz zum Brunnen Bir Imananer und wieder zurück reiten, ganz langsam und mit Teepause dazwischen ...).
Ankunft in unserem kleinen Hotel in Houmt Souk gg. 20 Uhr. Wir gehen gleich essen, haben aber bei der Wahl des Restaurants kein Glück, weder kulinarisch noch sonst. Wir sind nicht in Stimmung und selbst der langersehnte Campari-Orange (frischgepresst!) schmeckt zwar lecker, macht aber nicht glücklich.

Am nächsten Tag haben wir noch jede Menge Zeit, um sog. Frusteinkäufe zu tätigen. Jeder zieht für sich oder in Zweiergruppe durch die Souks oder ergeht sich am Strand.
Mittags treffen wir uns alle nochmal, um uns von Laila zu verabschieden, deren Flieger nach Düsseldorf als erster geht.
Die letzten tunesischen Dinare brauchen wir fürs Taxi zum Flughafen und ein paar frische Datteln als Mitbringsel für Freunde, blumengießende Nachbarn oder sich selbst. Im Flughafen herrscht das Chaos, Verspätungen sind an der Tagesordnung, alles geht drunter und drüber, Menschen, Menschen, Menschen.
Der Flug nach München ist nur geringfügig verspätet, was an einem kleinen technischen Problem lag, welches jedoch schnell behoben wurde. Egal, egal - wir waren nach 2 Stunden Flugzeit in München, wo es hundekalt war und regnete.

Wir wurden mit Tulpen begrüßt und von lieben Menschen bis vor die Haustür gebracht - Danke!!

Hier noch ein paar Fotos von uns:

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